Namibia Teil 3 / 11. – 12. Oktober 2018. Die Etappe von Windhoek nach Tsauchab im Süden des Naukluft Mountain Zebra Parks war ein wunderbarer Einstieg in unsere Namibia-Reise, brachte für mich allerdings auch zwei Ernüchterungen.

Die erste erwartete uns in Solitaire, dem irgendwo im Nirgendwo gelegenen Pilgerort aller Feinbäckerei- und Legenden-Begeisterten. Zu oft werden wir Opfer unserer Erwartungshaltung, mit der wir hoffen, der unvermeidliche Wandel möge um Gutes einen Bogen machen. Tut er aber nicht.

Wir waren 2014 hier angekommen, als Moose McGregor, Sohn einer Pforzheimer Mutter und eines schottischen Vaters, der dem Ort mit seinem legendären Apfelkuchen und seiner Persönlichkeit Eingang in sämtliche Namibia-Reiseführer beschert hat, ein paar Wochen zuvor im Alter von nur 57 Jahren verstorben war.

Die ersten Veränderungen, so mein Sohn, waren bereits damals erkennbar, dennoch atmete der Ort noch deutlich den Geist des berühmten Bäckers. Als wir seinerzeit mit unserem Apfelkuchen am Auto saßen und den Erdhörnchen zuschauten, haben wir uns ihm noch sehr nah gefühlt. Die folgenden Bilder aus Solitaire habe ich alle aus 2014 rausgekramt – dieses Mal fühlte ich keine Motivation, welche aufzunehmen.

Von der früheren Atmosphäre konnte ich jetzt rein gar nichts mehr wiederfinden.

Apfelkuchen gibt es freilich noch, aber weil die Bäckerei inzwischen eher das Feeling einer Fast-Food-Kette verströmt, ist selbst der Kuchengenuss nicht mehr derselbe. Und alle Erdhörnchen-Löcher fanden wir bei unserem Besuch verschlossen. Was bleibt, ist ein Versorgungsplatz mit Treibstoff und einigen Lebensmitteln an einer Straßenkreuzung, von dem man schnell wieder weiter möchte – auch wegen der unglaublichen Menge von Bustouristen.

Nach diesem Kulturschock sind wir deshalb flugs wieder auf Pad, wo wir zum Glück schnell kostbare Ruhe fanden. Umgeben von schier unendlicher Einsamkeit führte uns die C14 durch den Naukluft Mountain Zebra Park und das war wirklich nur sehr, sehr schön.

Mittendrin erfasste  uns beinahe so etwas wie Alpenfeeling. Tatsächlich gibt es etliche Berge, die zwischen 1.400 und 2.000 Meter hoch sind. Leider mussten wir uns nach unseren Stopps am Spreethooge Pass sowie in Solitaire nun zusehen, dass wir voran kamen, hatten wir doch keine Ahnung, wie sich die Zufahrt zum Tsauchab River Camp auf dem letzten Stück gestalten würde. Diesbezüglich kann man allerdings völlig unbesorgt sein – auch die D854, die kurz hinter BüllsPort von der C14 abbiegt, war in ausgezeichnetem Zustand und breit ausgebaut.

Die Rezeption des Tsauchab River Camps, wo wir gegen 17.00 Uhr ankamen, liegt in flachem Gelände fast unmittelbar an der D854. Das hat mich kurz irritiert. Wenn man über einen Platz nachliest und noch nie in der Gegend war, wächst ein Bild in der Fantasie. Für mein Bild gab es zwei Merkmale: abgeschiedene und wilde Campsites und irgendwo weiter weg eine Lodgehaus, wo man, wenn man möchte, Essen bekommen kann. Dieses Bild und das Vorgefundene stimmten nicht überein.

Ja, man kann Wilderness haben im Camp am Ufer des Trockenflusses Tsauchab, der sich vom Naukluftgebirge bis zum Sesriem Canyon und weiter bis ins Sossusvlei zieht. Dazu sollte man explizit nachfragen und buchen. Im zugehörigen Oerwald zum Beispiel bekäme man Abgeschiedenheit und Wildheit pur, sollte dann wegen der Zufahrt über den 4×4-Trail aber besser Selbstversorger sein.

Ich hatte nicht gefragt… So standen wir beim Einbiegen auf die Campzufahrt unvermittelt in einem großzügig angelegten Rezeptionsbereich mit Restaurant, Bar und Swimming-Pool sowie viel arrangiertem Metall in Form von aufgearbeiteten alten Gerätschaften und neugeschaffenen Kunstobjekten.

Der erste Eindruck von „far away from wilderness“ setzte sich bei Check-in fort: Tsauchab River Camp ist ein durchaus im positiven Sinne durchgestylter Tourismusbetrieb. Man sollte das einfach wissen. Es ist gewissermaßen Camping light und mit eigenem Badehäuschen, eigenem Grill- und Abwaschplatz auch Camping exklusiv. Sowie mit klaren Ansagen für die „Hausordnung“, wie sie sich Schweizer auch nicht akkurater ausdenken könnten :-)

Wir bekamen die riesige Campsite „Drongo“ (nach dem großen schwarzen Vogel Dicurus adsimilis benannt) zugewiesen, welche in Sicht-, leider auch Hörweite des Lodgebäudes liegt und entweder über den Fahrweg oder zu Fuß durch das Flussbett erreichbar ist. Einmal oder – wenn man möchte – auch mehrmals am Tag kommt ein Angestellter, um den Holzofen zum Beheizen der Dusche zu befeuern. Alles ist piccobello sauber und gepflegt.

Panoramaaufnahme

O.k., das mit dem Zeltaufbau hat schon mal geklappt.

Weg zum Trockenfluss und weiter zum Lodgebereich

Beim Bau des Badehäuschens hat man einen alten Olivenbaum integriert – das ist wunderschön. Wie in den Nachtkästchen von Hotels liegt hier eine Bibel bereit. Für Licht sorgt eine Öl-Lampe. Strom gibt es nicht auf der Campsite – das ist gut so.

Inzwischen hatte ich auch meinen obligatorischen dicken Afrika-Stock besorgt, der mir wieder beim Zeltabbau und zum Verscheuchen von Schlangen gute Dienste leisten sollte. Nach einem gemütlichen Sundowner ging’s zum Dinner, welches uns auch hier ganz ausgezeichnet schmeckte.

Leider war uns in unserer ersten Campingnacht kein erholsamer Schlaf vergönnt. Kurz vor 24.00 Uhr erwachte ich vom unerwarteten Geräusch eines vorbeifahrenden Autos und war irritiert, weil es auf Höhe unserer Drongo-Campsite plötzlich verstummte. Liane war inzwischen ebenfalls wach und wir waren nun beide schon darauf gefasst, unliebsamen Besuch zu bekommen. Kurz darauf hörte ich das Auto wieder – war es motorisierte Security? Das ging so eine ganze Weile, an Schlaf war nicht mehr zu denken – schon gar nicht, als der Wagen vor dem Lodgegebäude mit Warnblinkanlage stehen blieb und schließlich sogar mit Hupen anfing. Es dauerte lange, bis wieder Ruhe einkehrte und der unterbrochene Schlaf fortgesetzt werden konnte. Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass es Gäste waren, die aufgrund einer Panne mit erheblicher Verspätung angekommen waren und nun mitten in der Nacht jemanden für den Check-in gesucht hatten. Soviel zum Thema „Nachtfahrverbot“ und auch zum Thema „Hausordnung“.

Zum Glück blieben wir in der zweiten Nacht von solchem Ungemach verschont – aber ich würde schon aus diesem Grund nicht noch einmal so nahe an Rezeption und Lodge campieren wollen.

Wir nutzten den zweiten Tag zu einem Ausflug zum 12 km entfernten Oerwald, umgeben von den Tsaris-Bergen, wo es einen zum Tsauchab River Camp gehörenden Stellplatz gibt. Außerdem befindet sich dort eine Parkmöglichkeit innerhalb des 4×4-Trails, von wo aus sich Wandermöglichkeiten erstrecken.

Die Campsite selbst soll zum Schutz der Privatsphäre nicht betreten werden, aber als wir ankamen, war niemand dort, so dass wir sie doch besichtigen konnten.

Wer hierfür bucht, hat sie für sich alleine. Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es dafür in der Hauptsaison jedoch eine Mindest-Gästezahl. Wer spontan fragt und der Platz ist frei, hat Glück. So wie vermutlich die vier jungen Leute, die wir auf dem Rückweg trafen. Wilde Tiere soll es kaum geben, lediglich einige Paviane, welche die leckeren Früchte an den Bäumen schätzen.

Es ist ein wahrlich unwirklicher Flecken Erde, wie ein Garten Eden inmitten der sonstigen trockenen und steinigen Landschaft. Mit Quellen und Wildfeigenbäumen. Der Name Oerwald wird auf den früheren Besitzer zurückgeführt und soll – so wie es auch aussieht – einst „Urwald“ geheißen haben.

Fazit unseres Tsauchab-Aufenthalts: Auch wenn meine Erwartung an die Campsite sich nicht in allen Punkten erfüllte, hatten wir hier eine sehr schöne Zeit in einem toll gepflegten Camp mit durchaus gegebenen Rückzugsmöglichkeiten auf den grandiosen Trailmöglichkeiten. Deshalb habe ich den Aufenthalt mit 8 von 10 Punkten bewertet.

Zwei Punkte ziehe ich ab: einen, weil ich die Atmosphäre im Vergleich zur Eagle Rock Guestfarm als etwas sehr „business“ empfunden habe, was im Detail dann doch nicht durchgehalten wurde (s. nächtliche Störung und teilweise auch im Service beim Dinner) und einen wegen der für Camper, die gemütlich frühstücken wollen, unkomfortablen Check-out-Zeit von „09.00 a.m. strictly“ (Guest comfort reasons!)

Bei der nächsten Etappe unserer Namibia-Tour folgen wir dem Tsauchab auf dem Landweg nach Sesriem. Dort werden wir das erste Mal in Afrika richtig frieren, deshalb trotz heftigen Windes lernen, ein Feuer anzumachen und beim Dünen-Surfing viel Spaß haben.