Fast wäre das Debakel eingetreten und auf meinen letztjährigen Frust auf die Airline Condor wäre der Frust auf die Lufthansa gefolgt, denn eine Woche vor dem Abflug meldeten die Piloten Arbeitskampf an. Bei allem Ärgerpotential hatte es fast schon eine komische Komponente: Wer nach Griechenland will, muss sich auf Widrigkeiten einstellen, obwohl diese oft gar nicht von den Hellenen verursacht werden!

Das Hessische Landesgericht sprach indes am zweiten Streiktag ein Machtwort, erließ eine einstweilige Verfügung und die Piloten mussten in die Kanzeln… uff, gerade noch mal gutgegangen! Sonst wäre das Abweichen von meiner üblichen Anreiseroute über Santorin ein schönes Eigentor geworden.

So kam ich wieder mal in den Genuss von Lufthansa-Komfort:

  • Mit 23 kg für den Koffer und 8 kg für den Bordrucksack mehr Freigepäck, als man für Griechenland braucht.
  • Mobiles Einchecken mit kostenfreier Sitzplatzwahl 23 Stunden vor Abflug
  • Gepäckaufgabe am Automaten bis 40 min vor Abflug, was die notwendige Wartezeit am Flughafen angenehm verkürzt
  • KAFFEE bis zum Abwinken sowie Zeitungen im Gate-Bereich
  • Umfassender Service an Bord, so wie es früher bei Condor auch mal war

Pünktlich sowie ohne Macken – und auch dies war in den vergangenen Jahren bei Condor nicht immer der Fall gewesen – Ankunft in Athen. Griechenland-typisch kamen die Koffer rasant schnell aufs Laufband und wenige Minuten später saß ich bereits im Schnellbus X96, der direkt vor der Eingangshalle abfährt und mich für 5 Euro in etwas mehr als einer Stunde nach Piräus brachte. Schnellbus eben. Und abends kommen nicht mehr so viele Leute an, so dass es weniger Stopps gibt.

Im Hafenviertel freilich und zumal es inzwischen stockdunkel war, wurde es ein bisschen unübersichtlich, was das Aussteigen betraf. Aber man kann ja fragen! Ein älterer Mann, mit dem Busfahrer am Ratschen, zeigte sich sofort hilfsbereit, packte beim nächsten Stopp meinen Koffer, stieg mit aus und erklärte mir überaus herzlich den Weg zum Hotel.

Was für eine nette Anreise. Für Athen hatte ich aufgrund unserer deutschen Medienberichte durchaus ein bisschen Sorge gehabt, auf was für eine Stimmung ich treffen würde – aber das war durch und durch unbegründet. Selbst als ich mich nach dem Einchecken im Hotel noch einmal auf den Weg machte, um für den nächsten Morgen den Weg zum Ablegesteg zu eruieren und die Ticketvouchers vom ADAC umzutauschen, kam in keinem Moment Sorge um meine Sicherheit auf, obwohl es im Hafenviertel wirklich kunterbunt und laut zugeht. Ja, man trifft vielerorts auf Menschen, die draußen ihr Nachtlager aufgeschlagen haben, aber es geht ruhig zu.

Das Hotel Triton hatte ich prima ausgesucht: ein sauberes Haus, 3 min Fußweg vom Bus entfernt und 5 min vom Fähranleger. Frühstück ab 6.00 Uhr. Fährtickets bekommt man übrigens noch spät abends und auch morgens ganz früh: alle paar Meter ein Ticketshop.

Praktischer Weise fährt die Fähre nach Santorin über Paros und Naxos gleich vorne am Anlegesteg E7 ab, man fällt von der Hauptstraße quasi direkt ins Schiff. Kein Wunder also, dass man mir gesagt hatte: eine halbe Stunde vor Abfahrt da zu sein, reiche völlig aus… die Einheimischen kommen fünf Minuten vorher :-)
Wenn die Griechen eines aus dem Effeff beherrschen, dann ist es der Fährbetrieb: schnell, flexibel, ohne Hektik.

In der Wartezeit hatte ich noch Gelegenheit, ein paar Hafenszenen einzufangen. Auch Gruppen mit Migranten waren zu sehen, aber nicht die vielen Tausend, die an diesem Wochenende wieder von Kos, Lesbos und den anderen Türkei-nahen Inseln ankommen sollten. Zum einen werden die meisten ab Fähre mit Bussen transportiert (wie es heißt, lediglich bis zur Metro), zum anderen war es um 7.00 Uhr wohl noch zu früh. Vielleicht handelte es sich um diejenigen, die über Nacht am Hafen campiert hatten.

Auf der Fähre Richtung Santorin gab es indes offenbar nur Touristen und Einheimische. Die Kykladen sind zu weit entfernt von den Migrantenwanderungsrouten. Auch nach einer Woche Aufenthalt auf Naxos bestätigt sich dies. Obwohl ein friedvollerer Ort schwer vorstellbar ist, will niemand von den kriegsgeplagten Regionen hierhin.

Edit 21.09.2015: Heute morgen sind auf Naxos 56 Migranten, darunter 21 Kinder, nach dreitägiger Bootsfahrt in einer kleinen Bucht nordöstlich von Naxos Chora angekommen. Sie wurden auf einer Straße ins gebirgige Landesinnere entdeckt und mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen zum Magistrat von Tragaia gebracht, wo man sich um sie kümmerte. Wenn sie klug sind, bleiben sie auf der Insel.

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In 6 Jahren will Griechenland das 2.500-Jahre-Jubiläum der Schlacht von Plataiai gegen die Perser groß feiern und bereitet sich bereits jetzt darauf vor. Wie es wohl bis dahin um Europa beschaffen ist???

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Die Asiaten in Wartenposition vor Salamis und Piräus.

Die Asiaten in Wartenposition vor Salamis und Piräus.

Eine halbe Stunde nach Ablegen und nachdem wir an Salamis, später an den Inseln im Saronischen Golf vorbeigezogen sind, gibt es für ein paar Stunden vor allem Wasser, Wasser, Wasser. Ich sollte darüber nachdenken, mir nächstens eine Isomatte mitzunehmen, es würde sich lohnen.

Nach vier Stunden erreichen wir Paros, die kleinere Schwester von Naxos, die ich jeden Abend im Sonnenuntergang vor mir habe. Heute mittag ist es bewölkt und auf der Fähre fast frisch. Na hoffentlich wird dies wirklich ein Sonnenurlaub!

Auf Paros war ich noch nie, viele schwärmen sehr von dieser Insel sowie vom winzigen Antiparos. Immer mal wieder denke ich darüber nach, für einige Tage hierher zu fahren, aber dann siegt doch das Gefühl des Wohlbefindens, wenn ich auf Naxos bin und ich finde keine vernünftige Antwort auf die Frage, warum ich diesen Zustand ändern sollte.

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Nachdem die blassen Touristen an Land und die gebräunten an Bord gewechselt sind und er alle ihm angekündigten Transfers geduldig überwacht hat, gibt unser „Capitano“ das Signal zur Weiterfahrt und kommt auf der sich bereits erhebenden Brücke zurück aufs Schiff. Guter Anblick.. die Brücke und der Mann :-)

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Um die Nordspitze von Paros geht es am kleinen Kirchlein auf dem Felsen vorbei über die Meeresenge zwischen Paros und Naxos.

Gegen halb eins erreichen wir Naxos und als sich die Schotten senken, freue ich mich total, als erstes unterhalb der Portara die dort schwimmenden Frauen zu sehen… alles ist, wie es immer war…

Mit Maria bin ich am ZAS Travel verabredet, so gucke ich nicht viel nach rechts und links, wo die Zimmervermieter stehen. So hätte ich Michalis, Marias Mann, fast übersehen, aber er hat mich bereits fest im Blick. Willkommen auf Naxos!

Maria macht in Kapares gleich klar, dass ich eines hier wieder nicht schaffen werde: Trotz ausgiebigen Schwimmens Gewicht verlieren.

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Ein Blick von der Terasse Richtung Meer: Jo… alles beim alten.

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Nur ganz oben auf dem Kapares-Hügel haben sie vier neue Hausskelette hingesetzt. Wer die wohl braucht bei dem großzügigen Zimmerangebot auf der Insel!?

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Dafür ist das winzige Haus der verstorbenenen Anna zum Glück noch nicht durch eine moderne Appartementanlage ersetzt.

Wenn der Blick Richtung Sonnenuntergang eines Tages zugebaut ist, wird es Zeit für einen neuen Platz. Momentan aber ist es hier noch herrlich für einen Sundowner, erst recht, wenn man tatsächlich ein Guinness in Griechenland ergattern konnte.

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