Nach all den Berichten über die Afrika-Tour, während der die bewährte Nikon-Ausrüstung noch einmal Hochsaison feierte, ist heute wieder die Sony A7 dran.

Genauso überraschend wie Christoph Kramer ins WM-Finale kam nämlich meine neue Kamera sehr spontan und sehr exklusiv zum Einsatz, als ich Ende Mai die Hochzeit fotografiert habe. Meine erste Hochzeit – was für eine Freude und Ehre für mich!

Und was für eine steile Karriere für die junge Sony!

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Ursprünglich hatte ich die Equipment-Außenseiterin ja eher als Spaß-Kamera gekauft, um bei Berg- und sonstigen Wandertouren keine 10 – 15 kg Fotoausrüstung mehr tragen zu müssen. Wenigstens ein bisschen weniger soll es künftig auf solchen Strecken sein, mein malträtiertes rechtes Sprunggelenk will so hohe Belastung in diesem Leben nicht mehr tolerieren, soviel ist klar.

Die Sony A7 mit dem Kitobjektiv wiegt keine 800 gr; es macht wirklich Spaß, damit unterwegs zu sein. Aber für eine Hochzeit?! Mich mit diesem immer noch fremden System, bei dem ich die Schalter keineswegs schon blind finde und mit dem zickigen, nicht besonders schnellen Autofokus zu diesem Anlass aufzumachen… puh… ich hab‘ ganz schön geschwitzt vor Aufregung.

Dabei war es keinesfalls so, dass der Wechsel „unfallbedingt“ nötig gewesen wäre. Vielmehr war ich von den Ergebnissen meiner „Goldrausch“-Rügentour begeistert und meine heimischen ISO-Tests gaben den Ausschlag für diese etwas waghalsige Entscheidung.

Um es vorwegzunehmen: Der Winzling hat seinen Job während des Marathon-Events super erledigt. Ich wohl auch. Konnte den Auftrag zur vollsten Zufriedenheit ausführen und als ich in den letzten Tagen das Fotobuch, welches mein Abschluss-/Dankesgeschenk an die Auftraggeber war, in den Händen hielt, streichelte ich erst das Buch mit den fein entwickelten Fotos und dann die Sony.

Ich bitte um Verständnis, dass ich die auftragsbezogenen Fotografien hier nicht einstellen kann – mein Artikel will aber eine Lanze dafür brechen, dass auch die „Kleinen“ große Aufträge ausführen können.
Und noch mehr: Für mich als Frau war es während der vielen Stunden, die ich von morgens bis spät abends ununterbrochen fotografierte, das Brautpaar-Shooting steuerte und fotografierte, während der Feier entertainte und wieder fotografierte, eine wahnsinnige Entlastung, nicht ständig die Nikon mit dem schweren Nikon AF-S DX 2,8/17-55 in der Hand schwenken und dabei noch den Eindruck von federhafter Leichtigkeit erwecken zu müssen.

Größenvergleich Sony A7 : Nikon 300s mit aufgestecktem Blitz.

Größenvergleich Sony A7 : Nikon 300s mit aufgestecktem Blitz.

Größenvergleich von hinten. Gewichtsvergleich wie abgebildet: 1.350 gr : 2.400 gr

Größenvergleich von hinten. Gewichtsvergleich wie abgebildet: 1.350 gr : 2.400 gr

Wie so oft, basierte die Zufriedenheit auch hier allerdings zu einem großen Teil auf guter Vorbereitung. So hatte ich die Tage zwischen der Einsatzentscheidung und dem feierlichen Tag intensiv genutzt.

Als erstes bekam die Kamera Unterstützung durch ein lichtstarkes Objektiv. Ich kaufte das sündteure Sonnar® T* FE 55 mm F1,8 kurz vor der Hochzeit über Amazon und schwor mir, es wieder zurückzuschicken, wenn ich auch nur das Geringste zu meckern hätte. Ursprünglich war es nämlich gar nicht meine Intention gewesen, für diese Kamera den Objektivpark weiter aufzustocken. Schließlich steht der Wechsel auf das Nikon-Vollformat bevor.

Es kam aber „leider“ so, dass ich bereits bei den ersten Probefotos zu Hause wusste: dieses Sony-/Zeiss-Objektiv kann ich nie wieder hergeben. Was für eine Schärfe und was für ein wundervolles Bokeh! Lieber eine schmerzhafte Lücke im Portemonnaie und dafür so viel Freude!

Wie ich freilich bei der Hochzeit mit der Festbrennweite zurechtkommen würde, blieb eine spannende Frage. Die 55 mm erwiesen sich dann aber als sehr praktische Brennweite an der Vollformatkamera und daneben war halt ein bisschen mehr Bewegung angesagt. Erst bei den abendlichen Party-Aufnahmen, bei denen ich den Brautleuten und ihren Gästen nicht ständig die Kamera vor’s Gesicht halten wollte, setzte ich die Nikon von einer einer stillen Ecke aus ein – mit Nikons ebenfalls sehr lichtstarken 70-200mm-Objektiv. Für die Sony A7 gibt es noch kein so lichtstarkes Teleobjektiv… die Objektivfrage ist auch fast ein Jahr nach Erscheinen dieser großartigen Kamera die Achillesferse bei Sony. Darüber kann Nikon breit grinsen und sich sogar leisten, den hochkarätigen RAW-Entwicklungskonverter durch Wegkauf an Google zu verlieren und derzeit nur ein drittklassiges Tool anbieten zu können.

Doch zurück zur Sony A7 und ihrer Wandlung von der Spaß- zur tauglichen Auftragsfotografie-Kamera: Soviel Lichtstärke kann nämlich auch das tollste Objektiv im Verbund mit höchster ISO-Leistung nicht liefern, dass es drinnen für Hochzeitstanz etc. reichen würde. Also komplettierte ich die Sony-Familie durch den Blitz HVL-F60M – auch dies erwies sich eine ausgezeichnete Wahl.

Ach ja… da gab es ja noch die Problematik, dass der Sony-Akku nach 300 Bildern leer ist. Ziemlich blöd bei einer Hochzeitsreportage!
Nach Einarbeitung in die Kamera-Menütiefen konnte ich zwar eine gewisse Verbesserung erzielen (1. Vor-AF auf „aus“ stellen; 2. die Funktion „Monitor deaktivieren“ für einen sehr fixen Zugriff auf Funktionstaste C3 legen); dennoch würde ich mit meinen drei Akkus und einem Ladegerät niemals hinkommen. Auf der Website einer Hochzeitsfotografin hatte ich gelesen, sie ginge mit 10!!! Akkus los. Ich entschied mich für ein zusätzliches Set mit 1 Ladegerät und zwei Akkus. Das hat sich bewährt, denn die Akku-Ladezeit ist sooo lang, dass 1 Ladegerät den Bedarf nicht hätte decken können. Mit zwei Ladegeräten und 5 Akkus klappte die Energieversorgung wunderbar.

Übrigens: Einer der größten Energiefresser der Sony A7, nämlich das XGA OLED Display hat sich mit der Schwenkfunktion als großer Vorteil für derartige Events erwiesen: du kannst aktiv mit den Menschen vor der Kamera agieren, viel mehr Augenkontakt halten. Mir ist diese Interaktion wichtig; schließlich hat man bei einer Hochzeit keine professionellen Models vor sich, die auf Zuruf wissen, wie sie posieren sollen.

Ja, was soll ich sagen… meine kleine „Berg- und Wander-„Kamera hat bewirkt, dass ich den ersten Hochzeitsfotografie-Auftrag zwar anfangs vor Aufregung schwitzend, aber von Stunde zu Stunde mehr und mehr mit Vergnügen ausgeführt habe. Eingepackt wurde alles in meine geliebte Canvas-Tasche. Passt viel rein und sieht auch noch recht flott aus – nicht ganz so fototaschen-typisch!

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Die Retrospective-Tasche von Think Tank hatte ich für die Nikon angeschafft. Für die zierliche Sony ist hier natürlich üppig Platz: Unten liegt der Sony-Blitz, oben die Kamera, daneben das 55er Objektiv und der kleine Blitzdiffusor. Ins Fach rechts konnte ich sogar noch den Nikon-Blitz stecken.

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Die Ausrüstung für Energie- und Kartennachschub, die ich ja nicht ständig benötigte, steckte ich kurzerhand in den gut gepolsterten und praktisch ausgearbeiteten Funkgerätetragekoffer. Den hatte ich bei One Direct vor der Namibiatour für 25 € erstanden, dann aber aus Platzgründen nicht mitgenommen. Jetzt ist er doch noch zu Ehren gekommen und ich habe ihn seitdem ständig in dieser Nutzung. Die Ladegeräte für die Sony sind nicht ganz so robust wie die der Nikon – hier sind sie sicher untergebracht, ebenso wie die Akkus. Na ja, ihr merkt schon: ich liebe mein Equipment und entwickle dafür ab und an einen Ordnungsfimmel.

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Es ist aber auch schon ein großer Unterschied, ob man draußen in der Wildnis umherstromert oder auf einer festlichen Veranstaltung weilt. Auf Touren liegt meine Ausrüstung in der Regel griffbereit und immer etwas durcheinander auf dem Beifahrersitz oder – wenn die Fahrt etwas „ruppiger“ ist, in dem mit einer Decke gepolsterten Beifahrerfußraum. Auf der Hochzeit wäre es mir aber doch eher peinlich, auf der Suche nach Geräten oder Akkus erst einmal den Inhalt einer großen Tasche auf dem Geschenketisch auspacken zu müssen :-)

Ich danke den Brautleuten sehr herzlich, dass sie mir ermöglichten, die einzigartigen Emotionen dieses – IHRES – Tages zu teilen. Er wird mir auf immer in Erinnerung bleiben. Ich wünsche den Beiden alles Glück dieser Erde und bin mir sicher: sie haben es in sich gefunden.

Bei aller Begeisterung wird es auf dieser Homepage dennoch keine Rubrik „Hochzeitsfotografie“ geben. Warum, ist schnell erklärt: Zu wenig zeitlicher Freiraum. Ich, die ich durch meine hauptberufliche Tätigkeit in der Kreisklinik Ebersberg durchaus Erfahrung in der Eventfotografie habe, lernte an diesem Tag nämlich noch etwas: absoluten Respekt vor der sowohl in technischer wie in körperlicher Hinsicht äußerst fordernden Tätigkeit eines Hochzeitsfotografen.
Wenn man einen solchen Auftrag ernst nimmt und das Glück des Brautpaares mit seiner ganz eigenen Kompetenz, ja auch mit seinem künstlerischen Anspruch um ein kleines Teilchen bereichern will, muss man diesen Tag sehr, sehr gut vorbereiten. Man sollte sich einander vor dem Festtag, in noch entspannter Atmosphäre, kennenlernen, muss die „Festival“-Standorte erkunden, sich vorab ein klares Konzept für das eigentliche Shooting machen und dies auch im Gedränge des Festes (und durchaus auch mal gegen den Widerstand des Dienstleistungspersonals anderer Sparten) durchsetzen.

Als ich früh am Morgen losfuhr, war ich mir bewusst, dass ich heute diejenige sein würde, die über den gesamten Tag hoch konzentriert und pausenlos arbeiten würde… so lange, wie es die Freude und die Zufriedenheit des Brautpaares erforderten. Ich sollte mich nicht getäuscht haben. Und als die Feier vorüber war, ging es sofort weiter: Fotosichtungen, -bearbeitungen, Auswahl für eine schöne Hochzeitsreportage, Gestaltung des Hochzeitsbuches.
Hatten insgesamt vier Tage ausgereicht?, ich habe nicht genau auf die Uhr geschaut.

Solche Aufträge, die ich stets mit mit dem mir eigenen Anspruch angehen würde, werden mir neben meiner gleichfalls fordernden Arbeit als Marketingverantwortliche in einer Klinik wirklich nur in Ausnahmefällen möglich sein.
Trotzdem: Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, ich habe viel hinzu gelernt und die Sony A7 und ich sind uns näher gerückt. Man muss halt die Größe haben, auch eine (Autofokus-)-Zicke zu tolerieren und sie einfach ihre Stärken ausspielen lassen.