Teil 7 Großbritannien-Autotour Juli/August 2015.

Es ist schön bei Culzean Castle, und ich überlegte die halbe Nacht, ob ich nicht länger bleiben sollte. So geht es mir ständig, wenn ich in Schottland bin – überall möchte ich bleiben und die Menschen, ihr Denken und ihre Geschichte tiefer kennenlernen. Dieses eine Leben ist ziemlich sicher zu kurz für alles, was mich interessiert.

Schließlich und mit einem wehmütigen letzten Blick rüber nach Arran packte ich am nächsten Morgen – wir schreiben den 29. Juli – dann doch ein, um weiter Richtung sonnigen Süden zu fahren.

Ein Teil vom Herzen bleibt immer in Alba zurück.

Blick nach Arran

Die Frage, ob die Verkehrslage es mir an diesem Tag ermöglichen würde, am selbigen noch im Süden anzukommen, wurde bereits zwei Stunden später beantwortet: Unfallbedingte Sperre auf der M6.

Nein, ich grollte nicht. Ganz ehrlich: wenn man bereits so viele Tage unterwegs ist, so viele Kilometer unfallfrei zurückgelegt hat, spürt man Dankbarkeit dem Schicksal gegenüber und hofft nur, derjenige, der dort verunglückt ist, möge mit einem Blechschaden davongekommen sein.

Was soll’s: Ich bog bei nächster Gelegenheit ab und befand mich… schon wieder im Lake District. Mit der Stauverzögerung würde ich eh‘ viel zu spät unten ankommen… warum mir also nicht einen guten Tag machen?

Tief reinzufahren in den Nationalpark hätte sich für eine Übernachtung nicht gelohnt und da ich sowieso noch viel zu wenig dort kenne, blieb ich gleich kurz vor Windermere, wo, wenn man die A591 entlang kommt, nach kurzer Distanz die Camping and Caravanning Windermere Club Site ausgeschildert ist.

Einer der nettesten Plätze, auf denen ich während dieser Tour übernachtete. Maximal unkompliziert… und die Leute denken mit: Wenn es mir nichts ausmachte, mein Auto abseits vom Zelt auf dem kleinen Parkplatz abzustellen, könnten sie mir den Backpacker-Preis von 9,35 £ geben. Da würde ich 10 £ sparen.

Haha… nein, das machte mir nun wahrlich nichts aus – ich stellte einfach mein Zelt auf die fast leere Wiese gleich neben dem Parkplatz und hatte lediglich 10 m Weg zu meinen Sachen. Sehr gemütlich. Und überaus liebenswürdige Nachbarn in „Gerade-noch-Gesprächsweite“.

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Ein großer Vorzug der „Camping and Caravanning Windermere Club Site“ ist, dass man nah der überall hinführenden A591 ist und dennoch völlige Ruhe hat, denn der zwischen Straße und Campsite befindliche Wald schottet den Platz vollständig ab und man findet sich im tiefsten Frieden.

Von der Campsite aus kann man wunderbar wandern, worauf ich mich auch beschränkte, nachdem ich in Windermere einen Generalstau vorfand, der mich gleich wieder zur Umkehr bewegte. Das war wie auf Rügen im Juli, wenn schlechtes Wetter herrscht und sich alle Touristen zum Ausflug nach Stralsund aufmachen.

Aber nur wenige Kilometer davor ein kleines verwunschenes Paradies.

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Erkennt ihr die black sheeps wieder?

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Endlich war auch das Wetter wieder besser, so dass es ein wunderbar entspannter Tag wurde. Wandern und Lesen in der Sonne – ohne Midges. Abends Plausch mit den Zeltnachbarn.

So konnte ich am nächsten Morgen taten-  bzw. fahrdurstig aufstehen, was wohl dazu führte, dass mich etwas der Teufel ritt und ich nicht geradewegs Cornwall ansteuerte, sondern ein kunterbuntes und mythenreiches Städtchen in Somerset zum Tagesziel machte.

Hier nur ein (Rate-)Bild, die Auflösung im nächsten Beitrag.

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