Es ist der 17. Juni, Nationalfeiertag der Isländer, und man lese und staune: der vierte Tag in Folge, an dem es nicht regnet. Jedenfalls nicht an den Orten, an denen ich mich aufhalte. Da kann sich das schottische Wetter eine Scheibe abschneiden! Na ja, dafür gibt es dort guten Whisky und hier… reden wir lieber nicht drüber :-)

Nachdem ich also nur wenige Stunden Tagschlaf halten konnte, packte ich mein Zelt zusammen, sagte Stefan und Nadine Bescheid, dass ich weiterziehen würde und ging noch einmal auf Wanderschaft ins Hochtemperaturgebiet Namafjall Hverir. Dort könnte ich ewig herumwandern, dem Blubbern und den aufsteigenden Nebelschwaden zuschauen. An den Schwefelgeruch habe ich mich sehr schnell gewöhnt; er störte mich nicht mehr.

Aber da man – wie Stefan meinte – irgendwann auch wieder etwas anderes fotografieren sollte als den Myvatn und das ihn umgebende Gebiet, machte ich mich auf den Weg die A1 zurück und wollte eigentlich zum berühmten Wasserfall Goðafoss als Zwischenetappe in den Norden. Die jungen Leute hatten vor, gegen Abend die F-Straße zum Dettifoss fahren; dorthin hätte ich ihnen mit dem PKW nicht folgen können.

Kurz vor dem Goðafoss kam dann die SMS: Die alte F862 ist frisch geteert, willst du nicht doch herkommen? Also kehrt marsch. Es war ein seltsames Gefühl, über diese neue Asphaltstraße, die jetzt kein „F“ mehr im Namen trägt und damit auch für normale PKW mietwagenrechtlich zugelassen ist, zu fahren – mitten durch eine sehr karge Mondlandschaft. Ich mag diese Leere irgendwie, in der sich die blitzblanke Straße – wohl die beste, die ich in Island erlebt habe, freilich wie ein Fremdkörper ausmachte.

Diese Ambivalenz aber war noch nichts gegen den Anblick des riesigen Parkplatzes am Dettifoss mit gigantischen Bus-Stellplätzen. Als wollte die Natur uns zeigen, wer der eigentliche Hausherr ist, standen WC-Häuschen und Spielplatz tief unter Schmelzwasser – das war dann schon wieder zum Schmunzeln.

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Ansonsten ging es zu wie vor dem Big Waterfall in Plitvice und wir beneideten die Leute, die anders angereist waren und auf der rechten Seite der Schlucht standen. Aber keine Frage, der Dettifoss, der nach einem sehr kurzen Spazierweg zu erreichen ist, hält einen mit seiner Ur-Kraft in Bann! Die Wucht, mit der das Wasser der Jökulsá á Fjöllum hier herabschießt, habe ich in dem Ausmaß noch nie irgendwo erlebt.
Leider waren etliche Teile des Geländes noch gesperrt, weil verschiedentlich noch Eis und Schnee lag.

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Dettifoss

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Selfoss

Immerhin haben wir Dettifoss und den benachbarten Selfoss besuchen können. Und ich weiß nun außerdem, dass ich das nächste Mal über die Straße 864 anfahren werde.

Leider war die kurze Zufahrt nach Asbyrgi über die 862 noch gesperrt, so dass ich die Stichstraße wieder zurückfahren musste. Sonst wäre ich gleich im Norden geblieben. So machte ich noch eine spätabendliche Abschlusswanderung auf den Namafjall und fuhr kurz nach Mitternacht Richtung Goðafoss, um dort auf den Sonnenaufgang zu warten.

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Abschied vom Namafjall. Im Hintergrund der Myvatn

Unterwegs und bei der Ankunft spektakuläre Himmelsfarben. Leider kündigten die sich verdichtenden Wolken zugleich einen zeitweiligen Wetterwechsel an.

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So vermochte die Morgensonne den schönen Wasserfall nur einmal kurz zu streifen, bevor die Wolkendecke sie erreichte und für viele Stunden zudeckte.

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Goðafoss um halb zwei in der Nacht

Ich wunderte mich gerade noch, warum die Fotografen am gegenüberliegenden Ufer das Equipment bereits wieder einpackten, als ich beim Blick rückwärts die Bescherung sah.

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Oh jeh – ich mochte es gar nicht glauben, dass die wunderbare Stimmung so jäh enden sollte. In der Hoffnung auf Wind lief ich noch eine Stunde die hübsch angelegten Wanderwege entlang, bevor ich mich ins Auto zurückzog und es mir dort für einen „abwartenden Kurzschlaf“ halbwegs gemütlich machte.

Erst hatte ich überlegt, auf der netten kleinen Campsite hinter dem Gasthaus mein Zelt aufzuschlagen, aber in Erwartung der sicher gegen 9.00 Uhr eintreffenden Busse verwarf ich diesen Gedanken wieder. Wenn das Wetter sich nicht wieder besserte, würde ich mich nach 3-4 Stunden Richtung Norden und Husavik aufmachen, um im Nordosten die prognostizierte Schlechtwetterphase zu überbrücken. Im Süden wurde erst von Mittwoch auf Donnerstag besseres Wetter erwartet.

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