Wenn „American Skin“ am 17. Juni in München deshalb Deutschlandpremiere erhielt, weil Bruce Springsteen vom Schild im Publikum mit der Aufschrift „Fuck Trump – we wanna dance with The Boss“ inspiriert wurde, dann wäre es ein request, wie man es sich besser kaum wünschen könnte.

Und wohl nur der Boss schafft es, politisches Statement in einen genialen Partyabend zu integrieren, der Zehntausende über Generationen hinweg verbindet. Was für ein beeindruckender Abend! Mein erstes Konzert inmitten so vieler Menschen überhaupt – das erste Mal Front of Stage :-)

So ganz unbeschwert bin ich da nicht hineingegangen – in diesen großen Kessel mit den vielen Menschen – in dieser labilen Zeit. Würde das alles friedlich bleiben?, so schnell kommst du da nicht wieder raus!

Doch kaum erklangen die ersten, heiß ersehnten Live-Klänge der E-Street-Band und Bruce‘ Stimme, waren alle Bedenken weg, als wären sie nie dagewesen.

Die Magie des Live-Auftritts von Bruce Springsteen ist gigantisch – da mögen die Kritiker noch so viel rumnörgeln von wegen, er agiere mehr mit Kraft als mit künstlerischer Finesse. Da mag musiktheoretisch ja durchaus was dran sein, aber wen bitteschön interessiert die Theorie bei solch‘ einem Konzert auch nur ansatzweise?! Da ist doch die Frage, ob der Künstler Emotionen übertragen kann und die Zuhörer auf seine Reise mitzunehmen versteht – und dass der Boss genau dies kann, steht völlig außer Frage.

Und die Leichtigkeit, mit der er 3,5 Stunden lang lebenssprudelnden Rock abliefert, um nach einem furiosen Finale zart und feinfühlig die Akustik-Version von „For you“ über das Stadion zaubert, sucht seinesgleichen.

Und er war nicht einmal ganz gesund… schniefte und hielt unverkennbar mehr Abstand zum Publikum.

Mein Herz war auf dem Heimweg so unbeschreibbar übervoll, dass ich nur wenige Tage später, mich ärgernd, dass ich nicht Berlin ebenfalls gebucht hatte, eine Karte für das Zürcher Tour-Abschlusskonzert besorgte. Italien wäre mir noch lieber gewesen, aber die Termine kollidierten leider mit der Schottland-Reise.

Bruce Springsteen München 2016