Straße Richtung Sossusvlei

Namibia Teil 4 / 13. – 14. Oktober 2018. Wer kennt sie nicht: die Bilder des tiefroten Sandes von Düne 45 oder Big Daddy im ersten Morgenlicht oder der abgestorbenen Bäume in der Lehmpfanne des Deadvleis? Man erreicht diesen Teil des Namib-Naukluft-Parks, den man nach dem berühmten Vlei allgemein auch Sossusvlei nennt, nur über die Tore von Sesriem und nur zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

Hatte ich dies bei unserer Reise in 2014 noch als unnötige Einschränkung empfunden, so bin ich seit den jüngsten Schilderungen dessen, was in vier Wochen Shutdown in den berühmten Nationalparks der USA passierte, überzeugt, dass es nicht anders geht, als die Menschen in dieser Art zu gängeln und sie quasi vor sich selbst zu schützen. Wer es nicht gelesen hat, hier ein Bericht über den Vandalismus im Joshua-Tree-Nationalpark.

Definitiv werde ich mich nie wieder über Zäune, Tore, Schließzeiten zum Schutz der Natur aufregen und ich kann tolerieren, dass es somit auch zu Andrang in den Stoßzeiten kommt und dass ich an bestimmten Orten nicht allein unterwegs bin. Wobei das für uns diesmal viel weniger schlimm war als nach diversen Berichten in einschlägigen Foren befürchtet. Sowohl auf der Campsite in Sesriem als auch im Park haben wir genug Ruhe finden können.

Die Anreise von Tsauchab verlief absolut relaxt. 72 km und mit kurzen Stopps 1,5 Stunden. Die Camps von Tsauchab und Hauchabfontain werden ja von manchen sogar als Basis für einen Besuch vom Sossusvlei gewählt – das finde ich zu weit entfernt. Man soll in der Dunkelheit nicht fahren, und so wäre es mir schade um die schönsten Lichtzeiten im Nationalpark, denn vom Sesriemer Tor fährt man ja auch noch 45 – 60 Minuten je nach Ziel, es sei denn, man bleibt an der Elim-Düne.

Auf Pad auf der C19 Richtung Sossusvlei:

Wie wir sehen konnten, gibt es inzwischen genügend Unterkünfte in näherer Umgebung von Sesriem, und ein schneller Google-Check verriet: sie scheinen auch alle ganz gut zu sein.

Wir hatten uns für die zwischen dem Außen- und dem Innentor liegende NWR-Campsite in Sesriem entschieden und diese ca. 9 Monate vorher gebucht. Sehr vernünftige Preise. Wir hätten trotz des Samstag-Anreisetages auch ohne Reservierung einen Platz gefunden. Zwar kann man sich da nicht sicher sein, jedoch gibt es für die Not noch die sehr ordentliche Oasis-Campsite direkt vor dem Außentor.

Manche mögen die NWR-Campsite nicht und empfinden sie als zu unruhig und eng. Ich fühlte mich dort schon 2014 ganz wohl und bei diesem Besuch noch mehr. Deshalb habe ich dem Platz trotz seiner Einfachheit 9 von 10 Punkten gegeben. Das Personal ist umgänglicher und professioneller geworden, außerdem sind die verlängerten Öffnungszeiten für den Nationalpark sehr angenehm. Einen Reservepunkt muss ich einbehalten, wenn ich den Platz mit einigen sehr viel herzlicher geführten vergleiche und das eingeschränkte Speisenangebot im kleinen Restaurant berücksichtige.

Wir hatten einen sympathischen Campsite-Nachbarn:

Den ersten Tag in Sesriem nutzten wir für einen Besuch der nur 7 km entfernten Düne Elim, für die wir diesmal – anders als 2014 – genügend Zeit hatten und wo wir mehrere Stunden völlig allein waren. Viele kommen erst zum Sundowner hierher, inklusive etliche Busse.

Ein seltener Anblick: Man erkennt noch deutlich die Spuren von Wasserläufen. Nur kurz vor unserem Besuch hatten üppige Regenfälle Teile des Nationalparks unter Wasser gesetzt.

Abends kämpfte Liane dann mit dem Wind um das erste Lagerfeuer. Zwar brauchten wir es nicht fürs Kochen, denn Hubert Hester hatte uns eine große Gasflasche mitgegeben, aber sofort nach Eintritt der Dunkelheit war es bitterkalt geworden und so MUSSTE ein Feuer her. Essen am Lagerfeuer gehört einfach zu den besonderen Highlights in Namibia.

Nach einer trotz der Kälte gemütlichen Nacht und nach einem kurzen Frühstück fuhren wir gut erholt und relaxt die Asphaltstraße Richtung Parkplatz am Deadvlei.

Wir waren unsicher, ob wir uns die 5km-Tiefsand-Fahrt bis zum Deadvlei zutrauen sollten und nahmen den Shuttle ab Parkplatz. Das war hinzu ganz o.k., ABER… ich habe DEFINITV gelernt, dass dies das einzige Mal bleiben wird. Rückzu in der Mittagshitze standen wir eine geschlagene Stunde in einer Schlange von Touristenmassen, die mit zu viel Lautstärke über zu wenig interessante Themen quasselten, bis der vierte ankommende Shuttle uns endlich mit nach unten nahm. Das muss man vermeiden! Lieber mal im Sand stecken bleiben und immer noch viel lieber den Weg zu Fuß gehen!

Abgesehen von diesem Lehrstück haben wir den Tag absolut genossen. Wir wollten ein Stückchen Richtung Big Daddy hochlaufen. Eben so weit, wie es uns nicht zu sehr anstrengen würde. Überrascht von der morgendlichen Festigkeit des Dünensandes waren wir jedoch sehr bald ziemlich weit oben, so dass es für uns klar wurde: wir gehen da hoch bis zum Gipfel! Als Belohnung gibt es wahrlich atemberaubende Ausblicke auf eine einzigartige Landschaft.

Liane freute sich auf das Dünen-Surfing ab Gipfel – ich Schisser meinte, das wäre mir wohl zu gefährlich – ein umgenickter Fuß und der Urlaub wäre gelaufen. Aber unterwegs sah ich noch Ältere als mich ganz locker absteigen, ohne dass sie in unkontrolliertes Rutschen gekommen wären. Na gut, man soll seine Komfortzone ja immer wieder mal verlassen. Es war eine gigantische Gaudi, nach dem Gipfel-Aufstieg, der auf den letzten hundert Metern in inzwischen gleißender Hitze und auf ständig zurückrutschendem Sand doch noch kräftezehrend geworden war, loszulassen und runter in die Lehmpfanne zu sausen.

Weil es vom faszinierenden Deadvlei in meinem früheren Artikel ja schon Bilder gibt, hier diesmal zwei etwas anderer Art :-)

Im nächsten Teil fahren wir nach Swakopmund, begeben uns auf Tuchfühlung mit Pelikanen, Flamingos und Robben und haben viel Freude mit unserem Taxifahrer Pele.