Da war ich nun also wieder zurück auf der Halbinsel Reykjanes! Froh, wieder nach Hause zu können? Nein, diesmal nicht. Oft schon hat mich gegen Ende einer Tour die Heimat mit leichter Wehmut zurückgezogen, manchmal so sehr, dass ich mich zwei oder drei Tage zu früh an der Fähre einfand, die mich wieder nach Calais bringen würde. Und aus dem Périgord war ich einst die 1.500 km, nur unterbrochen durch Tank- und Essenspausen, bis nach Hause durchgefahren, obwohl noch Zeit genug war und ich eigentlich im Elsaß Station machen wollte.

Doch diesmal war Wehmut in mir, weil ich nicht dableiben konnte, wenigstens noch eine Zeit lang. Ich hatte es schon die letzten Tage gespürt und mich wohl deshalb drei Tage lang geweigert, nun mal genau nachzuschauen, ob ich eigentlich Donnerstag- oder Freitagnacht zurückfliegen musste. Drei Tage machte ich Alternativpläne für beide Optionen – so etwas nennt man wohl Verdrängung! Die bekanntlich aber nicht viel nützt, denn Fakt war: Für Mittwoch hatte ich in Reykjavik ein Bett gebucht und Donnerstag hieß es, das Auto abzugeben.

Ich hatte vor, den letzten Abend in Reykjavik zu verbringen, gut zu essen und durch die Stadt zu bummeln, die ich ja noch nicht kannte.

Ich checkte auch pünktlich ein, aber nach dem tagelangen freien Durch-das-Land-Streifen hatte ich einfach keine Lust auf „Stadt“, und die gute Laune dafür stellte sich auch nicht ein.

Hm, in der Stimmung kannst du heute sowieso nichts fotografieren, sagte ich mir und fuhr wieder raus. Hin zum Leuchtturm in Gardur, wo ich vor 14 Tagen gestartet war, und atmete tief durch… hier ging es mir wieder gut.

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Auf dem Zeltplatz zwischen den beiden Leuchttürmen, wo bei der Anreise ein einsames Zelt gestanden hatte, war jetzt „Hochbetrieb“: Vier Campingautos und ein Zelt!

Oh, wie beneidete ich die Leute, dass sie da übernachten konnten, während ich später zurück in die Stadt musste. Eine halbe Stunde lief ich am Strand hin und her und überlegte, einfach hierzubleiben. Fünf Minuten war ich dafür, fünf Minuten dagegen… Die Sache war ja die, dass ich am nächsten Tag das Zelt nicht platschnass in die Tasche packen wollte, und für die Nacht war Regen angesagt. Zum Schluss siegte die Vernunft. Manchmal hasse ich Vernunft…

Wenigstens war noch etwas Zeit, die ich hier draußen verbringen konnte. Also entschied ich, Richtung Grindavik zu fahren, mit einem Stopp bei der Blauen Lagune.

Nein, zum Baden würde die Zeit nicht reichen, aber ich hatte gelesen, dass man draußen auf einigen kurzen Wanderwegen recht schön durch die Lava laufen und das türkisfarbene Wasser sehen könne.

Das war dann auch so, und weil Petrus – oder die Elfen – mir zum Abschied noch einmal wunderbar klares Licht schenkten, fand ich alles wunderschön… die Kraftwerksanlagen überaus ästhetisch inmitten der Lava, die gigantische Wellnesseinrichtung überhaupt nicht touristisch :-) und selbst das Schild „Professionelles Fotografieren verboten“ entlockte mir ein mildes Lächeln vollen Verständnisses. Natürlich sehe ich ein, dass ich die drinnen Postkarten im Souvenirshop kaufen soll, immerhin bringt so eine Anlage sonst ja auch nichts ein :-)

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Man kann es aber nicht leugnen: Es ist schon einzigartig dort. Und draußen, außerhalb des Bades, kann man sich sogar noch mit dem wohltuenden Kieselmatsch einkleistern, den man drinnen nur noch in den angebotenen Kosmetika bekommt.

Von der blauen Lagune bis in den hübschen Hafenort Grindavík war es dann nur noch ein kurzes Stück und auch hier fühlte ich mich total wohl. Ob dies am berühmten esoterischen Zentrum lag, welches es hier gibt? Aber das glaube ich eher weniger, denn meine letzte Begegnung mit diesem Thema hatten bei mir ziemliche Verspannungen hinterlassen. So werden vielleicht auch hier ein paar Elfen zugegen gewesen sein.

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Was für ein schöner, stimmungsvoller Ausklang für meine Reise. Ich war wieder harmonisiert und konnte zurückfahren nach Reykjavik, wo ich noch eine Stunde durch die zu dieser Nachtzeit erstaunlich ruhige Altstadt streifte.

Der nächste Morgen hielt, was der Wetterbericht versprochen hatte: Grau in Grau und ab dem Vormittag dann unaufhörlicher Regen. Doch weil ich sehr früh aufgestanden war, waren mir wenigstens noch ein paar zwar graue, aber wenigstens trockene Stunden vergönnt, so dass ich mich in Richtung des Solfatarengebiets Krýsuvík/Seltún aufmachen konnte, welches sich ebenfalls auf der Halbinsel Reykjanes befindet, nicht weit von der Blauen Lagune entfernt.

Zuvor besuchte ich noch das bemerkenswerte Städtchen Hafnarfjördur, welches nicht nur ein Zentrum des Elfenglaubens, sondern auch der Wikingertradition ist.

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Ich fand die Stadt mit ihren vielen hübschen Details sehr charmant und durchaus einen nächsten, längeren Besuch wert, wenngleich vieles, was neu gebaut worden ist, überhaupt nicht ins Ortsbild passt. Aber da ist die Stadt ja kein Einzelfall, und auch bei uns kennen wir etliche solcher Bausünden.

Doch weiter auf die Straße Nr. 42! Die recht ebene Landschaft um Keflavík vor Augen, ist man überrascht, sich plötzlich in der imposanten tiefschwarzen Vulkanlandschaft wiederzufinden. Ich fand es witzig, dass ich trotz meines Stopps in der Wikingerstadt immer noch so früh unterwegs war, dass die Autos vor dem Tagebau geduldig auf das Öffnen der Schranke zu Schichtbeginn warteten.

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Wegen dieser frühen Stunde hatte ich dann die schöne Straße, die tagsüber recht befahren sein soll, ganz für mich allein.

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Immer schön auf dem Weg bleiben, sonst endet dein Auto auch bald so!

Der abzweigenden Straße Nr. 428 konnte ich leider nicht folgen, weil ein Schild unzweideutig gebot: Hier darfst du mit deinem Mini-Vehikel nicht durch!

Der wunderschön von Vulkanhügeln eingerahmte, geologisch recht interessante See Kleifarvatn, an dem die 42 entlangführt, entschädigt dafür aber ausreichend.

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Am Kleifarvatn

Das Solfatarengebiet Seltun erreichte ich noch bei Trockenheit, wurde hier allerdings vom Regen eingeholt und musste die Nikon kurze Zeit später im Rucksack verstauen.

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Ein Ziel hatte ich aber noch und das ließ ich mir auch durch den immer stärker werdenden Regen nicht nehmen: Die Strandarkirkja in Selvogur. Die berühmte kleine Kirche direkt am Meer, die im Ruf steht, Seeleuten in Not geholfen zu haben und deswegen hoch verehrt wird. Hier ließ ich meine Island-Reise ausklingen. Und während draußen der Regen trommelte, dachte ich drinnen noch einmal an die zurückliegenden wundervollen Tage zurück.

Alles war gut verlaufen, kein Kratzer am Auto und keiner an mir selbst.

Petrus hatte es ausgesprochen gut mit uns gemeint, so dass sowohl Stefan und Nadine im Hochland als auch mir da unten auf der Ringstraße wundervolle Erlebnisse möglich gewesen waren.

Bei den liebenswerten isländischen Menschen kann man sich gar nicht genug bedanken, wie großzügig sie der verhältnismäßig großen Schar an Besuchern immer noch begegnen. Eine derart umfassende Freizügigkeit hinsichtlich des Zugangs zu den vielen, vielen Sehenswürdigkeiten habe ich noch nirgends vorgefunden und kann mir auch nicht vorstellen, ihr anderswo in diesem Maße zu begegnen.

An all dies denkend war mir in der kleinen Kirche sehr warm um’s Herz zumute. Auf Wiedersehen, Island. Bis zum nächsten Mal. Und passt gut auf euch auf.

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