Die Geburtstagsparty der schottischen Folk-Rock-Band Runrig nähert sich dem Höhepunkt – am 10. August feiern die Musikanten mit Tausenden von Fans aus ganz Europa im Black Isle Showground bei Inverness ihr 40. Bühnenjubiläum.

Die Hotellerie in Inverness meldet bereits Ausnahmezustand im Großraum.

Zum ersten Runrig-Deutschland-Konzert 2013 gestern Abend kamen bei hochsommerlichen Temperaturen nahezu 4.000 Besucher auf die Festungsruine Hohentwiel bei Singen. Es hieß, einige Karten wären noch zu haben, doch bei Beginn gegen 19.00 Uhr gab es kaum einen freien Platz zum Stehen.

Der fast 700m hohe, über der Hegau-Landschaft thronende, Vulkanberg Hohentwiel ist ein fantastischer Konzert-Ort.
Und Sharon Corr und ihrer Band entfachte die Stimmung im Vorprogramm binnen weniger Minuten. Wenn viele Frauen vielleicht schon ungeduldig auf die Runrig-Männer warteten, würde ich wetten, dass die Herren im Publikum gerne mehr von der elfenhaften Sängerin, die in einem weich fließenden – nicht irisch-grünen, sondern schottisch-blauen – Kleid auftrat, gehört … und gesehen hätten.

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Aber dann, nachdem ein riesiges Radio aus den 70ern an die Zeit der Band-Gründung erinnerte – Runrig!
Was würde die Band spielen? Wie sind die Jungs drauf? Die Erwartungshaltung vor einem Jubiläumskonzert ist natürlich riesig.

Nun, also was die Setlist betrifft, gab es weniger Überraschungen als ich erhofft hatte. Anders als zum Beispiel Hubert von Goisern, der seinen Fans immer wieder abverlangt, mit ihm auf die Reise in musikalisches Neuland zu gehen, setzen Runrig auf oft Bewährtes. Lieder, deren Texte bei den Fans „sitzen“.

O.k., das macht freilich auch einen großen Teil der fast familiär anmutenden Verbundenheit aus. „Wir feiern ein Fest und singen gemeinsam ‚unsere‘ Lieder!“

Aber dann gibt es eben doch Gemeinsamkeit zwischen der schottischen Folkband und dem österreichischen Musiker. „Bei Livekonzerten gibt es kein Netz und keinen doppelten Boden“, sagt Goisern auf seiner Website, „jeder Ton, jeder Akkord ist Wahrheit“. Und was diese Wahrheit betrifft, bleiben die sechs Runrig-Musiker nichts schuldig.

Ich habe sie selten so ambitioniert spielen und singen gehört wie gestern. Die alten Songs in wunderbaren, weit ausholenden Variationen! So waren die Songs zwar oft gehört, aber dennoch spannend und in jedem Ton berührend, egal ob in den Balladen, Hymnen oder Rock-Titeln. Gänsehaut-Feeling bei „Book Of Golden Stories“ mit schönen alten Aufnahmen aus der Bandgeschichte.

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Und Bruce Guthro als Lead-Sänger… Respekt, er hat mir richtig gut gefallen. Mehr Kraft in der Interpretation, mehr Mut zum Risiko. Hat ihm sein Ausflug in die Excalibur-Show-Welt gutgetan? Damals im Jahr 2011 fand nicht nur ich ihn neben dem immer noch grandios alle-Emotionen-aus-sich-raus-singenden Johnny Logan etwasblass – ungeachtet seiner unbestritten schönen, nuancenreichen Stimme. Zu dem heutigen Bruce Guthro würde ich langsam auch in ein Solokonzert gehen.

Mein persönliches Highlight: mal kein Gesangstitel, sondern die Drumsession von Calum MacDonald, Malcolm Jones, Iain Bayne und Brian Hurren. Zum Niederknien!

Was ich vermisst habe: Einen Solopart von Brian. Man kann wohl nicht alles haben!

Zu monieren war wieder einmal die Sound-Technik. Ich will lieber nicht sagen, an welche Comicfigur mich Bruce‘ Stimme die ersten Viertelstunde erinnert hat. Aber da können die Musiker ja nichts für!

Ein toller Abend, bei dem wir viel Spaß hatten und der die Vorfreude auf The Party On The Moor richtig groß werden ließ.