Thabo, seit Südafrika mein kleiner Tourenbegleiter – mein Chief Of Security auf fremden Straßen – hat es gut… wir beide haben es gut.

Während ein paar Kilometer weiter zahlreiche Menschen aus afrikanischen Staaten im „Dschungel“ von Calais in Anonymität ausharren, um irgendwann in Frankreich Asylantrag stellen zu können, und wo rund 10 % von ihnen Nacht für Nacht versuchen, über den Eurotunnel nach Großbritannien zu kommen, fahren wir entspannt in den Hafen von Dunkerque ein, ich zeige meinen Ausweis, öffne auf Bitte des Beamten noch kurz meinen Kofferaum, aber nachdem sich dort lediglich Camperausrüstung und kein menschliches Wesen befindet, ist das Interesse sofort erloschen und wir können direkt auf die DFDS Seaways einschiffen.
Nicht einmal die Tatsache, dass ich eigentlich gar kein Ticket für die 18.00-Uhr-Fähre, sondern erst für 20.00 Uhr habe, ist eine Aufregung wert. Ankommen, rauf aufs Schiff und los ging die Fahrt.

Hin und wieder sollten wir uns bewusst machen, in welcher Atmosphäre der Freizügigkeit wir leben und dafür ein klein bisschen dankbar und großherzig sein.

Für Thabo und mich haben 16 freie Tage begonnen, in denen wir über England bis nach Schottland reisen und den britischen Kontinent ein weiteres Stück erkunden wollen. Einen festen Plan gibt es nicht, die zwei großen „W“: das Wetter und der Wohlfühlfaktor werden die Richtung vorgeben. Auch diesmal möchte ich versuchen, schöne Lichtverhältnisse an der schottischen Westküste, vielleicht sogar in Assynt, anzutreffen. Ein Blick auf die Wetterkarte dämpft freilich von vornherein zu große Erwartungen. Aber wie mein Sohn immer sagt: Zu Ende ist es erst, wenn es aus ist. Solange kann das Blatt sich noch wenden.

Loch Leven

Zum Schluss werden wir mehr Tage in England zugebracht haben als in Schottland und dennoch hoch zufrieden sein.
Bei guter Gesundheit und unfallfrei haben wir dann rund 6.000 Autokilometer und ich etwa 150 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Mit immer wieder fremden Menschen viele Gespräche geführt. Unbedingt aber muss ich mehr Englisch lernen; es bedeutet mir inzwischen ein ziemliches Defizit, nicht über die Normalo-Themen hinauszukommen, so z. B. nicht nachfragen bzw. nicht genau genug verstehen zu können, wie das so ist in Preston, einer Stadt in Lancashire, nahe Manchester: mit einem Bevölkerungsanteil von fast 20 % Non-White-British und – wenn ich beim Durchfahren nicht verkehrt geguckt habe – mit einem Stadtviertel mit arabischen Straßennamen. Das sind doch Fragen, mit denen wir uns, ob wir nun wollen oder nicht, beschäftigen müssen.

Für diese Reise will ich die einzelnen Etappen wieder einzeln beschreiben, denn gab es doch einiges Besonderes und viel Neues, worüber ich hier im Blog also früher noch nicht berichtet habe.

What You See

Little Switzerland

Außerdem werde ich Details zu den Campsites nennen – vielleicht sind diese für den einen oder anderen hilfreich. Ich jedenfalls tat mich nicht immer leicht, zielgerichtet eine optimale Campsite für meine Bedürfnisse zu finden.

Mit an Bord hatte ich den ADAC-Campingführer, die ADAC-Camping-App sowie die Website https://www.pitchup.com, auf der man sehr komfortabel Filter setzen kann, z. B. für „tent“ oder „wild camping“. Das ist super.
Zusätzlich hatte ich sofort, nachdem mich das Navigon das erste Mal im Stich gelassen hatte, für £4,99 den 2016er AA-Road Atlas gekauft, der sich vielfach bewährt hat und gleichfalls einige Campsites ausweist.

Die ADAC-Produkte waren für mich in keiner Weise brauchbar, weil sie vor allem Komfortmerkmale beschreiben und Kontaktdaten nennen. Das ist mir, gelinde gesagt, egal. Ich buche für das Zelt und das Auto niemals vor und wenn es eine Waschkabine gibt, freue ich mich, stelle mich aber als alter Plaka-Strand-Anhänger genauso unter eine Gemeinschaftsdusche.
Die ADAC-App hat zudem dasselbe Problem wie die oben genannte, hervorragende Website: Wo es kein oder nur sehr langsames Netz gibt (und dies war leider sehr häufig der Fall), kann man sie einfach nicht nutzen. So blieb gar nichts anderes übrig, als die Augen aufzumachen und bei Hinweisschildern einfach hinzufahren und nachzugucken. Mein Fazit daraus ist: Es ist hilfreich, für gute Locations zu einer Übersicht zu kommen, wo man campen kann und diese offline mitzunehmen.

Auto-Schläfer haben es einfacher: In den meisten Gebieten habe ich super Plätze gefunden, wo man mit dem Auto über Nacht stehen bleiben und meist noch großartige Aussicht genießen konnte. Es wird somit immer wahrscheinlicher, dass ich die nächste Fahrt nach GB mit dem VW-Bus antreten werde.

Soviel für heute. Demnächst starten wir mit der ersten Etappe, bei der wir einen Familienbesuch-Schlenker über Rügen machen und dann in Folkestone ankommen, der kleinen Nachbarstadt von Dover, welche sehr viel reizvoller war als von mir erwartet, weshalb ich am Folgetag nicht sofort weiterfuhr, sondern mich etwas länger umsah.

Rainbow Centre