Teil 6 Großbritannien-Autotour Juli/August 2015.

Zu meiner Ehrenrettung sei’s gesagt, dass ich mich keineswegs wie ein Weichei kürzesten Wegs aus den kalten, verregneten Highlands nach ‚Cornwall-21°-und-Sonne‘ aufgemacht habe. Mein von Midges geschundenes Gesicht war auch noch nicht bereit für für volle Sonne und für elegantes britisches Strand-Publikum. Es juckte qualvoll.

So schwenkte ich nach einer diesmal recht entspannten und schönen Fahrt entlang des Loch Lomond und einige nette Stopps später noch vor Glasgow rechts Richtung Paisley, hin nach Ayrshire, ab.

Ich mag diese Gegend, die von historischen und kulturellen Schätzen fast überbordet und wo man am Electric Brae an der A719 herrlich über Wunder diskutieren kann.

Ayr ist eine uralte und historisch bedeutsame Stadt: Robert the Bruce eröffnete hier 1315 das erste schottische Parlament.

Im benachbarten Alloway wurde im 18. Jh. der Dichter Robert Burns geboren, von dem das Lied Auld Lang Syne stammt und auch mein Wahlspruch Freedom and Whisky gang thegither.

Burns, The Bard Of Ayrshire, der kurze und sehr wechselvolle 37 Jahre lebte, hinterließ ein reiches poetisches Erbe. Die darin zum Ausdruck kommende Nähe zur Natur, die authentischen Gefühlsbeschreibungen und der Drang nach selbstbestimmtem Leben wurden noch zu seinen Lebzeiten mit viel Aufmerksamkeit belohnt. Inzwischen tragen viele seiner Gedichte Volksliedcharakter und wurden auch in moderner Musik vertont. Als 1999 das schottische Regionalparlament gegründet wurde, sang Sheena Wellington Burns A Man’s a Man for A’ That und die letzte Strophe alle Abgeordneten mit ihr.

…Trotz alledem und alledem,
Es kommt dazu trotz alledem,
Dass rings der Mensch die Bruderhand
Dem Menschen reicht trotz alledem!
(in Übersetzung von Ferdinand Freiligrath)

Manch‘ einer wird sagen: ganz schön romantisch! Auch ich bin voller Skepsis – aber… „trotz alledem“… was bleibt uns, wenn wir diese Hoffnung aufgeben?

Der Dichter selbst hätte sich wohl kaum träumen lassen, dass zwei Jahrhunderte später sein Geburtstag am 25. Januar nicht nur in Schottland, sondern in vielen Ländern dieser Erde, nämlich an den Zielorten schottischer Auswanderer, und auch dort,  wo sich Freundeskreise schottischer Kultur gebildet haben, mit der traditionellen Burns Night, dem immer gleichen Burns Supper mit Haggis, Neeps, Tatties und Trifle sowie dem Lesen seiner Texte zelebriert wird. Und ja… mein Haggis für 2016 ist auch schon bestellt :-)

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Robert Burns bis 2007 nicht kannte.

Doch das Schicksal wollte, dass sich dies änderte und ich landete nach einer Irrfahrt über eine damals extrem schlechte A814 von Nord nach Helensburgh, wo ich unbedingt das von Charles Rennie Mackintosh gebaute Jugendstilhaus Hill House besuchen wollte und über die Küstenstraße A78, die mir einfach nichts Interessantes bot, spät am Abend in Alloway, wo an der Straße die Lichter vom altehrwürdigen Brig o‘ Doon House warm leuchteten und ich tatsächlich die letzte freie Räumlichkeit haben konnte: eine Suite mit eigenem Arbeitszimmer und einem Badezimmer – noch einmal so groß wie im Bild der Wohnbereich.
Wer verzweifelt müde ist, nimmt auch das :-)

Brig o'Doone Alloway

Am nächsten Morgen erblickte ich als erstes die schöne Brig o‘ Doon itself…

Brig o'Doon

… und stolperte daraufhin direkt in die schöne Parkanlage mit dem Robert Burns Monument. So lernten der Dichter und ich uns kennen und seitdem bin ich seiner Verehrerschar beigetreten.

In diesem Jahr mit Camping also Kontrastprogramm zum schönen Hotel in Alloway, aber immerhin mit traumhafter Lage neben dem Culzean Castle und mit Blick auf „Klein-Schottland“: die Insel Arran.

28.07.2015 – Camping and Caravanning Club Site . Wie alle Campsites des CCC ist auch diese sehr gepflegt und wird von hilfsbereiten Wards geführt. Für mein Zelt und mich musste ich hier 17,50 GBP bezahlen – ohne Strom.

Man kann zu Fuß zum Castle laufen, allerdings führt der Weg über die asphaltierte Schlosszufahrt, wo man ständig motorisierten Besuchern begegnet – so würde ich beim nächsten Mal wohl auch das Auto bis zum Parkplatz nehmen, zumal man dann die komplette Fotoausrüstung in der Nähe hat. Laufen kann im weitläufigen Park-Arial des Schlosses und am Strand noch genug.

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Blick auf Arran

Wer nach Culzean fährt, sollte auf jeden Fall auch an den Strand gehen, er ist steinig, aber auf besondere Art schön.

Am Strand von Culzean Castle hat man einen magischen Blick nach Ailsa Craig und findet wunderschöne alte Schnecken

Strand von Culzean Castle mit magischer Aussicht auf Ailsa Craig. Hier gibt es auch wunderschöne alte Schnecken.

An diesem Abend nahm ich mein Abendessen mit an den Strand – romantischer kann man Dinner kaum haben.

Das Schloss gehörte früher dem Clan Kennedy, ebenso wie die nahe gelegene Burg Dunure. Heute ist es in Händen des National Trust, und oben in den Gemächern, die einst für die Präsidentenfamilie Eisenhower eingerichtet und vorgehalten wurden, können du und ich Logis nehmen – das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

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Das alte Gaswerk von Castle Culzean

Das alte Gaswerk von Culzean Castle