… dann kann er was erzählen.

Stimmt, aber vorher hat er was zu packen. Und viel zu organisieren.
Da manche Freunde und Bekannte schon Rauchzeichen setzen, weil sie nichts von mir hören und lesen, will ich heute kurz zeigen, wie es gerade bei mir aussieht und was mich die letzten Tage neben dem Arbeiten gut beschäftigt hat:

Das alles (bis auf die Küchenwaage) will/muss mit nach Island. Eigentlich war es erst weniger.

Nein, nun nicht gerade so wenig wie beim Trekkingtour-Testpacken 2010:

Rucksacktour

Das war damals das erste Mal, dass ich strikt auf Packmaß- und Gewichtstuning achten musste. Eine enorme Herausforderung, denn der Inhalt, der alles Wesentliche zum Schlafen, Essen, Notversorgen und natürlich zum Fotografieren umfassen sollte, war in bzw. an einem (für mich tragbaren) Rucksack unterzubringen!

Rucksack gepackt

Diesmal geht es komfortabler mit 2 Gepäckstücken los: kleiner Hartschalenkoffer, den ich auf die hinteren Sitze des Mietwagens legen kann und eine zusammenfaltbare Reisetasche. Erst wollte ich nur mit der Reisetasche fliegen, aber da ich nun doch das große Staika-Zelt mitnehme (das 1800er Kerlon scheint mir für die isländischen Verhältnisse ein bisschen mehr Geräuschminderungskomfort zu versprechen), war es in der Tasche eng geworden und ich müsste die Filterausrüstung und auch die Akkulade-Technik zu Hause lassen.

Und außerdem hat Air Berlin jetzt pünktlich zum Saisonbeginn die Gepäckregeln geändert. Mit Bonus-Servicecard kann man im FlyClassic-Tarif zwei Gepäckstücke a‘ 32 kg kostenfrei mitnehmen. Plus 8 kg Handgepäck. In einschlägigen Foren regen sich viele Leute  schon wieder auf, warum eigentlich?
Ich bin allerdings außerordentlich gespannt, ob das tatsächlich alles so klappt beim Check-in; vermutlich wird das eine ewige Diskutiererei. Aber egal, wir haben uns nun für jeweils 2 Taschen/Kisten/Koffer entschieden und werden sehen, wie wir die nach Island bringen.

Generell habe ich wieder festgestellt, dass Fliegen, wenn man Foto-Equipment dabei hat, wesentlich anstrengender in der Vorbereitung ist als die Reise mit dem eigenen Auto. Beispiel: In meinem Wagen liegt eine separate Stromleitung zum Kofferraum, so dass die „Stromlieferung“ überhaupt kein Thema ist. Nach Island nehme ich nun Campingadapter und solch Zeug mit, um notfalls auf den Campsites die Akkus und das Netbook laden zu können, falls der Mietwagen dafür keine Möglichkeit bietet.
Doch was hilft’s?! Für die Autoanreise nach Island braucht man ein paar Tage zusätzlich und da ich in diesem Jahr noch nach Schottland will (das sind auch wieder 1.700 km Anfahrt), reicht die Urlaubszeit einfach nicht für die Autoanreise.

Also wird jedes Teil, das man gerne dabei haben möchte, dreimal angeschaut, ob es unbedingt mit muss, und wenn es diese Prüfung bestanden hat, gewogen und in die Packliste eingetragen. Das Abwiegen kann ich jedem, der Ähnliches vorhat, nur empfehlen. Ich habe es mir angewöhnt, als ich mich auf die erste Trekking-Tour vorbereitete, denn ich wollte nicht mehr als 20 kg tragen. Und wenn man weiß, die dünne Isomatte wiegt 460 g und die kuschelige Downmat 9 das Doppelte, dann ist die Entscheidung, was man den Berg hochtragen will, schnell getroffen :-)

Der Aufwand mit dem Abwiegen entsteht ja auch nur 1x, denn die meisten Dinge hat man über kurz oder lang in den Excel-Listen, so dass lediglich die neuen Dinge gewogen werden müssen.

Bei mir war dies u. a. ein neuer Kocher. Bisher war ich stets mit dem winzigen Coleman F1 Lite (nächstes Bild) unterwegs und damit auch sehr zufrieden. Das Ding wiegt fast nix, passt abgeschraubt und zusammengelegt in die Kaffeetasse und ist hinsichtlich der Töpfe/Pfannen, die man draufstellen möchte, höchst flexibel.

coleman f1 lite

Ich habe mit dem Kocher in Schottland, Kroatien und Deutschland bei Wind und Regen immer gut und schnell kochen können. War es windig, rückte ich ein Stück in die Apsis des Zelts und gut war’s. Dabei empfiehlt sich allerdings permanente Aufmerksamkeit, damit die Zeltwand nicht wegschmilzt :-)

Die Heizleistung des F1 Lite ist wirklich sehr hoch. Na ja, zumindest bis ich in die Abruzzen kam! Dort auf 1.800 m und bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt zeigte das gute Ding leider Schwächen. Die wurden im direkten Vergleich mit dem von Stefan und Nadine mitgebrachten MSR Reactor sehr schnell deutlich.

„Warum kommen wir eigentlich jeden Tag so spät in den Schlafsack?“, beschwerte ich mich gegen Schluss unserer gemeinsamen Reise. „Na, das ist schnell beantwortet“, grinste Stefan sichtlich zufrieden, „weil wir jeden Abend so lange auf dein Teewasser warten müssen!“ In der Tat hatte er schon Essen gekocht und sogar Abwaschwasser warm gemacht, während mein Kocher sich noch abmühte, einen halben Liter Wasser zum Sieden zu bringen. Und ehe ich noch was vom geringeren Gewicht und kleineren Packmaß erwidern konnte, rechnete Stefan bereits vor, wie viel Gas er einsparen kann und bewies mir, dass sein Kocher – zusammengepackt – nicht mehr Platz benötigt als mein vermeintliches Trekking-Zauber-Tool, wenn ich den Kochtopf berücksichtige.

Ich kann euch sagen, hier unten zu Hause hätte ich ja noch dies und jenes diskutiert, weil jeder seine Ausrüstung für das Beste hält, aber da oben, wo die beiden Kocher nebeneinander zeigten, was sie drauf haben und beim Warten auf das Teewasser :-(((  blieb mir jedes Wort im Halse stecken und es war klar: Für Island muss auch bei mir ein MSR Reactor her.

Neben der besseren Leistungsausbeute ist der „Reactor“ auch sicherer, denn die Flammen bleiben in dem kleinen silberfarbenen Brennerteil und züngeln nicht wie beim Coleman F1 Lite hin und her, sobald ein Windhauch kommt.  Das scheint mir für das Kochen im (Vor-)Zelt ein großer Vorteil. Einziger Nachteil bleibt das Kochgeschirr, welches man nicht wechseln kann. Wenn man einen Fisch braten will, suche man sich also einen Stecken und zünde ein kleines Lagerfeuer an – der Kochtopf reicht allenfalls für eine Fischsuppe.

Stefan und Nadine tauften ihren neuen Reactor-Kocher übrigens  liebevoll „Impi“, weil er auf dem Campo Imperatore eingeweiht wurde. Na ja, „Zünde mal den Impi an“, klingt aber auch besser als „Zünde mal den Reactor an“.

msr reactor

 

Mein neuer Kocher wurde heute zum Fotografieren im Zaubergarten nur mal aufgestellt, beweisen muss er sich dann in einigen Tagen auf der Insel aus Eis und Feuer. Ich hoffe doch , dass er ein so zuverlässiger Begleiter wird wie sein Vorgänger.

Oder sollte ich den F1 sicherheitshalber doch mit einpacken?