Über Garas und Bagatelle zurück nach Windhoek – Abenteuer Namibia Teil 8 – Reiseabschluss.

Nicht zu fassen: Es ist Karfreitag, 18. April. Wir sind nun nahezu vier Wochen im südlichen Afrika unterwegs: mit einem nördlichen Halbbogen von Windhoek aus, dann im Westen südwärts mit einigen Abstechern ins Landesinnere.
Immer weiter nach Süden, wo uns schließlich ein Hochwasser führender Grenzfluss die Weiterfahrt nach Südafrika versperrte. Dafür weit nach Osten in die Kalahari – Südafrika und Botswana.

So viel haben wir gesehen! So viele Menschen kennengelernt. So viele Vorurteile habe ich über Bord geworfen, aber mindest ebenso viele neue Fragen nehme ich mit heim.

Rooiputs Lodge-4

Schweren Herzens verabschiedete ich mich von den Tieren des Kalahari Nationalparks. Auch zu den Menschen in der Rooiputs Lodge war in den drei Aufenthaltstagen eine herzliche Beziehung entstanden. Doch immerhin hatten wir insgesamt fünf Tage im Park verbracht – das waren angesichts der ansonsten äußerst straffen Reiseroute fast schon „normale“ Ferien.

Einen Tag hätten wir noch hier bleiben können, andererseits wollte ich aufgrund der Kalamitäten mit dem Auto nicht erst auf den letzten Drücker nach Namibia zurück. Zwar war der gelb signalisierte Motorschaden ausgeblieben und auch die Lichtmaschine funktionierte trotz des inzwischen tief roten Warnsignals anstandslos. Ich lernte von Stefan, wie man die Ladefunktion kontrolliert, und erledigte dies regelmäßig. Trotzdem blieb es Tag für Tag spannend, ob der Wagen durchhalten würde, und man wusste ja auch nicht, was die Grenzer sich wieder einfallen lassen.

Überraschender Weise verlief die Rückkehr nach Namibia über Mata Mata reibungslos, wenngleich gewohnt zeitaufwändig. Immer dieselben Fragen und manche sind wirklich nervtötend. Zum Beispiel die, warum man nach Namibia einreisen will. Ja Herrgottchen… weil ein Tourist eben irgendwann wieder zu seinem Flieger und vorher den namibischen Mietwagen abgeben muss. Der vorgelegte Reisepass zeigt schließlich nur noch drei Tage Visum an, von einer namibischen Behörde ordentlich so eingetragen!
Ich gebe aber zu, dass ich aufgrund meiner DDR-Vergangenheit bei diesen Dingen schneller gereizt bin als andere. Für die südafrikanisch-namibische Familie, mit der ich im Grenzbüro ins Gespräch kam, war das Gebaren völlig normal, die Verwandten pendeln ständig hin und her über die Grenze, ohne einen Vorzug in der Bürokratie zu genießen.

Wie üblich wurden wir aufgrund des vielen Holzes ermahnt. Wir hatten in den Lodges ja keines benötigt – aber sich davon zu trennen, fällt halt schwer. Interessant war aber unterm Strich, dass wir den Holzvorrat, obwohl gut sichtbar und obwohl es an den Grenzen ziemlich ungemütlich zugeht, immer und überall durchbrachten. Letztlich hat es sich bewährt, immer ernst zu nicken: „Jawohl, es ist nicht erlaubt“, dann höflich zu erklären, warum man das Holz braucht und ebenso höflich wie untätig abzuwarten, ob der Befehl zum Abladen kommt oder zum Weiterfahren.

Von Mata Mata ging es schnurstracks zur Garas Campsite bei Keetmanshoop. Stefan und Nadine wollten noch einmal zum Köcherbaumwald.
Ich wollte da NICHT hin, hatten die beiden doch erzählt, wir würden dort nah an Stadt und Hauptstraße campen, und mir war Keetmanshoop von unserem jüngsten Versorgungsstopp als etwas unruhig in Erinnerung. Außerdem waren Stefan und Nadine früher hier regelmäßig die einzigen Gäste gewesen. So grummelte ich während der Fahrt ständig vor mich hin… nach dem Motto: Nun werden wir noch am vorletzten Tag unserer Reise Furchtbares erleben… kein Auge werde ich zukriegen in dieser Nacht… ich will nach Hause! Und überhaupt, was für eine Einöde rechts und links…

Auf der Campsite angekommen, musste ich spontan lachen, denn alle Befürchtungen waren wieder einmal vollständiger Quatsch gewesen. So musste es sein, denn niemand steckt derart viel Liebe fürs Detail in einen Platz, wenn er öfters Opfer von Räubern wird! Außerdem gab es genügend Wächter… so kunterbunt, als wäre Pippi Langstrumpf gerade mal kurz um die Ecke und käme gleich zu ihren Freunden zurück.

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Direkt von der Campsite aus kann man weit in den Köcherbaumwald wandern, es ist eine sehr ansprechende Anlage.

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Stefan wählte den abgelegensten Platz, denn „heute will ich ein seeeehr großes Feuer machen.“ Osterfeuer sozusagen. Es wurden dann zwei: eines loderte bis zu den Sternen und eines wurde für das Abschiedsgrillen klein gehalten.
Wir suchten die Lebensmittel für das letzte Abendessen zusammen und übergaben alles Übrige an ein Ehepaar, welches auf dem Weg in Namibias armen Norden war und die Sachen am nächsten Tag zu den Einheimischen mitnehmen würde. Für den letzten Tag auf Bagatelle hatten wir Abendessen gebucht; wir brauchten also nur noch Kleinigkeiten für die Tagesverpflegung.

Kurzbeschreibung Garas Restcamp: Ideales Zwischenquartier auf dem Weg in die verschiedenen Richtungen. Für mehr als eine Übernachtung gibt die Lage vielleicht etwas wenig her, auch wenn der Köcherbaumwald attraktiv ist. So preiswert wie in Rosh Pinah, allerdings ähnlich zurückhaltend im Komfort – immerhin Wasser, Toilette mit Spülung und eine Art Dusche vorhanden. Ein junger Mann mit einem Hund passt auf und kassiert das Geld, wenn die Chefin nicht da ist. Kleine Einkaufsmöglichkeit auf der Campsite.

Nicht allzu früh machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Bagatelle, einer sehr beliebten Ranch auf dem Weg zurück nach Windhoek. Dieser Tag würde Packtag sein, denn um unser aufwändiges Equipment wieder reisefertig zu machen, würde die Zeit am Abflugtag nicht ausreichen. Den Sundowner zu den Geparden auf Bagatelle freilich wollten wir gerne mitnehmen. Außerdem freuten wir uns auf die vielfach gerühmte hervorragende Küche auf der Farm.

Um das Packen vor der Rückreise möglichst effizient hinter sich zu bringen und dabei auch das Gepäck-Wunschgewicht einzuhalten, hat es sich übrigens bewährt, die einzelnen „Packschichten“ zu Hause zu fotografieren und die Bilder mitzunehmen. Die aufgeklebten Inhaltsverzeichnisse haben die 4-Wochen-Reise ohne Probleme überstanden; sicherheitshalber hatte ich alles noch einmal in Word-Dateien geschrieben, was den Zusatzvorteil bringt, dass ich die Listen beim nächsten Mal schon habe und sie nur anpassen muss.

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Die kleinen Plastik-Kästen habe ich auf Fototouren, bei denen ich mit dem Auto unterwegs bin, immer dabei. Sie passen prima hinter die vorderen Autositze, man kann sie für sicheres Fahren auch gut einklemmen. In Afrika oder auch in Island, wo viel Piste gefahren wird, sind die Inhalte prima vor Staub geschützt. Verschiedene Farben erleichtern das schnelle Auffinden, wenn man „aus dem Auto“ lebt.
Auf dieser Reise hatte ich die Kisten etwas zu sehr „Flug-optimiert“ gepackt, dadurch war der Inhalt teilweise gemischt. Es ist besser, den Inhalt „Auto-optimiert“ zu packen, denn die Reise im Auto dauert ja viel länger als der Flug und es war ein bisschen lästig, wenn man in die Akkukiste griff und erst Trillerpfeife und Kompass beiseite räumen musste. Das lässt sich noch optimieren!

Immerhin, das Packen für den Rückflug war dann eine relativ entspannte Sache: alles wieder in die gekennzeichneten Kisten, ein bisschen Füllmaterial um die Ränder herum, eine Schaumstofflage obendrauf und fertig! Schon beim ersten Nachwiegen wogen die 80-l-Alukiste und Reisetasche wieder jeweils 23 Kilo – wie es sein sollte.
Ich kann außerdem jedem nur empfehlen, separate TSA-Schlösser an der Alukiste zu benutzen und nicht die serienmäßigen NICHT-TSA-Einbauschlösser. Wenn die Zöllner sich fernab von dir einbilden, „dieses Stück will ich jetzt aber von innen sehen“, machen sie das Schloss auf jeden Fall auf! Bei NICHT-TSA-Schlössern bedeutet dies das Ende der Verschlussmöglichkeit. Keine schöne Aussicht, wenn sich im Gepäckstück kostbares Material befindet – bei mir u. a. LEE- und Singh-Ray-Filter im Wert von weit über 1.000 Euro. Zwar würde die Versicherung den Schaden zahlen, aber auf Lee-Filter-Nachschub darf man dann wieder fast ein Jahr warten!
Ich habe also zwei TSA-Zahlenschlösser angehängt und mit je einem Klebestreifen fixiert. Das hat gehalten wie UHU-Sekundenkleber :-)

Zum Schluss noch Zurrgurte um Kiste und Reisetasche herum – und fertig ist alles für den Flug.

So waren wir denn auch pünktlich zur Sundowner-Fahrt fertig und freuten uns auf die vorerst letzte Begegnung mit den Wildkatzen.

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Geparden auf Bagatelle

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Kurzbeschreibung Bagatelle Ranch (Lodge und Campsite): Kein Zweifel: Auf Bagatelle werden Erwartungen kaum enttäuscht, die dort gebotene Perfektion, angefangen bei der touristischen Infrastruktur über das äußerst gepflegt auftretende Personal bis hin zum Event-Dinner mit tatsächlich exzellenter Küche und San-Tänzen als glänzendem Abschluss – es fällt einem wenig ein, das man verbessern könnte. Vielleicht ist es aber genau diese glatte, leider etwas unpersönliche Perfektion, die mich in keiner Weise berühren konnte. Jeder Angestellte strahlt dich an: „Kann ich noch irgendwas tun, damit du glücklich bist?“ Und du hast dabei das Gefühl, dass er alles tun wird, dass es ihn aber herzlich gar nicht interessiert – er tut seinen Job, das immerhin macht er (fast) perfekt.

Wer mehr nicht erwartet, ist auf Bagatelle bestens aufgehoben. Eine durch Persönlichkeit geprägte Atmosphäre, wie wir sie in so vielen anderen Lodges vorgefunden hatten, sollten wir auf Bagatelle freilich vermissen. Sundowner-Fahrt etwas zu flott, auch was manche Sprüche der Angestellten betrifft – kam bei den jungen Frauen gut an – kein Wunder bei den gut aussehenden Männern :-)
Die Gepardenfütterung war ein klein bisschen lieblos, was die Stopps betrifft. Das hatten wir in Otjitotongwe besser erlebt.

So war es ein erlebnisreicher und durchaus schöner Abschiedsabend, der dabei aber schon reichlich Platz ließ für Freude auf das Nachhausefahren.

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Am nächsten Morgen startete ich sehr frühzeitig Richtung Windhoek, während die jungen Leute noch an der Sonnenaufgangstour teilnahmen. Mir war es lieber, für die letzten 300 Kilometer etwas Muße zu haben – schließlich war es ja auch Ostersonntag.

Auf Bagatelle

Der letzte Sonnenaufgang auf unserer Namibia-Reise

Ostersonntag-Morgen auf Bagatelle

Ostersonntag-Morgen auf Bagatelle

Durch das bewachte Ranch-Tor ging es auf die Zubringer-Piste Richtung Mariental. Hier hatten am vergangenen Tag an zwei Stellen PKWs gestanden, jeweils mit geöffneter Motorhaube und einigen Männern daneben. Jetzt am frühen Morgen war ich völlig allein auf dieser Strecke – was für eine friedliche Ruhe. Bald war ich in Mariental und kurz darauf hatten Stefan und Nadine mich wie erwartet auch schon eingeholt. Von nun an ging es wieder einen Gang schneller.

Unterwegs auf den Rastplätzen sahen wir überall namibische Familien, die heute offenbar auf Osterausflug waren. Je näher wir an Windhoek kamen, um so gebirgiger wurde es – die Landeshauptstadt liegt über 1.600 m hoch und ist imposant von Gebirgszügen umringt. Auch stießen wir in der Nähe von Windhoek wieder vermehrt auf Tiere, insbesondere auf Paviane, die allerdings zu spät kamen, wenn sie noch etwas von unseren Essensresten abbekommen wollten.

Ohne Probleme erreichten wir die Niederlassung unseres Autovermieters, der die Toyotas kaum in Augenschein nahm. Wahrscheinlich geht Hubert Hester in seiner wunderbaren Aufrichtigkeit davon aus, dass man ihm schon sagt, wenn man einen Schaden angerichtet hat. Meinen Schlüssel nahm er entgegen, während Stefan den seinen behalten sollte: Der Taxifahrer, der uns zum Flughafen fahren sollte, war nicht erreichbar. „Wahrscheinlich in der Kirche. Nehmt den Wagen, fahrt damit selbst raus und stellt den Hilux am Airport ab.“

Na klar, wir brachten zwar ein Fahrzeug mit einem nahezu leeren Tank zurück, aber die 45 km bis nach Hosea Kutako Airport, immer schön die Berge rauf, und mit voller Beladung wird es schon noch rollen. So bekamen wir noch einen Abschieds-Nervenkitzel mit auf die Heimreise und wenn dann schließlich alles gutgegangen ist, muss man ja auch schon wieder schmunzeln über all dies „That’s Africa“. Und seien wir ehrlich: wir wollen es dort doch gar nicht anders haben.
Eine grausame Vorstellung, Afrika könne eines Tages so glattgebügelt sein wie unsere heimatlichen Gefilde. Wo Improvisation und Zusammenhelfen nicht mehr Alltagsnotwendigkeit ist, sondern in Coachings teuer erlernt werden muss.

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Nach einem Kurzflug bis Johannesburg und einem langen, durchaus entspannten Nachtflug – wieder mit SAA – erreichten wir am nächsten Morgen super pünktlich München. Tags darauf würde ich meine Kollegen beruhigen können: Ich bin noch ein bisschen müde, indes gesund und voller Eindrücke aus dem spannenden Afrika zurück.