In der Nacht zum Sonntag hatte sich der Wind vollständig gelegt, nachdem er zuvor schnell noch alle Wolken fortgepustet hatte. So machte der Tag seinem Namen alle Ehre und die Fahrt von Blönduos bis zum Myvatn wurde zu einem feinen Erlebnis.

Die Landschaft entlang der A1 bietet viel Abwechslung und überall lag Frühlingszauber in der Luft.

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Erstaunlich, wie leer die Ringstraße auch jetzt um die Mittagszeit herum war. Auch fiel mir das erste Mal bewusst auf, wie sauber Island überall ist. Auf den einzigen „Dreckort“ der Insel sollte ich später im Süden treffen.

Rechts und links gab es erneut viel Verlockungen zum Anhalten, Aussteigen, Wandern und in Stichstraßen abzuzweigen. Wie an dieser Stelle. Wenngleich ich die Kjölur nicht fahren durfte… die 17 km-Strecke wäre vielleicht auch nicht uninteressant gewesen :-)

Aber ich riss mich zusammen, sonst würde ich heute kaum rechtzeitig am Myvatn ankommen.

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Auch an der Brücke über die Nordura und an der schönen Schlucht, in der man zu einem sich durchschlängelnden Fluss hinunterklettern und vermutlich noch weiterwandern kann, bestaunte ich die landschaftliche Pracht, fuhr aber nach kurzem Aufenthalt weiter.

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Sogar ein bisschen Dolomitenflair gab es und ich war doch recht erstaunt, auf dieser Strecke, die in der Literatur gar nicht so herausgehoben wird wie der Süden, so eine beeindruckende Vielfalt vorzufinden. Mein Bild von diesem Landesteil war ein völlig falsches gewesen. Das gilt auch für die Nord-Stadt Akureyri, die phantastisch zwischen schützenden, weiß bedeckten Bergrücken liegt und die ich auf jeden Fall bald besuchen werde.

Gegen 16.00 Uhr langte ich schließlich in Reykjahlíð an; die Strecke auf der hier überall sehr gut ausgebauten A1 hatte sich doch recht hingezogen. In der Nähe des Myvatns wunderte ich mich über leise Nieselgeräusche an der Fensterscheibe, weil wir doch blauen Himmel hatten. Ja, ich war recht begriffsstutzig – der Schock kam geballt, als ich an einer Infotafel anhielt und aus dem Auto stieg. So schnell war ich noch nie wieder drin im Gefährt, dummerweise hunderte Mücken mit mir!!!

Eigentlich sollte ich die Plage ja aus Schottland kennen, aber irgendwie bin ich dort bisher stets vom Schlimmsten verschont geblieben. Deshalb hatte ich die Schilderungen über Mücken am Myvatn wohl nicht recht ernst genommen; ich würde schon wieder Glück haben. Dem war allerdings ganz und gar nicht so. Blauer Himmel, kein Wind – die kleinen Viecher mussten sich potenziert vermehrt haben :-)

Ich selbst konnte mich ja durch das schottische Mückennetz – nie gebraucht – schützen. Doch leider stürzten die kleinen Angreifer sich gleichermaßen begeistert auf die Kamera und tummelten sich in Scharen vor der Linse. Ich probierte den einen wie den anderen Trick aus, versuchte sie durch Wedeln zu verscheuchen oder mit der neongelben Rucksackhülle, über die Kamera gestülpt, abzuschrecken. Umsonst! Ich steckte die Fernbedienung an und versuchte, die Plagegeister damit von der Kamera weg und zur mir zu locken. Und ich sprühte die Nikon und mich mit Repellent ein – ganz schlechte Idee… anscheinend das reinste Anlockmittel!

Nach kurzer Zeit waren nicht etwa die Mücken vertrieben, sondern ich nur noch ein Nervenbündel und der Schotterstraßenstaub auf meinem knallroten Auto wurde von einer zarten dunkelantrazitfarbenen Mückenschicht überlagert.

Darüber grinste dann sogar Stefan ziemlich breit, der auf dem Tankstellen-Parkplatz von Reykjahlíð mit Nadine stolz aus ihrem tollen silbernen Toyota Land Cruiser stieg. Es war schön, die beiden wiederzusehen, die ja schon eine Woche länger in Island waren und einiges erlebt hatten. Sie zeigten mir die benachbarten Solfatarenfelder am Namafjall, das Krafla-Gebiet mit dem Vitikrater und wir hatten mal wieder gemeinsames Fotoshooting. Entsprechend ihres speziellen Island-Tagesrhythmus‘ zog sich dies über die Nacht bis zum nächsten Morgen hin und endete erst nach einer Nachtwanderung zu den Lavafeldern Leirhnjúkur, aber dies ist eine nächste Geschichte.

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Kirche in Reykjahlið

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Am Myvatn

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Myvatn

Am Namafjall kann man sich – wie Nadine meinte – tot fotografieren und tatsächlich lässt das Gebiet mit seinem Blubbern, Zischen und Dampfen niemanden so leicht wieder los. Zumal es hier keine Mücken gab – sie mögen wohl keinen Schwefel.

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Kraftwerk bei Reykjahlið

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Wer das Gebiet besucht, sollte auch den Bergrücken Namafjall hoch wandern. Die Berghänge sind übersät von gelben „Furunkeln“ mit aktiver Geothermik.

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4WD-Strecke zum Namafjall

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Auf dem Namafjall

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Spiegeleier am Berg? Vorsicht, sehr heiß!