Die Wüste erschafft sich ihr eigenes Universum. An der Westküste bei Swakopmund ist es ein besonders vielfältiges, gefördert durch dichten Nebel, der abends aufsteigt, wenn die Sonne weicht und der kalte Atlantik bis mindestens zum nächsten Morgen das Klima bestimmt. Die winzigen Nebeltröpfchen sind hier die einzige Wasserquelle für die erstaunlich vielen Arten, die in der Namib leben.

Eindeutig zu wenig Wasser für Großtiere wie Elefanten oder Krokodile!, die „Little Five“ jedoch haben sich nach dem Motto „Small rain, small crocodile“ an die Gegebenheiten angepasst. Chris Nel von Living Desert Tours auf der Suche nach ihnen zu folgen, gehörte zu den absoluten Highlights dieser Afrikareise… und auch zu den Überraschungen. Denn niemals hätte ich geglaubt, wie spannend diese Tour sein würde.

Wir kehrten dafür noch einmal nach Swakopmund zurück. Das war zwar ein ziemliches Hin- und Hergefahre, aber wie geschrieben, hatten wir unbedingt zu Neumond für die Sternenfotografie im Sossusvlei sein wollen. Außerdem mussten wir vor der Weiterfahrt in den dünn besiedelten Süden jetzt noch einmal alle Vorräte auffüllen, vor allem an Fleisch.

Für die Übernachtung hatten wir wieder die Oyster Box in Walvis Bay ausgesucht. Stefan und Nadine fuhren noch einmal auf die Sandbank zu den Robben – ich blieb diesmal bei den Flamingos und schaute mir das kleine, hübsche Hafenstädtchen an. Die Promenade lädt zum Spazierengehen ein und das Städtchen wirkt idyllisch, solange man ignoriert, dass hier neben anderem, welches man gleichfalls nicht unbedingt wissen möchte, auch das in den nahe gelegenen Langer-Heinrich-Mine und Rössing-Mine gewonnene Uran umgeschlagen wird. Das neue Uranbergwerk Husab bei Swakopmund, eine bombastische chinesische Investion, kommt nun noch hinzu.  Im Mai dieses Jahres wurde ein umstrittener Projektvorschlag für den Bau eines Lagerbunkers vorgelegt, damit die die blauen Container nicht mehr wie bisher auf Parkplätzen zwischengelagert werden müssen.
Viele Stadtbewohner sind allerdings der Ansicht, hier solle wohl der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden. Auf jeden Fall wird sich Walvis Bay spätestens mit dem Ausbau des Hafens und der eventuellen neuen Eisenbahnanbindung an ausländische Bergbaustätten in den nächsten Jahren wohl gehörig verändern.

200_0430

200_0404

200_0381

DAQ_6138

Nach dem gemütlichen Abend in Walvis Bay trafen wir uns am nächsten Morgen recht gut ausgeruht mit unseren Guides Asgar und Chris und auf ging es in zwei feinen Landys in den Dorob-Nationalpark. Schon beim Fahren hatten wir den größten Spaß.

200_0742

Chris gab uns zunächst einen ebenso spannenden wie humorvollen Einblick in das (Über-)Lebensgefüge in der Wüste und bewies, dass es trotz der allgegenwärtigen sandigen Trockenheit jede Menge „Müsli und Juice“ für die hier heimischen Lebenswesen gibt.

200_0515

Unter Chris‘ kundiger Führung entdeckten wir tatsächlich Spuren über Spuren und lernten sie zu unterscheiden. Außerdem zeigte er uns, wie geschickt die Lebewesen den Sand tagsüber als Schutz vor der Hitze nutzen, indem sie sich eingraben. Nicht nur der kleine Lizard, sondern auch Skorpione und Schlangen. Der Schrecken fuhr mir nachträglich durch die Glieder, war ich doch zwei Tage vorher barfuß die Elim-Düne hochgestiegen, weil es einfach „praktischer“ war. Gut, dass wir manches erst im Nachhinein erfahren! Und außerdem: Lief unser Guide nicht auch barfuß durch die Gegend? Also das Aufregen wieder abstellen!

200_0497-2

200_0496

200_0516

Ein übermütiges kleines Kerlchen, der Nadine – ehe sie es sich versah – kurz mal in die Nase biss. Zum Glück liebt Nadine alle Tiere!

200_0508

200_0710

200_0674

200_0772

200_0583

200_0619

Daqui mit einer Hornotter Auge in Auge. Wer hätte das morgens gedacht, als sie meinte, eine Schlange würde sie heute keinesfalls treffen wollen. Aber Chris duldet keine Angst vor Schlangen und ihm zu widersprechen, war schlechthin unmöglich. Und siehe da: die Hysterie schrumpft. Wobei es mir dennoch auf immer unheimlich bleiben wird, wie jemand eine Giftschlange in seinen Hut einladen kann :-)

200_0636

Und was macht er nun schon wieder? Kunst nach dem Motto „Bald vom Winde verweht“?

DAQ_6191

Nein… vielmehr zeigt uns Chris mit einem Magneten den Grund für die verschiedenen Farben der Wüste: Eisen- und andere Oxide, die sich über Millionen von Jahren gebildet haben.

DAQ_6195

Erstaunlich, wie rasch die Fünf-Stunden-Tour verging! Hatte ich am Morgen noch vorgeschlagen, die Sache abzukürzen, weil wir noch shoppen mussten und einen ziemlichen Weg zurücklegen mussten, so konnte ich nun nicht genug bekommen und hätte sehr gerne noch viel, viel mehr erfahren. Wie man sieht, war ich nicht die einzige Begeisterte:

DAQ_6242

Und auch Stefan fand Landschaft und Ausflug wohl „zum Niederknien“:

DAQ_6171

DAQ_6236-2

DAQ_8316