Namibia, Teil 7 / 20. -21.10.2018. Die Sophienhof-Lodge hatte erst kurzfristig Eingang in unsere Reiseroute gefunden und eigentlich nur, weil ich mich einige Zeit vor dem Abflug sehr erschöpft gefühlt hatte und meinte, vor dem vielen Fahren in der Etosha wäre ein bisschen Wellness besser als das geplante Suchen nach Wüstenelefanten im Westen.
Sophienhof versprach Swimming-Pool, ein vom Restaurant anzuschauendes Wasserloch und Stachelschweine.

Als Überraschung vor Ort brachte die Lodge uns Nikodemus. Nikodemus, den Game-Driver, den Geparden-Flüsterer. Nikodemus, der nicht eher ruhte, bis er für uns seine Lieblinge, die Nyalas gefunden hatte. Selten habe ich einen Menschen getroffen, dem die Liebe zu den Tieren so aus den Augen strahlte war wie ihm. Nikodemus – der aus dem Geist Geborene.

Von Omandumba bis zur Sophienhof-Lodge war es eine recht einfache, leider auch unspektakuläre 3-Stunden-Fahrt immer straight nach Norden. Man fährt in das kleine Outjo hinein, auf der anderen Seite wieder hinaus und dann steht man auch bald vor dem Tor des Anwesens. Wir wurden von der Managerin sehr nett begrüßt und bekamen einen Bungalow gegenüber vom Restaurant – mit Blick auf den Pool.

Unser Bungalow auf Sophienhof
Thabo fand auf Sophienhof gleich neue Schätze – er ist ja immer ein eifriger Sammler

Das Lodgegelände von Sophienhof ist überschaubar, aber durchaus schön angelegt. Gleich hinter den Bungalows erhebt sich wie eine Mauer eine Hügelkette mit schönen Bäumen und einem liebevoll angelegten Wanderweg. Verlaufen kann man sich da wirklich nicht :-)

Was mir auf Sophienhof auch sehr gut gefallen hat: Viele Bäume sind mit kleinen Info-Schildern versehen, so dass Unkundige wie ich endlich mal etwas Erhellung erfahren.

Es gibt viele Highlights auf Sophienhof, zum Beispiel das Stachelschwein-Gehege, in welches abends nach dem Dinner ein Mitarbeiter steigt, um die Gemüsereste zu verfuttern, wobei er behauptet, die Tierchen tatsächlich auseinanderhalten zu können. Stundenlang kann man den stacheligen Geschöpfen zuschauen, wobei man sich tagsüber vor allem in viel Geduld üben muss, weil sich die putzigen Tierchen dann in ihren Löchern verkriechen und schlafen. Aber der Duft von Apfelstückchen vor dem Bau war dann doch stärker. Und scheinbar sogar aphrodisierend.

Die Stachelschweine begegnen einem auf Sophienhof schon beim Frühstück – da traue ich mich auch, in sie hineinzubeißen :-)

Das Wasserloch auf dem Gelände liegt tagsüber eher verwaist dar, erst gegen 17.00 Uhr kehrt richtig Leben ein und zur Dinnerzeit ist es auch schon wieder vorbei. Wenn Tiere kommen, sind es vor allem Antilopen.

Ein schöner Großer Kudu am Wasserloch der Sophienhof Lodge

Zu den täglichen Zeremonien auf Sophienhof zählt auch die Fütterung der vielen Vögel, bei der die Rotschnabeltokos freilich das Feld beherrschen, bis sie satt sind.

Bei so viel Vordrängelei bleibt anderen schon mal der Schnabel offen:

Putzig auf Sophienhof sind auch die Horden von Klippschliefern in der Hügelkette bei den Bungalows. Ich habe noch niemals zuvor so viele auf einen Haufen gesehen und ein derartiges Gewusel. Um Liane zu necken, behauptete ich, es müssten wohl Ratten sein und wir sollten darauf achten, immer schön die Tür zum Bungalow geschlossen zu halten. Aber lange hielt die Schwindelei nicht vor, dann hatte Liane mich ertappt: die haben ja gar keinen Schwanz!
Als Special Guest kam uns am ersten Abend nach dem Dinner ein Dikdik besuchen – es graste vor unserem Bungalow und hüpfte, als es uns entdeckte, zierlich ins Dunkle auf die nächste Wiese. Vorsichtig folgten wir ihm nach und hatten auf diese Weise eine ganze Weile entzückendes Dikdik-Kino.

Aber so richtig, richtig tierisch wurde es beim Game-Drive quer durch die 9.000 qm Busch- und Waldland, die sich hinter der Lodge erstrecken. Hier bekamen wir ein sehr schönes Vorschnuppern auf das kommende Etosha-Feeling.

Und wir bekamen… Tatatata… unseren Nikodemus, den weltbesten Game-Driver ever! Bevor er mit uns startete, stellte er sich sehr höflich vor und vergewisserte sich, dass wir auch genug Wasser dabei hatten, denn es würde heiß und eine gute 2-Stunden-Tour. Es wurde dann sogar eine 3-Stunden-Tour, doch bei den enthusiastischen Beschreibungen unseres Fahrers dachten wir weder an Hitze noch an Durst.

Los ging es mit der Straußenfütterung. „Legt die Körner immer in die flache Hand, dann beißen die Tiere euch nicht!“ Ich war angesichts der äußerst kräftigen Schnäbel zwar skeptisch, aber weil mir bekanntlich nix zu blöd ist, überzeugte ich mich von der Richtigkeit dieses Tipps. Schöne stolze Tiere!!!

Den hier kennt ihr ja schon.

Weiter gings zu den Geparden. Hier brauchte Nikodemus vor dem Tor ein paar Worte länger: „Ich gehe zuerst allein rein und gebe euch ein Zeichen, wenn ihr nachfolgen könnt. Bleibt erst am Zaun, ich spreche mit den Geparden und sage, wenn ihr näher kommen könnt.“
Das löste bei meiner Tochter Respekt aus: „Du gehst da aber nicht wirklich rein, oder?“ Ähm, aber durch den Zaun fotografiert es sich nicht so gut!
Die Wahrheit hinter meinem Mut war, dass wir bereits 2014 bei Otjiwarongo Geparden gestreichelt hatten und ich Vertrauen hatte, dass auch diese – an Menschen gewöhnten – Katzen unsere Anwesenheit entspannt akzeptieren würden, wenn wir unsererseits den Anweisungen folgten. Einen Eimer Fleisch in der Hand, näherte sich Nikodemus mit ruhiger Autorität den Tieren, die ihn sogleich bestürmen wollten. Doch wurden sie erst einmal in englischer Sprache belehrt, dass vor dem Dinner Mäßigung erwartet wurde. Entzückend: die ersten britisch erzogenen Raubkatzen, die ich kennenlernte.

Es waren wunderbare Momente. Mit schönen Tieren und einer feinen, würdevollen Interaktion zwischen Mensch und Tier. Welten entfernt von Gepardenfütterungen, bei denen einfach nur das Fleisch vom Auto geworfen wird.
Ich habe nie verstanden, wie ein dabei entstandenes Action-Foto, bei dem die Tiere im Sprung versuchen, vor ihren Artgenossen das durch die Luft fliegende Fleisch zu erhaschen, noch irgendetwas von Natürlichkeit haben kann. Vom Streit um die Beute mal abgesehen.

Nach den beiden nachmittäglichen Fütterungen zeigte Nikodemus uns das weite Safari-Land von Sophienhof. Immer wieder trafen wir auf große Tierherden. Auf der Lodge selbst hätte ich nie vermutet, hier so viele Arten anzutreffen und Tiere in so großer Zahl.
Das erste Mal in meinem Leben sah ich Zebras in freier Wildbahn. Was für schöne und elegante Tiere. So wie immer wieder auch die Giraffen.

Wir trafen auf Gnus, Oryxe, Antilopen vieler Arten. Aber erst, als die Sonne schon sehr tief stand, begann Nikodemus leise freudig zu rufen und wies uns die Richtung, wo er Nyalas entdeckt hatte:

Es sind sehr scheue Tiere und bis auf dieses hier drehten die übrigen uns schnell wieder den Rücken zu und verdrückten sich im Dickicht. Wir aber waren mit Nikodemus glücklich über das Zusammentreffen und machten uns langsam auf den Rückweg Richtung Dinner. Unterwegs mussten wir freilich doch immer wieder kurz stehen bleiben – auch wenn wir nur Wasser anstelle Gin-Tonic bei uns hatten, mussten wir doch gebührlich die Sundowner-Stimmung genießen.

Schönheit, Glück und Trauer liegen oft nur kurze Zeit auseinander. Leider sollte der letzte Abend auf Sophienhof für uns auch der letzte entspannte dieser Reise sein. Liane würde sich in der Nacht schlaflos hin und her wälzen, noch im Glauben, es läge an der Hitze der Nacht.