Sich von Lewis nach Harris zu begeben, hört sich immer ein bisschen nach Insel-Hopping an.

In der Realität überquert man auf dem verbundenen Island Leòdhas agus na Hearadh ein paar Hügel und ist eine Stunde später im netten Tarbert mit seinem Fährhafen, von dem aus die Fähren nach Uig auf der Isle of Skye abfahren.

Unten am Wasser gibt es auch eine Destillerie. Für motorisierte Wartende verbietet sich freilich ein Verkostungsbesuch.

Ich hatte die Fähre für Dienstag gebucht und in Stornoway hatten mein B&B-Nachbar Jim und ich festgestellt, dass wir die Überfahrt gemeinsam machen würden. Soweit das Erfreuliche, was dann auch sehr nett wurde.

Abgesehen davon war der Zauber von Uig Sands leider dahin, sobald ich Harris erreicht hatte. Extra hatte ich den schönen einsamen Strand vorzeitig verlassen, weil mir Harris und die Horgabost-Campsite aus dem sehr schönen Aufenthalt von 2010 in „karibischer Erinnerung“ geblieben sind.

Weißer Strand auf der Isle of Harris Schottland

Aber Horgabost leidet inzwischen unter dem Fluch vieler schöner Plätze, die zu bekannt werden und auch noch an einer komfortablen Straße liegen. Schon die Fahrt dorthin war recht gehetzt, weil der Verkehr viel dichter geworden ist und man zum angehupten Hindernis wird, sobald man ein bisschen vom Gas geht.

Auf der Campsite war selbst für mein kleines Zelt kaum noch ein Platz zu finden, während der Sanitärblock keinesfalls mitgewachsen ist :-(

Am Platz hat sich jetzt ein Imbisswagen angesiedelt, dessen Betreiber – das weil ich gerne zugeben – einfaches, aber ordentliches Essen verkaufen. In der Wartezeit kam ich mit einem Handwerker aus Leverburgh ins Gespräch, welcher mir seinen ganzen Frust über die Touristen schilderte, die ihm die Wege zur Arbeit und zurück in den Feierabend durch bummeliges Fahren erschwerten.

Ups, dachte ich, womöglich hast du mich vorhin auch angehupt. Aber ich kann ihn ja schon verstehen, und es war sowieso ein netter Mann.

In Deutschland hätte er gelernt, erzählte er stolz, denn nirgends würde man so gut ausgebildet wie in Deutschland. Auch sein Sohn, der Medizin studiere, solle aus dem Grund eine Zeitlang nach Deutschland gehen. Tüchtige Leute!!!

Ich bin dann vom Platz geflüchtet und habe mir ein ruhigeres Plätzchen auf der anderen Seite der Bucht gesucht. Dorthin hätte ich mal mein Zelt mitnehmen sollen, jedoch stand dieses bereits aufgebaut auf der Campsite und hin und her wäre auch nicht gemütlich gewesen. Also beließ ich es beim Spaziergang und anschließenden Bewundern des Sonnenuntergangs.

Am nächsten Morgen wachte ich früh auf und hatte noch ein Zeit bis zur Fährüberfahrt. So bog ich rechts auf die winzige Straße Richtung Plocrapool ab, da ich diesen östlichen Teil von Harris noch nicht kannte. Hier, nur wenige Kilometer abseits des Transitgeschehens Nord-Süd, fühlt man sich gleich wieder wie in einer vergessenen Welt.

Muss man sich da wundern? Für Sekunden dachte ich kurze Zeit später bei diesem Anblick an der Fähre in Tarbert: „Guck‘, jetzt wandern die letzten Farmer aus.“

Dem war natürlich nicht so, vielmehr gab es eine Messe auf Skye – da war ich aber schon nicht mehr vor Ort.

Auf der Isle of Skye fuhr ich gleich bis Portree durch, weil ich am nächsten Morgen bereits von Armadale nach Mallaig übersetzen wollte.

Mein Sohn hatte etwas ironisch gefragt, ob ich auf der Tour auch Auto oder nur Fähre fahre, aber so what!? Die Hopshotch Tickets bei Calmac sind günstig, das Reisen wird entschleunigt, und außerdem liebe ich den Wechsel der Perspektiven Land-Meer. Für alle übrigen: Doch, die Strecke über die Skye-Brücke, vorbei am Eilean Donan Castle und den Five Sisters ist wunderschön und immer eine Fahrt wert! Selbst wenn ihr in der Auto-Karawane steckt.

In Portree stoppte ich, um für eine Freundin ein Bild von ihrer Lieblingsstadt aufzunehmen und auf dem Markt gute Lebensmittel einzukaufen.

Danach flüchtete ich ein weiteres Mal, denn das Städtchen war voll in japanischer Hand. Außerdem hatte ich auf Lewis den Tipp bekommen, ein abgelegenes Eckchen im Süden der Insel zu besuchen. Dort wäre es nicht so touristisch wie im übrigen Teil, was sich bestätigte. Nach einer recht abwechslungsreichen Anfahrt mit vielen Kuh-Begegnungen erreichte ich einen winzigen und sehr idyllischen Weiler, wo man das Leben gut aushalten konnte.

Allerdings gebot mir der Respekt, dort nicht einfach mein Zelt an den Strand zu stellen und so fuhr ich am Abend wieder Richtung Hauptstraße zurück und baute zum Übernachten in Sligachan auf.

Eigentlich dachte ich immer, man könne dort wegen der Lage an der Straße nicht gut schlafen, aber es ging überraschend gut. Es sind viele Sportler auf dem Platz, die früh raus wollen und deshalb auch zu vernünftiger Zeit schlafen gehen.

Und man hat halt den Vorteil, das restliche Licht nutzen zu können, um ein bisschen in die Berge aufzusteigen. Nachdem der Tag lang gewesen war, wollte ich keine Kameraausrüstung mehr mitnehmen, sondern probierte aus, was die Kamera vom Galaxy S8 bei Low Light noch zustande bringt.

Ich möchte behaupten, für Facebook & Co geht das schon. Grundsätzlich jedoch ist diese Testzeit bei mir nun abgeschlossen und ich werde die Handykamera nur noch nutzen, wenn es definitiv nicht möglich ist, eine Kamera mitzunehmen oder wenn ich ein Bild wirklich nur für Whatsapp oder Facebook oder für eine Dokumentation brauche. Spätestens zu Hause ärgert man sich nämlich, weil die Qualität ganz klar nicht diejenige ist, welche man haben möchte. Und auch haben könnte, wenn man nicht so faul gewesen wäre!

Der stark farbige Abendhimmel deutete schon an, dass sich das Wetter ändern würde und tatsächlich reichte die Trockenheit am nächsten Morgen gerade noch fürs Zeltabbauen und für den Frühstückskaffee, dann öffneten sich alle Himmelsschleusen auf einmal und sehr nachhaltig.

Dass der 26. Juli noch aus einem anderen Grund eine Zäsur bedeutete, wusste ich noch nicht. Aber die Ahnung war wohl schon in mir. Vor dem Verlassen der Insel fuhr ich noch einmal aus der anderen Richtung und diesmal die vollständige Runde hin zum kleinen Strand von Ord und wieder zurück. Es hatte etwas Meditatives.