Edit 17. August: „Ihr warts lässig“
Mit diesem Kompliment verabschiedete sich Hubert von Goisern nach einem musikalischen Feuerwerk vom ihn frenetisch feiernden Publikum.  Was für ein Abend! Auf der bis auf den letzten Stehplatz ausverkauften Donaubühne in Tulln, bei 26°C und gerade untergegangener Sonne fühlte sich der Musiker gleich zu Hause. „Is ja wie in Bulgarien“, eröffnete er seine Geschichten mit einer Erinnerung an seine legendäre Donau-Schiffstour.

Danach wird’s amerikanisch, genauer gesagt: US-amerikanisch… sowohl musikalisch also auch, was die Geschichten betrifft. Er stellt das neue Album „Federn“ vor, für welches vielleicht mehr als für andere zuvor gilt: Leute, die ihr des Oberöstereichischen nicht mächtig seid, lest euch die Texte vorher durch – sie sind es wert. Und schön schräg!!! Auch weil es diesmal öfter als sonst um Schnaps geht, der wenn es sich um US-heimischen handelt, wie „ein Erdöl-Derivat“ anmutet. Den braucht man halt manchmal, um einiges im Leben ertragen zu können! Zum Beispiel, wenn man sich bei der Einreise in die USA fühlt, als wolle man „die DDR besuchen“. Oder angesichts des schier aussichtslosen Kampf der Wahrheit um Gehör:

…de wahrheit de suacht um asyl
aber kriag’n tuat si’s nia
weil ma z’feig san dafür?
oder was oder wia…?

Snowdown „für de chelsea und fian eddi“ war für mich der Wahnsinnshöhepunkt des Konzerts. Da riss es sogar die junge Frau, die bis dato vor uns auf dem Rasen sitzen geblieben war und mich fragen ließ „wie geht denn sowas?“, auf die Beine und ihre Arme in die Höhe. Bei Snowdown gab es weder intellektuelles Diskutieren noch Zeigefinger-Erheben, nur brennenden Zorn in Musik. Wird wohl kein Zufall gewesen sein, dass ungefähr hier ein anhaltendes Wetterleuchten rechts und links der auf der Donau schwimmenden Bühne begann.

Dass an diesem Abend kein Hiatamadl gespielt würde, stand hier für mich fest. Neben dem Kraftvollen, oft mit wunderbaren Blues-Elementen aus Instrumenten und dem Instrument „Kehle“, kam viel Ruhiges zu Gehör – mehr als ich es von früher kannte. Die Zuhörer achteten das Stille, wofür der Hubert sichtbar dankbar war. Und wofür er uns neben zwei anderen Titeln mit den bewegenden „Weit weg“ und „Heast es nit“ in der Zugabe belohnte – im Wechselspiel mit dem textsicheren Publikum. Letzteres war danach trotzdem immer noch nicht gesättigt und beharrte auf erneutes Rauskommen und nächster Zugabe, so dass die Musiker schließlich nachgaben und ein großes Alphorn auf die Bühne brachten. Tradition trifft Moderne… Hubert Achleitner von Goisern beginnt als Solist und nach und nach wird das Alphorn umringt von den Tönen von Severin Trogbacher (Gitarre), Helmut Schartlmüller (Bass), Alex Pohn (Schlagzeug) und des für uns alle zum Glück aus den USA mitgebrachten Bob Bernstein (Pedal Steel) – Danke Euch Jungs für einen unvergesslichen Abend. Bestes HvG-Konzert, das ich bisher erleben durfte.

Danke auch an Karin und Wolfgang, früher Ballett-Stars an der Wiener Staatsoper, heute Weltenbummler und dank wunderbarer Schicksalfügung am Samstag unsere Campsite-Nachbarn und After-Concert-Mitfeierer für die vielen wundervollen Geschichten und Bilder.
Dank und Respekt an die Wirtsleute an der Minigolf-Anlage am Donaulände, die den Platz für das After-Concert boten, solange die Gäste dies wünschten: Gläser für den Gespritzten, blankpoliert aus der Gefriertruhe, kostenfreies Wasser zu allen Getränken… sorry, all ihr Betreiber von Sterne-Restaurants: Geht da mal hin und guckt euch an, was natürliche Gastlichkeit heißt. Und wie preiswert das zudem präsentiert werden kann. Wann immer ich da in die Nähe komme, ist mein Besuch gewiss.

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Hallo Tulln, wir zwei Mädels haben gepackt. Inklusive Badesachen, denn wenn die Donau nicht ganz ausgetrocknet ist, werden wir die Strömung testen.

Bereit für Tulln

Wir hoffen, die Grazer arbeiten heute abend den Hubert nicht voll auf. Dann gilt morgen beim Goisern-Konzert:

… heit samma guat
heit samma vogelfrei
da samma wo die musi spüt voi dabei

Leckerer Nudelsalat ist zubereitet, morgen früh hole ich noch bei unserem Kirchseeoner Star-Bäcker Gregor Rau frisches Gebäck, dann hole ich die Uta ab und wir kommen über die Donau ins schöne Tulln.
Edit am nächsten Morgen: O.K., der Bäckerbesuch fällt der FF (Feiertagsfalle) zum Opfer. So was kann nur Protestanten und Atheisten passieren :-)

Der Fanbericht-Check auf Eventim für die bisherigen Konzerte lässt Großartiges erwarten, aber etwas anderes würde mich auch wundern. Wenn der Hubert „hupft und spüt“, dann folgen wir ihm alle nur zu gern in eine andere Welt. Er hupft nun mal gern… und wir auch.

Ganz offenbar ist er auch ein Wetter-Flüsterer, denn nach einigen Tagen Gewitter-Ankündigung für Samstag bekomme ich heute dieses Bild und das verspricht einen genialen Konzert-Abend sowie eine lauschige Camping-Nacht.

goisern wetter