Wir kennen Schottlands wunderbare Landschaften. Wir kennen der Scotsmen Kilt, schottische Kunst und Kultur sowie das Lebenswasser, called Whisky.
Börsianer kennen weitere, ANDERE Schlüsselfaktoren. Um die ist es in den vergangenen Monaten oft einseitig gegangen.

Heute schaut die Welt auf etwas Neues, nämlich Schottlands Stimme. Die ist bislang unbekannt bzw. kann sich nur bedingt eigenständig artikulieren, muss sich in wichtigen Fragen großbritannischen Mehrheiten unterordnen (humorvoll ausgedrückt is des wie mit de Bayern und de Breissn). Viele Menschen in Schottland (wenn man den Umfragen trauen kann, etwa die Hälfte) sagen: das muss nach mehr als 300 Jahren anders werden. Die andere Hälfte hält diese Frage nicht für so bedeutend oder will aus verschiedenen Gründen alles so belassen, wie es ist.

Heute ENTSCHEIDEN die Schotten mit IHRER SOUVERÄNEN Stimme über den Verbleib oder Nichtverbleib im Königreich Großbritannien.

In dieser Tatsache, der Möglichkeit, die eigene Stimme zu erheben, liegt für mich die Bedeutung dieses Tages, wie auch immer das Ergebnis lauten wird. Wenn das allein kein Grund zum Feiern ist!!!

Kaum jemand hat dies im Vorfeld des Unabhängigkeits-Referendums so auf den Punkt gebracht wie die schottische Sängerin und Musikerin Julie Fowlis in ihrem Twitter-Post vom 21. April 2014:

„I feel privileged to have a vote, many in this world don’t. A once in a lifetime opportunity Scotland’s.“

Selbst nicht abstimmungsberechtigt, will ich mich der Vielzahl der ganz-genau-Bescheidwisser-und-Meinung-Sager nicht zugesellen, sonders es halten wie die Queen, die ihren Job ganz gut zu machen scheint: Ja oder Nein – „Das ist Sache der Schotten.“

Einige wenige geschichtliche Hintergründe und aktuelle persönliche Eindrücke hatte ich bereits nach meiner Schottlandtour von 2013 aufgeschrieben (im unteren Teil).
Für von mir hoch geschätzte Künstler würde ich mich über einen Erfolg der Independent-Bewegung freuen, das will ich nicht verhehlen.
Andererseits hat Schottland im jetzigen Verbund bereits so viel Besonderes schaffen können, so viel von der ganz eigenen Kultur neu etabliert, dass dieses leichte Abweichen aus neutraler Position nicht von besonderer  Emotionalität geprägt ist.

So oder so sind die Schotten mir zutiefst ans Herz gewachsen und ich wünsche ihnen für heute einen einzigartigen, friedvoll-fröhlichen Abstimmungstag und für die Zeit ab morgen früh, wenn das Ergebnis verkündet wird, die Fähigkeit zu großherziger Akzeptanz desselben im besten demokratischen Sinne.

Wer über die Ziele der Independent-Bewegung nachlesen will, findet diese im Whitepaper, herausgegeben vom schottischen Parlament. Das ist allemal besser, als die teilweise unsäglichen Presseartikel zu verfolgen.