Der diesjährige Sommer war für mich mehr noch als in den Vorjahren bestimmt durch herausragende musikalische Highlights.

Das wird sich in den nächsten Jahren aus verschiedenen Gründen so kaum wiederholen – umso mehr bin ich glücklich und dankbar, dass noch einmal vieles wunderbar zusammen kam:  großartige Künstler, eine friedfertige Atmosphäre ohne Störungen, liebenswerte Menschen und fantastisches Wetter.

Über den wahr gewordenen Traum, das Reunion- Konzert von Guns N‘ Roses, habe ich ja bereits berichtet.

Die Trommelfelle hatten sich noch nicht ganz erholt, da standen bereits drei Tage Blacksheep-Festival 2017 in Bonfeld an.

Dazu gibt es in diesem Jahr keinen separaten Bericht von mir. Der Veranstalter hatte erstmals dezitiert Einschränkungen zur Benutzung professioneller Kameras verfügt und auf die eigenen Fotografen und deren Bilder verwiesen. Ja, ich war darüber etwas traurig, denn Bonfeld bedeutete für mich bisher ungezwungene Nähe zu den Künstlern und das schloss für mich als Fotografin halt auch ein, meine Fotos für meine Erzählungen mitzubringen. Schöne Fotos, keine vom Handy. Nun möchte man dort einen etwas formelleren Weg gehen.

Ich verweise Interessenten deshalb ebenfalls auf die Berichterstattungen und die Fotos, die man auf der Webseite des Veranstalters finden kann und beschränkte mich während der drei Tage ganz bewusst auf das bloße Genießen guter Musik und das Feiern mit Freunden. „Wenn das Line-Up gerade nix Dolles bietet, haben wir doch immer noch unser Lagerleben“, meinte ein Bekannter und recht hat er.

Manche von uns kennen sich inzwischen so gut, und dass wir schon überlegen, mit unserem Lager umzuziehen, sollte das Line-Up 2018 uns nicht umhau’n.

Dieses Jahr waren David Knopfler am Donnerstag und die Band Nazareth am Samstag meine Favoriten. Allein schon wegen David, Mitbegründer der ehemaligen Dire Straits, inzwischen viele Jahre Solist, wäre ich angereist. Seine unaufgeregte Art, fern jeder Eitelkeit wirkt auf mich höchst authentisch und berührend.

Die Rocker von Nazareth liebe ich für ihre Verrücktheit und ihre Energie.

Auch mit den Finnen von Steve`n`Seagulls, die am Freitag auftraten, hatte ich riesigen musikalischen Spaß und war damit nicht allein. Die Band kommt dieses Jahr noch nach München und da werde ich wieder dabei sein.

Schau’n wir nun mal, wer für Juni 2018 in Bonfeld verpflichtet wird. Exzellente Künstler gäbe es ja genügend, davon konnte ich mich im Juli spätestens beim Hebridean Celtic Festival in Stornoway überzeugen, wo ich zum zweiten Mal war (Bericht folgt in Teil 2).

Auf dem langen, langen Weg dorthin bot es sich an, einen Stopp in Stuttgart einzulegen, wo es bei den diesjährigen Jazzopen einen Konzertabend mit gleich drei großen Stars gab: Beth Hart, die ich bereits in München in Bestform erleben durfte, Steve Winwood und Buddy Guy.

Als mein Freund Bernhard vor vielen Monaten davon erzählte und dabei meinte, da sei ich gerade auf dem Weg nach Schottland, hatte ich fünf Minuten später die Karte trotzdem gekauft – diese Gelegenheit kommt nicht 2x, zumal der ehrwürdige Buddy Guy die 80 bereits überschritten hat.

Zimmer in Stuttgart-Feuerbach bestellt und ab ging’s am Freitagmittag gleich nach der Arbeit. Auto für Schottland war Donnerstag fertig gepackt.

Nach einer kurzen „Schreck-Husche“ nass von oben bekamen wir mit köstlichstem Wetter den passenden Rahmen für einen genialen Abend. Auch angenehm: Wie entspannt eine größere Veranstaltung in Deutschland immer noch organisiert werden kann.

< 3 Bilder im Zuge der DSGVO gelöscht >

Beth Hart hatte den undankbaren Part des Konzertauftakts – zu einer Stunde, als die Sonne ihr noch erbarmungslos ins Gesicht brannte. Das war für sie doppelt suboptimal: zum einen der Hitze und Blendung wegen, zum anderen, weil ihre Blues-Lieder wirklich nach anderem Licht „schreien“ als nach gleißender Sonne.

Doch so, wie sie in München über bühnentechnische Aussetzer spielerisch hinweggesungen hatte, zeigte sie sich auch in Stuttgart unbeeindruckt von solchen Unannehmlichkeiten. Lieferte mitreißend ab, wobei sie für mich nicht 100%-ig zu dem souveränen Selbstverständnis fand, mit dem ich sie in München kennengelernt hatte. Bei ihren wiederholten überschwenglichen Dankesworten  war ich versucht, ihr zuzurufen, dass doch eher wir es wären, die Grund zur Dankbarkeit hätten.

 

Nach Pause und erstklassigem Weingenuss auf der Wiese dann Steve Winwood, den ich bis dato gar nicht kannte. Liebe auf den ersten Blick also, denn der Mann holte mich mit den ersten Tönen ab und ließ mich nicht mehr los.

Das ist nun einer, der ganz offenbar zutiefst in sich ruht. Und im Bewusstsein seiner Musikalität in jeder Beziehung, egal ob im Gesang, am Tasteninstrument oder an der Gitarre.

Sein Programmteil war wunderbar rund, verbreitete lateinamerikanisch angehauchte Partystimmung und begeisterte mich am meisten. Ich bin nun klar ein Winwood-Fan.

< 2 Bilder im Zuge der DSGVO gelöscht >

 

Buddy Guy, dem Blues-Gitarristen, der bei den Besten aller Zeiten sehr weit vorne aufgeführt wird, muss man einfach Ehrfurcht entgegenbringen, meine Bewunderung für ihn ist riesig. Andererseits habe ich noch niemals einen so betagten Musiker auf der Bühne erlebt und war im Stillen doch unsicher, wie das würde.

Ja wir und unsere „Schubladen“… Der Mann ist herrlich vital, dominiert die Bühne so mühelos, wie er die schrägsten Töne aus seiner Gitarre hervorzaubert und hat außerdem den Schalk im Nacken. Eine Rampensau im knallroten Jacket, die bei einem Ausflug ins Publikum den Security-Menschen unentspannt aussehen lässt. Herrlich!

Mir war es vielleicht eine Spur zu viel Gitarren-Akrobatik, deshalb hätte ich am Ende meinen Apfel dem Steve Winwood überreicht. Aber es war ja kein Wettbewerb, und so wurde es ein überaus virtuoser und vergnüglicher Abend.