Unsere Lieblingsschotten RUNRIG haben sich aus Deutschland verabschiedet.

Die Folk-Rockband um die Brüder Rory und Calum Macdonald, mit dem Gitarristen Malcolm Jones, Keyboarder Brian Hurren, mit Iain Bayne, dem Schlagzeuger, sowie Leadsänger Bruce Guthro aus Nova Scotia hatte vor einem knappen Jahr ihre Farewell-Tour angekündigt. Mit drei Deutschland-Konzerten in Berlin, Stuttgart und Köln starteten Runrig jetzt die „Finale Mile“, bevor es über Dänemark nach Großbritannien geht, wo sich im August im geschichtsträchtigen Stirling Runrig-Fans aus der ganzen Welt zusammenfinden, um mit der Band, welche in 45 Jahren schottische Musikgeschichte mitgeschrieben und viele, viele Musiker inspiriert hat, den Last Dance zu feiern.

Von den Deutschland-Konzerten hatte ich Stuttgart am 8. Juni ausgewählt. So würde ich am nächsten Tag noch beim Blacksheep-Festival in Bonfeld reinschnuppern und Freunde wiedersehen können.

Nach den letzten Jahren, in denen ich die homogene Spielfreude und den RUNRIG-Spirit doch mehr oder weniger oft wie schmerzlich vermisste, fuhr ich ohne nenneswerte Erwartungen nach Stuttgart. Es war mir vielmehr eine Frage der Ehre, die Musiker auf ihrer letzten Tour zu begleiten, nachdem sie uns die vielen bleibenden Songs geschenkt haben. Auch wunderbare Konzertstunden, in deren Umfeld ich etliche feine Menschen kennengelernt habe.

Immer wieder erweist es sich als gut, ohne Erwartungen zu sein. So wurde es ein Abend, bei dem ich wieder staunen und mich grandios freuen konnte.

Auf dem Weg zur Hanns-Martin-Schleyer-Halle hatte ich noch Stopp am Flughafen eingelegt, um meinen Bonfelder Zeltplatznachbarn zu treffen, der sich netterweise bereiterklärt hatte, mein Zelt mitzunehmen und es schon mal auf der Camper-Wiese aufzubauen. Schließlich würde es spät werden in der Nacht.

In Stuttgart suchte ich als erstes meine Kirchseeoner Freundin Gerti, die als langjähriger Runrig-Fan eine DB-Rundreise München-Stuttgart-Köln-München mit gleich zwei Konzertbesuchen gebucht hatte. Gemeinsam erwarteten wir dann unseren Bernhard-Freund und gingen noch etwas essen, bevor Gerti ihren vorderen Logenplatz einnahm. Bernhard, der ebenfalls einen vorderen Platz reserviert hatte, meinte, er würde in einen weniger eng belegten Bereich gehen. Ich hängte mich prompt an seine Fersen – wissend, dass Bernie ein ausgefuchster Insider ist. In die Arena würde ich ja immer noch gehen können, wenn ich das wollte. So kam es, dass wir mehrere Reihen ganz für uns hatten. VIP-Status :-)

Gut 9.000 Besucher füllten die Halle, als die Musiker unter riesigem Jubel die Bühne betraten, passend zum Anlass mit „The Years We Shared“ starteten und uns erst nach sage und schreibe drei Stunden mit zwei Zugabe-Blöcken und insgesamt 29 Songs wieder verließen. Das war für Runrig-Verhältnisse enorm. Was mich indes weit mehr begeisterte: Man merkte ab den ersten Titeln, wie ernsthaft die Musiker diese Tour vorbereitet hatten. Wir konnten uns nicht nur über einige weniger oft gespielte Titel freuen, sondern auch über viele schöne kleinere Neu-Arrangements bei den Klassikern. „Somewhere“ aus dem Album „The Story“ gar wurde völlig neu interpretiert, diesmal nicht von Rory gesungen, sondern von Bruce Guthro im Duett mit unserer verehrten gälischen Nachtigall Julie Fowlis. Eine sehr schöne, lebensbejahende Fassung. „In Search Of Angels“ mit dem inzwischen deutlich gereiften Brian Hurren zu hören, war ein weiteres Highlight für mich.

Natürlich gab es jede Menge Emotionen an diesem Abend, im Publikum sowieso, aber ebenso auf der Bühne. Auch das war sehr berührend.

Die Band hat mehrfach betont, ihr sei ein würdiger Abschluss ihrer Karriere wichtig, und dafür haben sie spürbar noch einmal alles gegeben. Mein Respekt! Das war wieder die Band, die ich 2010 in München kennengelernt habe und der ich damals spontan nach Karlsruhe nachgereist war.

Nach diesem sehr aufwühlenden Erlebnis verlief die einstündige Fahrt von Stuttgart nach Bonfeld in einer Art Trance, so dass ich gar keine rechte Erinnerung daran habe.

Plötzlich erkannte ich links die kleine Ortseinfahrt und dachte: Ups, du bist ja schon da, gleich muss rechts die Scheune mit den Parkplätzen kommen. Da war sie auch schon. Und ein einziger freier Platz genau gegenüber von Franks Auto – ein Gefühl des Nachhause-Kommens flog mich an. Für den Blacky immerhin ist es ja auch wirklich das Zuhause. Und für den BRUMM aus Neckarsulm so gut wie… Das hübsche Täschchen ist ein Gruß zu Irmi!!!

Mein Zelt war bestens aufgebaut –  wie sich später herausstellte, hatten schließlich zwei starke Männer daran gearbeitet :-)

Aaaaber: die Wiese war eng mit Zelten besetzt und nebenan feierte eine Gruppe von Leuten noch den Blacksheep-Musikabend nach. An Schlafen war deshalb nur mit Ohrstöpseln zu denken. Irgendwann viel später wurde es leise, allerdings begannen kurz darauf die Vögel ihren Morgengesang. O.k., das ist dort halt so. Und wen stört das noch, wenn der Nachbar in der Früh schon Kaffee braut und nach dem Frühstück die Irmi von ihrem Haus über die Wiese gelaufen kommt und mich herzlich begrüßt. Ach ihr Lieben miteinander, fühlt euch ganz dolle gedrückt!

Diesmal konnte ich nur den letzten der drei Blacksheep-Festivaltage mitnehmen, zum Glück war dies sowieso der beste!

Die Oysterband, der ganz und gar fantastische Brother Dege, dessen Louisiana-Klänge mich ab dem ersten Ton in den Band zogen und die Rockband Wishborne Ash, bei der wir alle in Regen-Tarnumhängen tanzten, habe ich besonders geliebt. Die Headliner Mighty Oaks waren musikalisch zweifelsfrei erstklassig, aber sie nach der Rockband spielen zu lassen, empfand ich nicht als besonders stimmiges Konzept. Trotzdem ein toller Tag, an welchem die andernorts wütenden Gewitter mal wieder respektvollen Abstand zum Bonfelder Festival hielten. Drei Jahre in Folge haben wir dort nun schon Petrus Gunst mit uns.