Karibik des Nordens

Lewis, Juli 2017. Noch verzückt in Erinnerungen an die letzten drei Tage schwelgend, verabschiedete ich mich am Sonntag nach dem Frühstück von den schwedischen und englischen Tischgesellen.

Den James würde ich am Dienstag noch einmal treffen, denn wie sich rausstellte, haben wir das Rückfahrticket für dieselbe Fähre ab Tarbert. Nett, Jim, dass du mich aber schon in Cnip wieder besuchen kamst :-)

Die Campsite im Nordwesten von Lewis sei die schönste, hatte Helen, die außerordentlich hilfsbereite Lady im „Lathamor“ versprochen.

So freute ich mich auf einen gemütlichen sonnigen Tag draußen am Strand, mit ein bisschen Abhängen nach drei wilden Tagen. Und war massiv gefrustet, als ich nach dem Durchfahren der reizvollen Landschaft vom Schild empfangen wurde „We are full“. Es ist schon eine längere Anreise dorthin und ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass man auf Lewis für ein Zelt irgendwo vorbuchen muss. Die Leute standen tatsächlich alles so eng beieinander, dass ich auch gar keine Lust zum Dableiben hatte.

Jetzt brauchte ich erstmal einen Kaffee und würde mir gleich etwas zu Essen machen. Also steuerte ich den benachbarten Parkplatz an. Weil es ja immer drei Unglücke gibt, musste ich kurz darauf hinnehmen,  dass sich mein seit 2010 treuer Campingkocher von seiner Funktion verabschiedet hatte.

Das konnte ich noch verschmerzen, denn ich habe ja den Reactor Stove zur Reserve dabei. Aber dass ich dann beim Tütenaufreißen das Milchpulver anstelle der Trekking-Mahlzeit erwischte und dies erst merkte, als ich es schon komplett ins Wasser geschüttet hatte, war äußerst ärgerlich, denn man bekommt in Schottland keine Kaffeesahne und Milch hält bei diesen Temperaturen ohne Kühlung kaum einen Tag. Und überhaupt: nun musste ich auch noch ein Loch buddeln, um diese weiße Pampe zu entsorgen.

In all diesem Chaos kam der gute Jim daher und es gab wieder was zum Lachen – so muss das sein unter Freunden!

Wir machten noch ein paar Aufnahmen von den aufziehenden Nebelschwaden, welche den unter uns liegenden Strand in ein unwirkliches Licht tauchten. Doch, ist schon schön hier.

Ich nahm mir vor, am Abend gegebenenfalls wieder herzukommen und mein Zelt in die Wiesen zu stellen.

Aber daran war eine Stunde später kein Gedanke mehr, denn dort, wo es die große hölzerne Schachfigur gibt, fand ich einen richtigen Traumstrand. Die Campsite war keine so ganz richtige und vor allem keinesfalls „full“, sondern so leer, dass ich kurzzeitig verwirrt war, ob das sein könne. Aber egal. Man würde mir schon sagen, wenn ich mich davonscheren soll, dann würde eben wieder Plan A inkrafttreten -:)

Die weiße Fläche auf dem Bild unten ist nicht etwa das Dead Vlei in Namibia, sondern der Strand bei Ebbe.

Das zurückweichende Wasser hatte viele kleine Lochs hinterlassen, wo die Kinder herrlich baden konnten. Ich machte mich auf die Wanderung zum gegenüberliegenden Ufer.

Die Geübten schafften es sogar, über das Wasser zu gehen. Vermutlich Einheimische, die einen Zauber kennen -:)

Ähm, die Furt war aber eben noch viel schmaler!!! Vielleicht gehe ich doch besser erst bei der nächsten Ebbe zum anderen Ufer!

Auf unserer Seite ist es ja schließlich auch schön.

Eindeutig mehr Hasen als Menschen wohnten an diesem Strand. Hasenbau mit Vorgarten:

Badestelle:

Der Tag ging so wunderbar zu Ende, dass ich einen Stoßseufzer ausbrachte „Lieber Gott, ich danke dir, dass die andere Campsite voll war“.  An schönerem Platz als hier kann man sein Zelt nicht aufbauen. Stille, Weite, Hasen, Vögel. Zusehen, wie das Meer kommt und geht, ihm hinterherlaufen…

O.k., jetzt die Schattenseiten: alles was man braucht, sollte man dabei haben. Immerhin gibt es ein Toilettenhäuschen und die Möglichkeit, für eine Münze zu duschen. Auf Internet darf man freilich nicht hoffen. Das geringe Entgelt ist beim Bauern in einem nahegelegenen Haus zu bezahlen.