Während in Deutschland bei Lufthansa die Piloten streikten, war der Pilot, der mich und alle anderen Insassen der A320 von München nach Santorin brachte, richtig gut drauf. Die Landekurve leitete er mit einem fröhlichen Triebflächenwedeln ein und ich glaube, so nah am Felsen wie diesmal bin ich bei der Landung auch noch nie vorbeigeschrammt.

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Unterwegs hatte es schon wunderschöne Gipfelblicke gegeben, wie ich sie sonst nicht so leicht haben kann.

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Die Trauminsel zeigte sich diesmal nicht ganz so gastfreundlich wie ich sie eigentlich kenne. Im Airport gab es strenge Zurechtweisung für jeden, der dort ein erstes Urlaubsfoto machte. Ja ich weiß, das Fotografie-Verbot steht dort angeschlagen, aber welches militärische Geheimnis wird dort denn gelüftet, wenn die Freundin vor dem Condor-Flieger geknipst wird?! Dahinter ist nur blaues Meer.

Taxifahrt zum Hafen mit einem spürbar genervten Fahrer diesmal 20 Euro statt 16 wie in den letzten Jahren.

Im Hafen dann – während der dreistündigen Wartezeit auf die Blue Star – wahnsinnig viele Menschen, Schiffsankünfte im Halbstundentakt. Früher hatte es zwischen den Turbulenz immer auch wieder stille Stunden gegeben, dieses Wechsel hatte seinen ganz besonderen Reiz. Jetzt, obwohl immerhin schon der 10. September, Remmidemmi am laufenden Band. Ganz offenbar ist in Griechenlands Tourismus die Normalität wieder eingetreten.Die Griechen brauchen sich keine besondere Mühe mehr zu geben, um Urlauber ins Land zu bekommen.

Die Schlange von Menschen, die schließlich auf die Blue Star strömte, habe ich noch niemals so lang gesehen. Fast muss man künftig fürchten, ohne Reservierung kein Ticket zu erhalten.

Leider gab es auch anderes Übel, was ich von Santorin, wo die Leute doch irgendwie alle ihr Auskommen haben, nicht kenne: Ich wurde von einer jungen Frau, die recht ordentlich gekleidet war, angebettelt. Eine halbe Stunde später war ich dann noch mehr erstaunt, als ich sie in vorderster Reihe bei den Zimmervermietern stehen und ihre Räume anpreisen sah. Hm…Hoffentlich ist das ein Einzelfall und wird kein Trend – da würde ich mich auf der Insel nicht mehr so unbefangen wohl fühlen wie bisher.

Auf See freilich ist gleich aller Tourismus-Stress vergessen – die erste halbe Stunde, die es unten an den Felsen vorbei geht, zieht mich wie immer in den Bann.

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Auch auf Naxos ist noch kein Zeichen von Nebensaison erkennbar. An der Plaka stehen noch alle Liegestuhlreihen – in den letzten Jahren um diese Zeit längst abgebaut. Ich bin froh, mich nach dem Schwimmen wieder auf meinen Kapares-Hügel begeben zu können, wo nur die Hähne und der Esel von Dimitri lärmen.

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Hier hat sich kaum etwas geändert. Unten am Strand gibt es nach wie vor die Staubstraße, der Flugplatz ist nach wie vor zu klein für große AirBusse und sogar das winzige Häuschen der schon ein paar Jahre verstorbenen Anna musste noch keinem Neubau weichen. Es verfällt freilich jedes Jahr ein bisschen mehr. Trotzdem sehe ich im Geiste hier immer noch die Anna laufen.

Es ist brütend heiß, kein Wind und von Herbstregen keine Spur.