Vor zwei Jahren, zu Weihnachten in Lappland, hatten meine Tochter Liane und ich die Idee, einen „Mädelsausflug“ zu den Tieren Namibias zu unternehmen und im Oktober 2018 haben wir uns tatsächlich auf den Weg gemacht.

Ein ganzes Jahr lang hat uns die Vorbereitung beschäftigt, weil die Tour zu uns beiden passen sollte. Was dieses „passen“ bedeutet, mussten wir für die erste große gemeinsame Reise, zudem in ein uns doch relativ unbekanntes Land, auch erst einmal definieren.

Gut, ganz fremd war mir Namibia nicht, denn 2014 war ich bereits vier Wochen mit Sohn und Schwiegertochter dort. Allerdings hatte damals die emsige Nadine alles perfekt geplant und ich war sozusagen „nur hinterher gefahren“. Vieles auf der ersten Tour ist mir als grandios in Erinnerung geblieben, wie zum Beispiel die Namib-Wüste. Diese sollte nun unbedingt auch Liane sehen und bestaunen.

Einen weiteren Fixpunkt bildete der Etosha-Nationalpark, den wir 2014 ausgelassen hatten. Um diese beiden Destinations herum galt es eine Route aufzubauen. Den Zeitraum von 14 Tagen haben wir sehr schnell auf drei Wochen erhöht.

Was wir wollten:

  • Einen interessanten, aber für Nicht-Offroad-Erfahrene machbaren Streckenverlauf, bei dem wir uns freilich schon ein bisschen mit den Vorzügen des angemieteten Toyota Hilux vertraut machen und diese ausloten wollten. Keine Überforderung, aber auch keine fahrtechnische Langeweile.
  • Aufenthaltsplätze finden, die uns nicht nur landschaftlich, sondern auch sozial etwas über Land und Menschen sagen – im optimalen Fall auf nicht harmonisch verklärende, sondern sachlich-konstruktive Weise.
  • Übernachten teilweise im Dachzelt und teilweise in Bushcamps bzw. Lodges. Den diversen Feelings nachspüren.
  • Genügend Muße zum Chillen und Vertrautmachen, also nicht täglich weiterfahren müssen.
  • Gut essen und interessante Begegnungen erleben.

Über Monate hinweg haben wir uns in Reiseberichte eingelesen, Webseiten von Lodges und Campsites durchstöbert und Youtube-Videos angeschaut, um ein Gefühl für die verschiedenen Plätze entlang des grob skizzierten Routen-Kreises zu entwickeln, der zunächst mal so aussah:

Wir sammelten Adressen und schöne Streckenabschnitte, bevorzugten mal diese Campsite und verwarfen sie wieder zugunsten einer anderen, ich verliebte mich beim Lesen in das Erongo-Gebirge. Ein Ziel im Nordwesten mit Anschluss an das westliche Etosha-Gate wechselte ich spontan kurz vor Abflug zugunsten der Sophienhof Lodge, weil ich mich vor dem Urlaub zu erschöpft für das beabsichtigte Wüsten-Elefanten-Abenteuer fühlte.  So entstand diese finale Tour und sie war genau richtig für uns:

Rückblickend würden wir lediglich die drei für Swakopmund geplanten Tage anders verwenden, zum Beispiel zugunsten der Namib, von Omandumba oder der Etosha. Was aber nicht heißen soll, dass wir in Swakop keinen Spaß gehabt hätten.

Unsere Übernachtungsstopps waren (mit meiner individuellen und subjektiven Punktebewertung, bei der ich immer auch den verschiedenen Charakter der Unterkunft berücksichtigt habe – von einer teuren Lodge erwarte ich anderes als von einer Campsite an einem touristischen Hauptziel):

  • Eagle Rock Guest Farm (2 Nächte/Bungalow – 10/10 Punkte)
  • Tsauchab River Campsite (2 Nächte – 8/10 Punkte)
  • Sesriem Rest Camp (2 Nächte – 9/10 Punkte)
  • Sandfields Guest House Swakopmund (3 Nächte – 9/10 Punkte)
  • Omandumba Bush Camp (2 Nächte – 10/10 Punkte)
  • Sophienhof Lodge (2 Nächte/Bungalow – 9/10 Punkte und davon gehen 3 an unseren einzigartigen Gamedrive-Fahrer Nikodemus)
  • Okaukuejo Rest Camp (2 Nächte/Raum – 5/10 Punkte und davon gehen 4 an das Wasserloch, der letzte an die Position im Nationalpark)
  • Halali Rest Camp (2 Nächte/Raum – 7/10 Punkte)
  • Sasa Safari Camp (1 Nacht/Bungalow – 9/10 Punkte)
  • Ozongwindi Lodge (2 Nächte/Bungalow – 8/10 Punkte)

In den Etappenberichten gehe ich darauf noch näher ein.

Unseren Toyota Hilux haben wir aus inniger Verbundenheit mit Hubert Hester und seiner Familie bei Kalahari Car Hire gebucht und waren auch dieses Mal wieder sehr zufrieden mit dem Auto und berührt von der Hesterschen zuverlässigen Rundumbetreuung.

Das Unternehmen soll nun verkauft werden (worden sein) und man muss schauen, wie sich der Service entwickelt. Außerdem hat es dieses Jahr (wie vermutlich auch bei anderen) neue Einschränkungen gegeben: Der Vertrag verbietet das Fahren ab 16.30 Uhr (was in der Praxis so gut wie nicht einhaltbar ist), und bei knapp über 80 km/h mahnte uns das Fahrzeug mit lautem Piepen zu langsamerem Fahren – auch auf Asphalt. In unserer Familie schätzen wir allerdings, dass die Hester-Autos super gewartet sind und dass man aufgrund des teilweise vorhandenen Alters“flecken“ nicht gleich weinen muss, wenn man mal einer Hecke mangels Platz nicht ausweichen kann.

Die Geschwindigkeitsbegrenzung haben wir gut einhalten können. Zum einen, weil wir verhältnismäßig kurze Streckenabschnitte geplant hatten, zum anderen, weil ich mit einem Mitfahrer an Bord ohnehin kein Risiko eingehen möchte. Und Liane fuhr das erste Mal auf Pad und deshalb sehr vorsichtig. Auf das nachmittägliche Fahrverbot haben wir SO reagiert, dass wir zu solcher Zeit 2x aufmerksam fuhren, damit wir in keine Rechtfertigungssituation aufgrund eines Unfalls kommen würden. Wo kein Schaden, meist auch keine Fragen!

Ins Land gekommen und wieder raus sind wir per AIR Namibia. Für diese Fluggesellschaft möchte ich unbedingt eine Lanze brechen. Jahrelang hieß es bei uns, mit dieser Airline könne man wegen Unzuverlässigkeit und auch mangels Service-Bereitschaft nicht fliegen. Und ja, kurz nach unserer Reise musste eine ganze Crew wegen Trunkenheit im Cockpit vom Dienst suspendiert werden… ups….

Außerdem braucht man gute Nerven bei der Flugbuchung wegen des vorsintflutlichen Online-Buchungssystems (Stand 2017/18). Ich bekam nach der Bezahlung nicht mal eine Mailbestätigung über die Buchung, aber zum Glück hatte ich mir den Code notiert – damit konnten wir das über das sehr hilfsbereite ServiceCenter erfolgreich per Mail regeln.

Bei unseren beiden Flügen ab und an Frankfurt gab es lediglich zu beanstanden, dass in unserer Reihe 7 keinerlei Entertainment funktionierte, was mich aber bei einem Nachtflug wirklich nicht aufregte. Ansonsten waren die Flüge sehr pünktlich und wir konnten uns sowohl über freundliches Personal als auch über gute Speisen- und Getränkeversorgung freuen. Die Beinfreiheit in der Economie war besser als erwartet.

Der Online-Check-in klappte nur beim Hinflug, was ebenfalls nicht weiter schlimm war, weil man mit dem Gepäck eh an den Schalter muss und die Sitzplätze gleich bei der Buchung reserviert werden konnten.

Die Einreise bei Ankunft war deutlich entspannter gegenüber 2014 und ging auch schnell. Und so what…, wenn man von so herrlichem Morgenlicht empfangen wird, ist man von Haus aus sehr tolerant :-)

Bei der Ausreise fiel auf, dass jedes Land so seine spezifischen Eigenheiten bei der Sicherheitskontrolle entwickelt… In Windhoek bedeutete dies, dass der Flughafen austestete, ob EINE Kontrollanlage mit EINEM Security-Mitarbeiter ausreicht, da in einem solchen Fall ja schließlich alle anderen Wartenden mit ein Auge aufs Geschehen, sprich: auf die zu öffnenden Gepäckteile werfen können. Gibt einem doch ein gutes Gefühl, wenn jeder weiß, was die anderen neben ihm so mit sich schleppen. Nun ja, tiefenentspannt wie wir waren, haben wir das Procedere vor allem amüsiert durchlaufen.

Ausrüstung:

Wir flogen mit je einer zusammenfaltbaren Reisetasche sowie mit einem staubsicheren Xcase-Trolley, der gleichzeitig als abschließbares Behältnis in Lodges fungierte. Eine Falttasche wurde vor Ort komplett leergeräumt und bis zur Abreise verstaut, in der zweiten bewahrten wir unsere Kleidung auf und lagerten sie auf der Rückbank (bei Überlandfahrten mit Seil angebunden und mit Plane bedeckt). Der Trolley mit dem Technik-Zeugs (außer Kamera und Objektive) fand seinen Platz hinten im Hardtop. Dort kann man den Staub nicht verhindern, deshalb ist es wichtig, ein staubsicheres Behältnis dabei zu haben. Der Xcase hat einen guten Job gemacht.

An Fotoausrüstung hatte ich mich für ausreichend Brennweite und Schnelligkeit bei den Tieren für die Nikon D500 mit dem Nikon AF-S Nikkor ED VR 200-500 mm sowie dem Nikkor ED VR 16-80 1:2.8-4E entschieden. Außerdem passte noch die Sony A7 als kleine „Handkamera für alle Fälle“ in den Fotorucksack. Mit dieser Kombination war ich sehr zufrieden. Wie ich schon 2014 befürchtet hatte, zeigt die Sony A7 bei extrem viel Sonne und Staub ergonomische Schwächen gegenüber der Nikon, aber die Vorteile der Handlichkeit z. B. beim Aufstieg auf die Dühnen wiegen die Nachteile auf. Liane hatte sich erstmals eine kleine Systemkamera angeschafft und machte mit der unschlagbar günstigen Sony A6000 inkl. dem Weitwinkel sowie dem kleinen Tele super Aufnahmen.

Anders als in 2014 haben wir ansonsten nur die allgemein und bei allen Reisen gleichermaßen benötigte Ausrüstung mitgenommen, also die Dinge, die man zum Anziehen, zum Schlafen, zum Fotografieren sowie für Körper- und Technikpflege so braucht. Namibia ist ein Land mit sehr guter Infrastruktur, eine Expeditionsausrüstung ist wirklich nicht nötig. Da wir nicht zur Regenzeit im Norden waren, verzichteten wir auch auf Malaria-Prophylaxe bis auf die Expositionsprophylaxe (Moskitonetz, entsprechende Kleidung). Es gab überall nur wenige Moskitos.

Soweit das Intro zum Reisebericht „Zwei Mädels auf dem Weg zu den Elefanten“. Die Fortsetzung für die Etappen folgt in Kürze.