Ostern 2016 kann es von mir keine romantischen Frühlingsbilder geben.

Dafür gibt es mit den besten Wünschen zu den Feiertagen und kurz vor Beginn der diesjährigen Konzertsaison einen musikalischen Tipp, der vieles vereinigt: Einen so begabten wie engagierten jungen Singer-Songwriter, modernes Storytelling zu Themen, denen wir uns – egal, wie wir uns drehen – nicht verschließen können, und eine Prise Humor, bittersweet, die wir für diese Welt so dringend brauchen wie ab und zu einen guten Whisky.

Als ich Will Varley kennenlernte, den 29-jährigen britischen Musiker, der 2014 unter anderem auf sich aufmerksam machte, weil er von Show zu Show zu Fuß (hier ist das Tagebuch dazu) ging, fielen mir in der Tat zunächst die Geschichten in seinen Songs auf.

Krisenzeiten erschaffen sich ihre Songwriter, das war alle Zeiten und in jedem System so. Und die Eindringlichkeit von Versen steigt mit den Nöten der Gesellschaft.

Will Varley - King For A King
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Inwischen liebe ich es aber auch, wie pointiert, zugleich sensibel Will Varley seine Stimme einzusetzen vermag, wie viel Schmerz er zuweilen darein legt.

Sein letztes Album „Postcards from Ursa Minor“ erschien 2015 und ihr solltet unbedingt reinhören.

Ich habe es „postwendend“ gekauft. Zwar gibt es im Netz bereits einige Videos zu genießen, aber natürlich wollte ich mit „Is Anyone out There“ unbedingt den Song hören, der titelgebend war. Und der tatsächlich über Satellit ins Weltall ausgestrahlt wurde. Bernd muss bei dieser Vorstellung seine helle Freude haben.

Daneben stellen sich sofort Erinnerungen ein an die beiden beim Absturz der Raumfähre „Columbia“ unbeschädigt gebliebenen CDs der schottischen Band Runrig, deren Song „Running To The Light“ am 13. Tag der Mission von Captain der U. S. Navy Dr. Laurel Clark als Weckruf ausgewählt worden war. Auch die vielschichtigen Songs von Runrig waren also schon auf dem Weg ins Weltall.

Doch über die eindringliche Bitte um Hilfe aus einem anderen Universum (weil es schwer geworden ist, sie von hier unten zu erwarten) hinaus gibt es auf „Postcards from Ursa Minor“ kein einziges Lied, von dem ich nicht gefesselt wäre. Es ist schöne und vor allem moderne Poesie. Es macht optimistisch, zu sehen, wie Poesie in frischer Form in jeder Generation fortlebt. Sehr anrührend: Varleys „Concept of Freedom“.

Und schaut/hört euch unbedingt den Katzen-Blues an – das Lachen bleibt rasch im Halse stecken. Wer noch Nachschlag wünscht, dem gebe ich „Weddings & Wars“ als 8-BIT HISTORIE OF THE WORLD als Empfehlung hinterdrein.

Möglicherweise seid ihr danach ja auch reif für die Bitte um Postkarten vom Kleinen Bären.

Will Varley - 'Talking Cat Blues'
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Will Varley- Weddings & Wars (An 8-Bit History Of The World)
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