Wahrhaben möchte es ja niemand, am allerwenigsten die riesige und außergewöhnlich ambitionierte Runrig-Community, aber die beliebteste Folkrockband Schottlands macht sich rar. Hatte bereits 2011 sehr zum Schmerz ihrer Fans eine Tournee-Pause eingelegt.
Auch vermissen wir seit geraumer Zeit die Dezemberkonzerte in Caledonia.
Und jetzt bekam beim einzigen 2014er Konzert in Deutschland am 12. Juni Iain Bayne, Runrigs Schlagzeuger, die undankbare Aufgabe, erneut eine zweijährige Pause zu verkünden. Für Studioaufnahmen. Ja, das hörten wir bereits 2010. Und wenn wir uns bei der nächsten Tournee über einige neue tolle Titel à la „And we’ll sing“ freuen können, soll es recht sein.

Wobei Daqui eine klare „Wunsch“-Meinung hat, nämlich, dass sie mit dieser einzigartigen Live-Band sehr viel lieber jedes Jahr einige Mal das Leben und die vorhandene Runrig-Musik feiern würde, als auf eine – eventuelle – neue CD zu warten. Jungs, Ihr werdet nicht jünger und wir auch nicht!!! Aber nichts für ungut – dies sind die Wünsche der Menschen, denen Ihr so viel Lebensfreude und Glück beschert. Wir müssen akzeptieren, dass Ihr Eure eigenen Wünsche und Träume habt.

Um so mehr bin ich froh, das Konzert in Bensheim miterlebt haben zu können. Es war nicht spektakulär, doch was heißt dies schon… nach dem Jubiläumsjahr 2013 und der unvergesslichen, hoch emotionalen „Party On The Moor“.

Hier noch mal ein kurzer Zusammenschnitt vom 40th Anniversary Concert in Inverness auf Youtube:

Der einzige Deutschland-Auftritt von Runrig in 2014 war eingebettet in die „Celtic Summer Night“ beim Hessentag. Ein toller Donnerstag-Abend, für den sich der Stress mit der unterbrochenen Arbeitswoche und der frustierenden Anreise über gefühlte 1001 Baustellenabschnitte und Staus ohne Ende absolut gelohnt hat.

Die irischen „High Kings“ – wie originell, dass Irland nun gleich ein paar mehr Könige mehr hat als der Nachbar – starteten furios in den Abend und waren mit ihrer Spielfreude und Musikalität Runrig absolut ebenbürtig. Werden wir zukünftig mehr nach Irland als nach Schottland reisen? Die zierliche, musikalisch jedoch riesige Sharon Shannon krönte einige Königs-Auftritte mit ihrem Akkordeonspiel und auch mit ihrem Lächeln, welches die ganze Bühne erstrahlen lässt. Unglaubliche Bühnenpräsenz!

Ihre Namensvetterin Sharon Corr konnte danach nicht gleichermaßen überzeugen. Ich postete spontan: Sharon Corr macht wieder einmal die tolle Partystimmung zunichte! Ich habe die Musikerin nun das dritte Mal bei den Konzerten von Runrig erlebt und gehört, und nun reicht es auch. Die verhaltene Stimmung im Festzelt sprach eine klare Sprache: Sharon Corr passt nicht in diesen Rahmen. Ich kann sie mir mit ihrem Gesang sehr gut in kleinen feinen Live-Clubs auf Mykonos und anderswo vorstellen, auf der großen Folkbühne hingegen ganz und gar nicht. Lediglich wenn sie zu ihrem angestammten Instrument, der Geige, greift, verliert sie das Zaghafte und überzeugt dann auch vollständig.

Dann endlich Runrig. Was für eine Begrüßung durch die Fans! Ein Flaggen- und Fähnchenmeer. Später noch Luftballons, um die Partystimmung perfekt zu machen. Die Musiker ließen sich anstecken und brachten eine tolle Show. Anlassgerecht sogar mit ein bisschen Fußballatmosphäre bei „Maymorning“, als Bruce Guthro die Besucher diesmal nicht nur mit „Locomotion“, sondern auch mit „Olé olé olé olé“ zu noch mehr Enthusiasmus beim Mitsingen führte. Eindeutiger Star an diesem Abend war definitiv das Publikum. Runrig waren gewohnt gut, aber nicht außergewöhnlich – eher ein bisschen hitzegebremst. Das Publikum hingegen… der Wahnsinn… eine einzige Party-Familie von mehr als 5.000 gut gelaunten, mitsingenden und tanzenden Menschen. Wann werden wir so etwas das nächste Mal erleben dürfen? Kommt schon, Jungs!