Plitvice National Park Wasserfall

Oder: Das emotionale und physische Auf und Ab im Nationalpark Plitvicer Seen.

Nein, dieser dritte Besuch im Land der fallenden Wasser war nicht wie die früheren beiden.

Wenn meine Solo-Besuche im vergangenen Oktober und Ende April 2012 ebenso schön planmäßig wie planmäßig schön verliefen, war diesmal vieles anders – vor allem die Stimmung im Nationalpark.

The Wind of Change … Nachdem im tiefsten Winter Experten vor Ort kritisch die Einhaltung von Schutzauflagen prüften und im August die Parkleitung wechselte, sind wohl einige noch sehr nervös dort.
Dennoch habe ich stimmungsvolle und interessante neue Fotos mitgebracht – vielleicht braucht die Kreativität den gewissen Stachel, der sie einbremsen will :-)

Der Trubbel fing schon bei der Abreise an, die wegen der Wetteraussichten bis zum Schluss fraglich war. Samstag, 13. Oktober, wollten wir für eine Woche starten. Zu Wochenbeginn las ich Wetterprognosen, die von Starkregen, gefrierendem Regen bis zu Sonnenschein alles in petto hatten und auf jedem Wetterportal anders ausfielen. Hm, bei gefrierendem Regen über die Knüppelwege im Nationalpark? Mein gerade wieder lauffähiger Fuß war nicht erfreut!
Also stand Donnerstag Abend das Licht auf „canceled“ und ich suchte schon nach einer Alternative irgendwo auf den Kanaren.
Am Freitag Vormittag kam dann der Anruf von Stefan Krause, dass er und Nadine Altenhof angesichts der uneinheitlichen Voraussagen die Reise mit Optimismus wagen würden.

Ok, also ging es los und wir wurden nicht enttäuscht. Die Regenstunden konzentrierten sich auf Montagnacht und den Dienstagvormittag, bescherten dafür noch ein bisschen Regenbogenromantik.

Nationalpark Plitvicer Seen

Auf den Holzstegen war es vor allem in den Morgenstunden oft nass, dort sollte man prinzipiell ordentliches Schuhwerk tragen. Meine neuen Inov-8-Roclite 288 waren zum Glück noch am Freitag eingetroffen und konnten sukzessive eingelaufen werden. Tolle Schuhe!, sie sind bei guter Knöchelstütze extrem leicht und haben mit der Gummisohle guten Grip. Ab dem dritten Tag fühlte es sich wie ein Barfußschuh an, der Fuß kann darin weich abrollen.

Quartier nahmen wir in Stefans und Nadines Stammhotel „Grabovac“, das zum Nationalpark gehört. Es ist ein sehr ordentliches Haus mit großen Zimmern und Frühstück ab 7.00 Uhr, was das Fotografenherz erfreut. Früher hatte ich auf dem Korana-Campingplatz übernachtet, wo ich mir den unverzichtbaren Morgenkaffee zu jeder Uhrzeit machen konnte. Aber Mitte Oktober ist eine Frühstückszeit um 7.00 Uhr in Ordnung, denn die Morgensonne kommt jetzt erst spät über die Berge.

Im Hotel Grabovac wird das NP-Eintrittsticket (110 Kuna) ab dem zweiten Tag für jeden weiteren Aufenthaltstag verlängert; auf dem Korana-CP muss man ein 2-Tages-Ticket (180 Kuna) kaufen, das ab dem dritten Aufenthaltstag verlängert wird. Der Tagespreis für’s Parken beträgt unverändert 70 Kuna. Im Gegensatz zu meinen ersten Aufenthalten wurden die Tickets dieses mal auch kontrolliert. Regelmäßig auf dem Boot von P2 nach P3, aber auch durch patroullierende Ranger.
Kurios war die Tatsache, dass nur das Headquarter sieben Übernachtungen am Stück im Voraus einbuchen kann, das Hotel nicht. Sie sind täglich wechselnde Gäste gewohnt. Wer zwei Tage bleibt, fällt schon auf :-)

Warum nun kommen wir das dritte Mal innerhalb kurzer Zeit hierher und was machen wir all die Tage? Spontanantwort auf die erste Frage: Weil der Zugang in den Korana-Canyon erstmals nach dem Krieg wiedereröffnet wurde. Niemand freue sich allerdings zu früh, denn er ist bereits wieder verschlossen, woraus uns viel Verdruss und Stress erwuchs, doch dazu später.
Die zweite Frage wird sicher niemand stellen, der sich mit Naturfotografie beschäftigt. Sehenswürdigkeiten nimmt das Auge „japanisch“ schnell auf. Um hinter ihren Charakter und ihre Geheimnisse zu kommen, braucht es ein paar Sinne mehr. Und vor allem Zeit! Schließlich und endlich sind sieben Tage sieben Tagesanbrüche mit wunderbaren Morgenstimmungen, die an jeder Stelle des Parks differieren und sich immer wieder neu erfinden.

Es ist grandios, eine Woche Zeit für diese einzigartige, Märchenlandschaft zu haben und sich dort aufhalten zu dürfen.

Je öfter man dort ist, um so mehr Details entdeckt man – das ist wegen seiner Unendlichkeit sehr spannend.

Plitvice National Park Wasserfall

Magischer Platz am Zusammenfluss der Plitvicer Seenlandschaft und des Flusses Plitvice

Plitvice National Park Wasserfall und Baum

Einsamer Baum vor dem Galovac-Wasserfall

Wer nur auf einen kurzen Ausflug hierher kommt, ist in der Regel überfordert, all dies wahrzunehmen. Jeden Tag waren wir zehn Stunden draußen, kehrten erst bei Dunkelheit ins Hotel zurück.
Ein Tipp: Wem der Trubel mit den Busgruppen zu viel wird, für den gibt es in jedem Bereich ruhige Wege ins Hinterland, wo man kaum einen Menschen antrifft, wo man durchschnaufen kann.

Plitvice National Park Wasserfall

Nur wenige Minuten abseits vom Hauptweg hatte ich diesen schönen Blick auf den Galovac-Wasserfall zwei Stunden für mich allein.

Merklich getrübt wurde unser Aufenthalt leider durch eine deutlich zu spürende, hoffentlich temporäre Missstimmung im Park, die ich so bisher nicht kannte. Hängende Mundwinkel anstelle eines freundlichen „Dobro jutro“ und vor allem ein permanentes „that is forbidden“.

Unangenehme Erinnerungen an alte DDR-Zeiten kamen hoch und irgendwann meinte ich, dass es mein letztes Mal hier wäre.

Böse Überraschung bei der Anreise: Der neu errichtete Weg ins Korana-Tal war wieder abgesperrt. Zunächst mit einem einfachen Band. War die 700km-Anreise umsonst?

Nationalpark Plitvicer Seen

Am 17. Oktober wechselte man das Sperrband gegen diesen stabilen Zaun aus. Da wurde uns klar, was uns niemand konkret sagen konnte: die Sperrzeit wird länger dauern …

National Park Plitvice

Für den Preis als unhöflichste Parkmitarbeiterin schlagen wir eine Rangerin vor, die offenbar den ungeliebten Job hat, angemeldeten unwissenden Fotografen interessante Locations zu zeigen.

Wir trafen jeden Tag auf das verhärmte Gesicht der Rothaarigen, deren Augen suchend zuverlässig das Haar in der Suppe fanden. Das unangenehmste Erlebnis mit ihr hatten wir, als sie mit einigen russischen Gästen plötzlich vor uns stand, während wir unten im Korana-Canyon fotografierten, und wo sie eine Erlaubnis des Kulturministeriums (ups, ich dachte, der Park untersteht inzwischen dem Umweltministerium) sehen wollte, weil das Gebiet „not allowed“ sei.

Sie gab keine weiteren Erklärungen ab, auch nicht, warum die vier Russen da unten sein durften, bei denen es sich augenscheinlich um ganz normale Touristen handelte, nicht um Forscher oder etwa ein Kamerateam.

Auf die Bitte von Nadine, nur noch eine Aufnahme zu Ende zu bringen, antwortete sie mit einer „zweiten Verwarnung“. Da wir es nicht besser wussten, packten wir frustriert die Sachen und zogen ab. Vorübergehend! Denn was nicht ordentlich erklärt wird, ist Willkür. Und Willkür macht erfinderisch.

Plitvice National Park Wasserfall

Hier war unsere Welt noch in Ordnung. Wir hatten uns früh und vorsichtig nach unten in den Canyon begeben und begeistert den neuen Weg mit seinen unbekannten Schönheiten erforscht.

Plitvice National Park Höhle

Später erhielten wir von anderen Rangern sowie bei der Tourist Information die Auskunft, dass wir ohne Weiteres auf eigene Verantwortung in den Canyon könnten.

Eine sachkundige Auskunft über Sperrgründe oder einen geplanten Termin für die Wieder-Wiedereröffnung konnten wir freilich nirgends erhalten. Das Personal ist nicht informiert oder soll nichts sagen.

Zu vermuten ist, dass der Steinabbruch am Hangweg unter Ulaz-1 mit ursächlich ist; man muss in der Tat achtsam sein oder den freien Zugang von der Straße über die Winnetou-Höhle wählen. Es bleibt mir aber schleierhaft, warum die relativ kleine Schadensstelle über Monate hinweg nicht beseitigt wird, denn ansonsten ist der Weg bis zur Winnetou-Höhle sehr schön hergestellt, vor allem die Wendeltreppe in ihrem feinen, jugendstilähnlichen Design.

Treppendetail im Koranatal Plitvice

Plitvice National Park Wasserfall

Was also verursacht im Nationalpark Plitvicer Seen derzeit so schlechte Laune , wo sie heuer doch mit einem Besucherzuwachs von 18 % rechnen?

Das Feuer Ende April, bei dem das Traditionsrestaurant „Licka kuca“ zerstört wurde, löste sicherlich einen Schreckensmoment aus, aber wohl kaum einen so nachhaltigen.

Ich erschrak jetzt im Nachhinein auch, denn ich war an dem Tag ja gerade da, hatte aber nichts mehr mitbekommen. Wollte eigentlich ganz früh in den Park, bevor ich nach Hause abreiste. Weil in der Nacht aber ein paar junge Polen auf dem Korana-Campingplatz Remmidemmi gemacht hatten, war ich zu müde zum Fotografieren und fuhr gleich gen Norden zurück. Ansonsten hätte höchstwahrscheinlich ICH anstelle des Brötchen-Lieferanten als Erste vor dem Feuer am Parkplatz 1 gestanden.