Musiksommer 2017 HebCelt Festival

Zum Hebridean Celtic Festival in Stornoway ganz weit draußen im Atlantik auf der Insel Lewis bin ich in diesem Jahr zum zweiten Mal gefahren.

2016 verpasste ich beim Rumbummeln am But of Lewis den Einzug der Lewis Pipe Band und damit die offizielle Eröffnung. Damals versprach ich: „Nun muss ich noch mal herkommen.“ Sein Wort muss man halten.

Der Rest der Wahrheit ist: Ich habe die Äußeren Hebriden so lieb gewonnen, dass ich mich sehr gerne und wenn es nach mir ginge, zu jeder Zeit dort aufhalte. Kaum noch vorstellbar, dass ich im Jahr 2010 die Inselgruppe fast fluchtartig vorzeitig verlassen habe, weil ich mich in Sturm und Leere wie ausgesetzt fühlte.

Vermutlich wäre ich nie wieder hingefahren, wenn es 2016 nicht geheißen hätte: Runrig spielt beim HebCelt Festival. Diese Nachricht, zusammen mit der Kenntnis des guten Rufs dieser Veranstaltung, brachte mich wieder auf die Insel und siehe da: Ich bekam einen völlig neuen Zugang. Wie eine Tür, die sich plötzlich öffnet.

Wenn man nicht im Flieger den kleinen Flughafen in Stornoway ansteuert, kann man sich von Caledonian MacBrayne Clyde & Hebridean Ferries (CalMac) in drei Stunden entweder von Ullapool nach Stornoway oder von Uig auf der Isle of Skye nach Tarbert/Harris fahren lassen. Von Tarbert ist es dann nur eine Stunde bis Stornoway.

Zu Festivalzeiten und wenn man dann noch ein Auto dabei hat, sollte man besser reservieren. Am Mittwoch, dem kleinen Festivalauftakt, war die  Fähre jedenfalls voll, als wir gen Westen starteten.

Noch ein letzter Blick zurück auf das kleine Ullapool und die nette Campsite am Hafen, auf der ich die letzte Nacht verbracht hatte. Übrigens für 10 Pfund, mit mindestens so schöner Lage und eindeutig mehr Komfort als in Inverness.

Gegen 13 Uhr erreichten wir Stornoway und es war wie Heimkommen. By the way: staunt mit mir über das tolle Wetter!

Festivalbändchen geholt und nach einem ersten Bummel durch’s geschmückte Städtchen Einchecken im Lathamor Guesthouse, wo ich mich die nächsten vier Tage sehr wohlfühlen und beim Frühstück interessierte wie interessante Menschen kennenlernen sollte.

Sie machen jedes Jahr so hübsche Eintrittsbänder. Das goldene ist aus 2016.

Wieder haben viele Geschäfte ihre Schaufenster fantasievoll anlassbezogen gestaltet. Achtung Spoiler: Auch das Fenster ganz am Schluss des Beitrags gehört dazu :-)

Ups…,  ist die Fischerin auf’s Fahrrad gekommen?

Wer entdeckt den Besucher?

Schade, ein so großes Eintrittsband, dass es um seine Flosse reichen würde, haben sie nicht da.

Am Donnerstag dann offizieller Beginn und selbstverständlich war ich dieses Mal pünktlich am Platz, um den fröhlichen Einzug der Pipe Band von der Stadt aus bis zum Festivalgelände unterhalb der Festung zu begleiten.

Ausrüstung

Als Kamera hatte ich die kleine Sony a6000 inkl. Sigma 19mm f2,8 DN eingepackt, die wie immer einen tollen Job machte. Für mehr Brennweite und parallele schnelle, kurze Videosequenzen trug ich das Samsung S8 in der Tasche. Das war theoretisch gut gedacht, aber zu Hause am Monitor zeigten sich dann doch deutlich die Zoom-Schwächen des Samsungs und ich würde das nächste Mal ein zweites Objektiv mit mehr Brennweite für die Sony mitnehmen.

Blöd nur, dass es da nichts Kleines gibt. Soviel ich das Systemkamera-Forum verfolge (und sie (be)schreiben dort wirklich alles und dies oft), kann ich nichts entdecken, was man bei den heutigen Sicherheitsbestimmungen auf Konzerte mitnehmen könnte und das zugleich Lichtstärke als auch den nötigen Zoom-Faktor bietet. Sony legt im APS-C-Sektor bisher wenig nach; die Vollformatobjektive sind wieder groß.

Mal sehen, was kommt, wenn Nikon sein Versprechen wahr macht und eine Spiegellose zeigt.

Lewis Pipe Band

Hier ein kleiner Video-Zusammenschnitt. Sorry, ich mache das dieser Tage zum ersten Mal…

Stargast des ersten Abends war zweifellos Dougie MacLean, eine der ganz großen Leitfiguren der schottischen Folkszene, von dessen zahllosen Liedern besonders „Caledonia“ internationalen Ruf errungen hat und von vielen anderen Künstlern gecovert wurde. Seine Lieder gehören zum Feinsinnigsten und Anrührendsten, was ich kenne.

Der Sänger brauchte weder Bühnenshow noch Background und brachte doch spielend das Publikum im gut gefüllten großen Zelt zum gemeinsamen Singen.

Dougie MacLean

Leider überschnitten sich der Auftritt des Grandseigneurs zeitlich mit dem der jungen Band Tide Lines, die sich im Sommer des letzten Jahres zusammengefunden hat, erst wenige Wochen vor dem Festival ihr erstes Album veröffentlichte und dennoch bereits in vieler Munde ist.

In  Deutschland werden sie ihr Debüt 2018 beim Folk Festival in Poyenberg haben, dennoch ist der erstaunliche Hype bereits über den Kanal geschwappt und hat einen Fanclub wachsen lassen. Und vielleicht nicht von ungefähr schallte aus dem HebCelt-Center, wo im vergangenen Jahr Runrig ertönte, dieses Mal die Musik von Tide Lines, als ich ankam.

Als Bewunderin der offenbar mit großer Ernsthaftigkeit gepflegten Musikalität des gälisch-sprachigen Leadsängers Robert Robertson sowie seiner sehr speziellen Stimme war ich höchst gespannt auf das, was die Band live abliefern würde und musste deshalb zeitig die Bühne wechseln. Das war ein Wermutstropfen an diesem wunderbaren Tag.

Aber im Zelt der Acoustic Stage ist nicht so viel Platz und sehen möchte man den hübschen Robert ja dann doch -:)

Neben mir eine Reihe von Mädchen im Alter von 10 bis 15 und ich kam mir wie ihre Grandma vor. Nun ja, man muss das Nette an jeder Situation finden. Und die Begeisterung der jungen Leute war wirklich herzerfrischend. Ein Blick nach hinten beruhigte mich: Es waren auch ein paar Oide wie ich da.

Die Band schien mir selbst ein wenig überrascht von dem frenetischen Jubel gewesen zu sein, was ich sympathisch fand. Sie schenkten uns eine wundervolle Party-Stunde. Ein bisschen klingt es noch nach der Band Skipinnish, von wo Robertson und Wilson herkommen, rockiger halt – nun, die Leute mögen es.

Ich hoffe, die vier Musiker werden ihren eigenen Weg weiter profilieren. Da ist enorm viel Talent, welchem man von Herzen die genügende Zeit zum Reifen wünscht.

Tide Lines

Robert Robertson

Den ersten Abend beschlossen auf furiose Weise die Peatbog Faeries von der Isle of Skye. Da kam traditionelle schottische Musik mit Ansätzen von Jazz, Hip Hop und Reggae daher und das Zelt wackelte über dem tanzenden Publikum.

Die Peatbog Faeries am Donnerstag und die Waterboys am Samstag waren fantastische Headliners, während ich mir bei Imelda May am Freitag… sorry, sorry… doch ein bisschen verkehrt vorkam. Aber das ist wohl wieder so eine Gender-Kiste :-). Jim, mein liebenswerter Frühstückspartner im Latharmor, jedenfalls war hellauf begeistert!

Das Faszinierende am HebCelt sind für mich eh‘ weniger die Stars, die man ja meist kennt und anderswo bei eigenen, längeren Konzerten erleben kann, sondern die mannigfaltigen edlen Überraschungsperlen und die ganz jungen Talente. Das kann Stornoway um einiges besser als ähnliche Veranstaltungen.

Zu diesen Perlen zählten für mich in diesem Jahr:

  • Der sensible, hoch begabte Geiger Ryan Young – hier mit dem Gitarristen Pablo Lafuente

 

  • Die Folk Award-Preisträgerin Brighde Chaimbeul an ihrem Pipe-Instrument

Brighde Chaimbeul

 

  • Wenn exzellente Musiker hochdekorierter Bands wie Mànran, RURA, Talisk and Barrule zusammenkommen, erleben wir Imar und mögen weinen, weil es so schön ist! Jeder Einzelne ist umwerfend gut, aber ein bisschen ist mein Favorit der Adam Brown (links), wenn er die Bodhrán in die Hand nimmt, weil ich das Instrument so liebe und er es göttlich spielt.

IMAR

 

  • „Anogeissus leiocarpa is a highly esteemed and respected holy tree, named ‘Siiga’, meaning ‘the soul'“ (Zitat Künstler-Website). So besonders wie seine Namenswahl ist auch die Kunst von Richard Macintyre. Weit, weit weg vom Mainstram…, so reich wie die Machairs. Wunderbar für jene, die hören wollen.

Siiega

 

  • Wer erschaffen will, muss zunächst zerstören, könnte das Credo von LAU sein. Und in der Tat hoffte ich sehr, dass Martin Green da gerade weiß, was er tut, um gleich darauf wie gebannt von den aussergewöhnlichen Klangwelten zu sein. Wer die Augen schließt, glaubt niemals, dass sie von lediglich drei Musikern geschaffen werden.

Martin Green von LAU

LAU

 

  • Eigentlich müßte ich noch viele erwähnen, aber das würde endlos werden und langweilig. So habe ich mir für die Auswahl die Frage gestellt: „Zu wem würdest du morgen erneut zum Konzert gehen?“ Und da möchte ich last but not least die Lucy „Rampensau“ Spraggan nennen. Sie ist keine Maria Callas – na jedenfalls nicht ganz -:) -, hat mich aber herzlich zum Lachen und in Bestlaune gebracht – die Geschichten erzählende Ulknudel wickelt ihr Publikum mit Leichtigkeit um die Gitarrenfinger.

 

Zum Schluss nun noch ein paar Festivalimpressionen einfach in Bildern.

Katee Kross im kleinen Zelt, in dem es auch die „spezielleren“ Getränke gab

Dejavu – die Zwillinge sind wieder da :-)

Essen man man auf dem Gelände hervorragend. Ich liebte den Fischsuppentopf.

Schafft besondere Atmosphäre: die angestrahlte Festung

Ja und dann war es aus… einfach so und gefühlt viiiiiel zu schnell. Nein, da tröstete auch der mitreißende Auftritt der Waterboys kein bisschen. Wir wollten MEHR.

Tja, das kann anstrengend werden im nächsten Jahr und ich habe auch noch keine Ahnung, wie sich das zeitlich ausgehen soll. Auf jeden Fall müsste es ein Flug werden.

Aber träumen wird man ja dürfen, oder?

Dreaming… HebCelt Festival 2018