Weihnachten im finnischen Lappland – ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Mit ein bisschen Kitsch, wie es zu diesem Fest durchaus mal sein darf, mit fantastischem (Rentier-)Essen, mit Schnee, soweit das Auge reichte und mit viel Spirit im uralten Samen-Land.

Fantastisch, dass wir auch in den Genuss von Nordlichtern gekommen sind.

Doch mal der Reihe nach:

Unser Ziel war der Pyhä-Lusto Nationalpark, weit oben in Finnland – jenseits des Polarkreises.

Dort, wo es im Sommer viel Moor unterhalb einer mittelhohen Bergkette gibt, kann man auch im Winter unendlich wandern, wobei ich – ohne Schneeschuhe – ein komisches Talent entwickelte, den unter dem Schnee verborgenen schmalen Steg NICHT zu treffen, sondern rechts oder links in die Tiefe abzurutschen. Andere aus unserer Gruppe waren geschickter :-)

Wir hatten das Ziel nicht etwa wegen des gemütlichen Skiberges ausgesucht, sondern waren über die Blockhütten-Suche dort gelandet.
So war ich bei unserer Ankunft auch gar nicht amused, als ich den „Rummel“ wahrnahm und dankbar über jeden Meter, den wir uns nach der Schlüsselabholung im Hotel wieder entfernen konnten. Freilich blieb das Skigebiet in Sichtweite und einige Nachbarn waren den Spuren im Schnee nach zu urteilen, regelmäßig per Ski-Doo den Weg abkürzend dahin unterwegs.

Doch zurück noch einmal an den Anfang, denn es war für uns alle die erste Reise in die Dunkelheit jenseits des Polarkreises und darüber macht sich jeder wohl einige Gedanken.

Der Abschied von der Sonne versetzte uns am Flughafen in München, wo wir vier zusammentrafen, dann auch in einen bemüht optimistischen Zustand. Zwei von uns konnten ja wenigstens sagen: „Na, die 10 Tage halten wir schon aus.“, während der Retour-Flieger für die übrigen erst nach doppelt so langer Zeit startete.

Da hatte ich doch etwas Mitleid und auch schlechtes Gewissen, schließlich war ICH es ja gewesen, die diese Schnapsidee mit Lappland überhaupt erst aufgebracht hatte. „Wo willst du deinen runden Geburtstag feiern?“ „Na bestimmt nicht bei Party und Bier… wie wäre es mit Rentieren und Nordlichtern?“

Abgesehen von den kleinen Witzen, mit denen wir unser aufkommendes Unbehagen kaschierten, war der Abflug sowohl in München als auch in Helsinki von finnischer, winterbedingter Verspätung gekennzeichnet sowie von Problemen bei der Gepäckabfertigung, weil die bezahlte Gepäck-Buchung nicht ohne weiteres gefunden wurde.
Hier deshalb gleich ein Tipp: Wer mit Finnair fliegt, ist derzeit gut beraten, bei der Airline direkt einen günstigen Tarif ohne Gepäck zu wählen und Gepäck für hin und zurück zu je 15 € hinzuzufügen – das ist ja eh sehr günstig.

Wir hatten bei Opodo gebucht (Gepäck inkludiert) – es gab in beide Richtungen Probleme, obwohl wir eine Bestätigung mit hatten. In Oulu gaben wir rückzu die Diskussion schließlich auf und bezahlten noch einmal, um überhaupt mit dem Flieger mitzukommen.

Unsere Flugroute ging also von München nach Helsinki und von dort weiter nach Oulu am Bottnischen Meerbusen. Kein Flieger startete, ehe er nicht sorgsamst enteist war.

Ab Oulu fuhren wir mit dem Mietwagen 5 Stunden quer durchs Land nach Nordosten durch sehr einsame Landschaften.

Bei Rovaniemi passierten wir den Polarkreis und hatten noch 120 Kilometer weiter zu fahren, was zur Weihnachtszeit bedeutete, dass die Sonne an unserem Ferienort nicht mehr aufging.

Wir hatten leider erst nach unseren Buchungen erfahren, dass man Rovaniemi und Kittiläe ebenfalls anfliegen kann – das würde ich bei einem nächsten Besuch auch so handhaben. Zwar kann man den Weg in Lappland durchaus auch als Ziel betrachten, aber die winterlichen Straßenverhältnisse, die kurze Zeit mit Licht und das unvermittelte Auftauchen von Rentieren auf der Straße lassen keine übergroße Gemütlichkeit im Auto aufkommen. Zumindest, wenn ich nur Beifahrer bin :-)

Noch ein Wort dazu, wie ich die Ankunft in Oulu, also im Norden wahrgenommen habe: Wieder mal Opfer der eigenen Vorurteile gewesen – null Grund für Depressionen!

Klar, es war dunkel bei der Ankunft – war ja auch spät am Abend. Aber… wow… es lag eine fast magische Illumination über der Stadt. Ich hatte für die Zwischenübernachtung das TurusenSaha Guesthouse ausgewählt, weil ich traditionsreiche Häuser besonders liebe und weil es auf einer kleinen Halbinsel liegt. Diese Entscheidung entpuppte sich als goldrichtig, denn zum einen sind die Besitzer überaus reizende Menschen und zum anderen sorgten Haus und Umgebung für tolle Impressionen schon zu Reiseanfang.

Links das TurusenSaha Guesthouse

Ich konnte nicht anders, als gegen Mitternacht noch einmal mit der Kamera rauszugehen. Leider war das Stativ unten im Auto verbuddelt, also musste für die ersten Finnland-Bilder eine ISO von Minimum 6.400 herhalten.

Stefan meinte, ich bräuchte mich so spät doch nicht mehr draußen rumzutreiben, denn „morgen früh ist es auch bloß dunkel“, aber dieser erste Abend war viel zu aufregend für mich. Selbst ohne Nordlicht. Dafür mit Vollmond!

Es war schneegedämpft leise in der Stadt. Viele Fahrrad- anstelle von Autofahrern. Und samstagabendlich fröhlich lärmende Menschen. Ein ganz spezieller Zauber.

Mir hat Oulu super gefallen und zum Fotografieren inspiriert. Leider erwies sich die Prognose meines Sohnes „Morgen früh ist es auch noch dunkel“ einfach als falsch. Was mich doch wunderte, denn der Bua weiß sonst alles immer ganz genau. Bzw. er weiß, auf welche App er gucken muss.

Jedenfalls standen wir zwei Fotografen frühzeitig auf – leise, um die anderen nicht zu wecken -, nur um festzustellen, dass es zur normalen Frühstückszeit halt schon dämmerig war. Und der Illuminationszauber über der Stadt verschwunden. Das fand ich ziemlich schade. Andererseits dachte ich mir: Sooo dunkel kann es dann wohl doch nicht sein.

Ein paar Bilder vom Morgenspaziergang in Oulu:

Unterwegs in den Norden

Welcome in Pyhä:

Unser Ferienhaus für die nächsten Tage lag in einer kleinen Feriensiedlung, wenige Kilometer vom Skigebiet entfernt, absolut ruhig.

Scherzhaft sagten wir Blockhütte zum Haus, aber es war so ungefähr die komfortabelste Hütte, die ich mir vorstellen kann.

Innen Hightech von A bis Z – gerade, dass der Ofen noch manuell gefeuert werden musste. Das Holz dafür freilich reichlich und ordentlich gestapelt im Fahrzeugunterstand. Und als wir einmal etwas anderes verfeuerten, lag es nicht am Notstand, sondern daran, dass wir nichts duldeten, was uns Langeweile bereitete.

Die Lage des Hauses bietet sich bestens für den Wintersport an: Skifahren auf nahezu leeren Pisten, Langlaufen, Winterwandern, Schneeschuhtouren, Ski-Doo.

Am Hotel gibt es einen Geräteverleih – die Preise freilich gesalzen. Nur die Langlauf-Ski waren relativ ein Schnäppchen.

Ortschaften, wie wir sie aus Deutschland wie Perlen an einer Schnur sehen, sucht man hier oben eher vergebens. Kermijärvi, das letzte Städtchen Richtung Norden, lag ca. 50 Kilomter von uns entfernt. Es ist auch recht klein, halb so viele Einwohner wie unser Ebersberg. Hat aber alles, was man so braucht, zum Beispiel einen ALCO-Laden .

Dummerweise hatten wir beim Großeinkauf am ersten Tag nicht in Betracht gezogen, dass wir in Pyhä womöglich keinen Laden mit Alkohol-Lizenz finden würden. Da blieb kein Auge trocken: 50 km für Wein und Bier!

Ja, da kann man dann schon mal etwas über die Stränge schlagen.
Nein, das da unten bin nicht ich nach zu viel weihnachtlichem A.-Genuss, sondern eine Wachsfigurengruppe in der Tourist Information.

Die hellsten Momente des Tages jenseits des Polarkreises: Der Himmel rötet sich und man wartet auf den Sonnenaufgang, der ja wohl jeden Moment kommen wird. Man wartet und wartet… dann wird es langsam wieder dämmerig.

Erinnerte mich irgendwie an die Nacht bei Husavik in Island, wo ich zur Sommersonnenwende exakt das Gegenteil mit Faszination erlebt hatte.

Als Ersatz für die Sonne gibt es vierlerorts liebevoll illuminierte Wege. Auch die Loipen in Pyhä waren bis 23.00 Uhr beleuchtet.

Rührend wird auch davor gewarnt, sich nicht die Füße erfrieren zu lassen

Und dann war es Weihnacht.

Das wird nirgendwo so schön eingeläutet wie in Rovaniemi, im Santa Claus Village

Jedes Jahr am 23. Dezember sendet Santa Claus von hier aus seinen Weihnachtsgruß in die ganze Welt, „aaaaallllround the world“, bevor er in seinen Rentierschlitten steigt und die Geschenke verteilt.
Wir froren uns während der Wartezeit und der einstündigen Show mit Zeromonie den ass off, aber irgendwie isses ja doch sehr schön und alles wert.

Zu unserer Enttäuschung leerte sich nach der Abfahrt von Santa Claus das Weihnachtsdorf sehr geschwind und auch die Büdchen schlossen ab. Ähm, eigentlich wollten wir doch noch lecker essen… Leider war es auch in Rovaniemi schwierig, etwas Gemütliches zu finden, ohne vorbestellt zu haben.
Wer also Ähnliches plant: Unbedingt vorher ein Aufwärm- und Lecker-Speisen-Refugium aussuchen und reservieren!

Schlagartig leer

Nach zwei Stunden wieder dahoam bei unserer Hütten: gemütlich essen, Wein, Sauna. Wenn… ja, wenn draußen nicht die Nordlichter toben würden. Also fror ich mir aufs Neue den Hintern ab. Aber wenigstens wartete hier die Sauna zuverlässig mit Restwärme!

An Weihnacht kam auch der lang erwartete frische Schnee. Damit wurde es richtig perfekt. Schade nur: Wir mussten sehr früh am 26. Dezember bereits wieder abreisen  hatten deshalb nicht mehr ganz viel von der neuen Märchenlandschaft.

Auf dem Flughafen in Oulu musste erst einmal ordentlich geräumt werden, bevor wir dann gen Helsinki starten konnten und das erste Mal nach neun Tagen die Sonne wieder sahen.


Meine Fototasche für Lappland:

Zunächst muss ich klar sagen, dass diese Reise KEINE Fotoreise war, sondern wo das gemeinsame Feiern von Geburtstag und Weihnacht für uns im Vordergrund stand. Zwei aus unserer Gruppe haben mit Fotografie auch nicht besonders viel am Hut. Deshalb hier nur kleine Fotoausrüstung:

  • Sony A7 mit Kit-Zoom 28-70 sowie dem Zeiss Loxia 21/2.8
  • Sony A6000 mit Sigma Art 19/2.8
    Ich hatte mir die kleine A6000 vor der Reise geholt, um bei niedrigen Temperaturen und einem eventuellen Ausfall der Hauptkamera einen Ersatz zu haben. In der Praxis schraubte ich das A7-Kit-Zoom an die APS-Kamera und hatte dadurch für die Rentiere bereits genug Brennweite.
  • Nikon D5300 mit AF-S DX NIKKOR 18–105 mm 1:3,5–5,6G ED VR und – für besonders lange Brennweite das gute und vor allem kompakte AF-S VR Zoom-Nikkor 70–300 mm 1:4,5–5,6G IF-ED.
  • Lee-Filter

Die Nikon kam lediglich in Rovaniemi zum Einsatz, wo ich parallel filmte und fotografierte.
Überall sonst war die Sony-Ausrüstung wegen ihrer Leichtigkeit und wegen des überragenden Zeiss Loxia Weitwinkel-Objektivs in Nutzung. Bei Temperaturen zwischen 0 und -10° C gab es nicht die geringsten Schwächeanzeichen bei der Sony. Beim nächtlichen Nordlichterfotografieren wechselte ich halbstündlich die Akkus (zweiter dicht am Körper) und beim Wieder-in-die-Wärme-Kommen wickelte ich die Kamera einfach in die umgestülpte (außen sehr kalte) Winterjacke und packte das Paket in den Flurschrank. Am nächsten Morgen war alles wohl temperiert und ohne Kondens.

Eingepackt wurde in den superleichten F-Stop-Rucksack, so dass ich mit 7,7 kg im Flieger unterwegs war. Stativ natürlich im Koffer – würde sonst die Security erschrecken


Dank

Ich danke von ganzem Herzen meinen beiden Kindern, dass sie den Spleenen ihrer Mutter so tolerant gegenüberstehen und diese, wenn’s sein muss, sogar mittragen. Meiner Tochter Liane ein besonderes Bussi für die umsichtige Organisation im fremden Terrain. Ich liebe euch beide.