Wie wir uns daran gewöhnen mussten, dass unsere Pläne nicht aufgingen und wie wir doch immer kleine Wunder fanden.

Ich kann wirklich nur jedem, der Afrika besucht, empfehlen, zwar seine Reiseroute zu planen, jedoch hinsichtlich der damit verbundenen Highlights und Programmpunkte erwartungslos zu bleiben und DAS zu genießen, was sich vor Ort tatsächlich an Schätzen bietet.

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Wir durften bisher ungeachtet der Enttäuschung in der Sossusvlei Dune Lodge nicht unzufrieden sein: Es war ein Riesenglück, dass Chris Nel uns in Swakopmund persönlich durch den Dorob-Nationalpark geführt hatte.

Wir durften eine wunderbare Stunde mit den Geparden auf der Otjitotongwe Cheetah Farm verbringen.
Und wir gehörten mit zu den letzten, die das Himbadorf in Gelblingen besuchen konnten.

Mein Gott, wie schnell sich in Afrika vieles ändert: Gerade waren wir noch da und nun mussten die Himbas und die Angehörigen des zweiten dort lebenden Stammes mit ihren Kindern im Mai aus Gelblingen ausziehen. Die Lodge ist verkauft worden. Im Namibia-Forum gibt es Stimmen, wonach es gut für die Stammesangehörigen wäre, seien sie in Gelblingen doch sowieso nur vorgeführt worden.
Ich bin zwiegespalten: Ja, in mir war bei unserem Besuch ebenfalls Beklommenheit, andererseits konnte ich nicht umhin zu akzeptieren, dass die Frauen und Kinder in Gelblingen Sicherheit und Grundversorgung fanden – etwas Wertvolles in Afrika, das wir nicht unter unseren europäischen Maßstäben kleinreden sollten. Und im Gegensatz zu anderswo bettelten die Kinder nicht. Vielmehr legten sowohl Bewohner als auch Lodge-Management Wert darauf, dass wir als Gegenleistung für den Besuch und die Möglichkeit zu fotografieren etwas von den selbst hergestellten Handarbeiten kauften – direkt von den Frauen, die höchste Freude am Handeln hatten. Und schlussendlich war ja auch niemand eingesperrt auf der Gelblingen-Lodge. Deshalb erfüllt mich die Nachricht von der Dorfauflösung jetzt doch mit Betroffenheit. Meine besten Wünsche für seine ehemaligen Bewohner, von denen ich anlassbezogen noch einige Fotos außer der Reihe bringen möchte!

Gelblingen Lodge mit Himba-Dorf

Gelblingen Lodge mit Himba-Dorf

Gelblingen Himba-Dorf

Gelblingen Himba-Dorf

Alles Gute für Euch!

Alles Gute für Euch!

Nach der tollen Wüstentour und anschließendem Shopping verließen wir Swakopmund am 2. April in Richtung Süden. Gegen halb sechs erreichten wir Homeb, eine winzige Siedlung am Kuiseb. Sie ist für viele Namibia-Reisende interessant, weil sie an der Scheidelinie zwischen der orangefarbenen Sandwüste im Süden und der beigefarben Schotter-/Steinwüste im Norden liegt und damit Wanderungen zu beiden Seiten ermöglicht. Der grüne Gürtel des nur zeitweise Wasser führenden Kuiseb bildet dabei die Trennlinie. Er ist auch Versorgungsquelle für die großen Ziegenherden, die in Homeb gehalten werden.

Auf dem Weg nach Homeb.

Auf dem Weg nach Homeb.

Der Kuiseb bildet einen grünen Gürtel zwischen der orangefarbenen Sandwüste im Süden und der beigefarbenen Schotterwüste im Norden.

Der Kuiseb bildet einen grünen Gürtel zwischen der orangefarbenen Sandwüste im Süden und der beigefarbenen Schotterwüste im Norden.

Die Ziegen verschaffen den Dorfbewohnern von Homeb ein Auskommen. Im Hintergrund die rote Namib.

Die Ziegen verschaffen den Dorfbewohnern von Homeb ein Auskommen. Im Hintergrund die rote Namib.

Revier des Kuiseb und die Dünen der roten Namib.

Revier des Kuiseb und die Dünen der roten Namib.

Auf der gegenüberliegenden Seite erheben sich die beigefarbenen Hügel der Steinwüste.

Auf der gegenüberliegenden Seite erheben sich die beigefarbenen Hügel der Steinwüste.

Campsite in Homeb

Campsite in Homeb

Kurzbeschreibung Campsite Homeb: Um nach Homeb zu gelangen, bedarf es einer Permit, die man entweder in Windhoek, Swakopmund oder wie wir an der Rezeption in Sesriem kaufen kann. Kontrolliert hat sie freilich niemand. Die Campsite befindet sich am linken Rand der kleinen Siedlung hinter den Ziegengehegen. Sie ist klein wie das Dorf. Da wir allerdings die einzigen Gäste waren, hatten wir mehr als genug Platz.  Infrastruktur gibt es wenig: Eine kleine Klo-Insel, Papierkörbe, Feuerstellen. Leider hatten Vorbesucher ziemlich viel Abfall hinterlassen. Sonst war es schon in Ordnung. Sehr einsam. Und wenn ich „einsam“ schreibe, will das was heißen.

Wie Stefan erleben durfte, streifen nachts zahlreiche, auch große Tiere durch das Revier. Der vermeintliche „Baum“ bewegte sich plötzlich vom Platz weg :-)
Am nächsten Morgen trieben die Männer die Ziegen auf die „Fluss-Weide“.

Ziegen auf ihrem "Frühstücksmarsch" am Kuiseb-Revier

Ziegen auf ihrem „Frühstücksmarsch“ am Kuiseb-Revier

Bei Homeb wollten wir noch das Wüstenforschungs- und Trainingszentrum Gobabeb anschauen. Auch soll es in der Nähe noch einen Aussichtspunkt geben. Auf den schwer zu passierenden Wegen am Fluss kamen wir jedoch nicht recht weiter. Die Esel guckten recht verdutzt, was wir dort wohl wollten.

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Nach einigem steilen Auf und Ab im Schritttempo und nachdem Stefan noch das Flussbett nach einem Weg abgesucht hatte, entschlossen wir uns schließlich zur Umkehr und fuhren auf der Piste nach Gobabeb.

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Da wir von Tsondab, unserer nächsten Station, eh mit dem Flugzeug über die Kuiseb-Grenzlinie fliegen wollten, unternahmen wir bei Homeb keine speziellen Wanderungen. Wer dies vorhat, sollte immer sehr früh starten, denn der Weg durch den grünen Gürtel rauf in die Dünen ist recht lang und anstrengend.

Wie die Schneekönige freuten wir uns nun auf die Tage auf der Lodge Tsondab. Nach der exzeptionellen Living-Desert-Tour erwarteten wir einen nächsten Reisehöhepunkt mit dem bestellten Flieger und der Sundowner-Tour in das private Tsondab-Valley. Ja, so ist das mit den Erwartungen – sie sind oft Grundlage für unsere Enttäuschungen.

Vorerst hatten wir auf der Zufahrt Glück und endlich mal den Wendekreis des Steinbocks für uns, nachdem er bei den vorherigen Passagen ständig durch riesige Reisebusse belagert war.

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Auf der wunderbar gelegenen Lodge-Farm erwarteten uns dann eine super nette deutsche Praktikantin sowie die Hiobsbotschaft: Die Eigentümer sind nicht da. Wegen eines Krankheitsfalls hatten sie nach Windhoek gemusst. Rückkehr vielleicht morgen, jedoch unbestimmt. Wir dürften uns zu Fuß überall frei im Valley bewegen, nur bitte nicht mit dem Auto.

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Was willst du machen? Alles schlimm genug für die Familie.

Die eigenen touristischen Pläne können da einfach nur hintenan stehen, wobei es ja auch völlig sinnlos gewesen wäre, auf etwas anderem zu beharren. Schlucken mussten wir freilich gehörig. Wir hatten diese Lodge extra ausgesucht, weil der Eigentümer zu den ganz wenigen Piloten gehört, die für Fotografen mit offenem Fenster fliegen. Eine Alternative würde schwierig zu finden sein. Und auch der Ausfall der Autofahrt durchs Valley war schade – zu Fuß setzte die Hitze schnell Grenzen.

Also blieb uns nichts weiter übrig, als hier bis auf kürzere Wanderungen eine ungeplante Ausruhzeit einzulegen, was ich persönlich gar nicht so übel fand, denn Tsondab ist wunderschön und es gibt guten Komfort bei ausreichenden Rückszugsmöglichkeiten. Wir spannten auf der Campsite zwischen den beiden Autos alle verfügbaren Tarpplanen auf und bauten damit eine erholsame Relax-Suite.
Wasser liegt an jedem Stellplatz an; ab Mittags ist es durch die oberirdisch liegenden Schläuche auf etwa 70° C erhitzt, so dass man sich sogar das Gas spart.

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Kurzbeschreibung Campsite Tsondab: Sicher und grandios gelegen. Panoramaaussichten in alle Richtungen. Gute Wandermöglichkeiten. Campsite absolut sauber und mit allem Komfort eingerichtet. Felsendusche und -Klo mit Aussicht ins Valley – tolles Alleinstellungsmerkmal :-).
Im Haupthaus Internetverbindung und schöne Sitzmöglichkeiten. Der Komfort hat seinen Preis: Die Campsite gehörte zu den teuersten, die wir in Namibia angesteuert haben. Da es indes nur wenige Plätze und Bungalows gibt, wäre alles andere wirtschaftlich unvernünftig für die Eigentümerfamilie.

Um eventuell noch eine alternative Flugmöglichkeit zu finden, entschlossen wir uns, den noch nicht verplanten Brückentag im Anschluss an Tsondab auf der Sesriem-Campsite zu verbringen, wo wir in der Nähe einen Ballon-/Flugservice gesehen hatten.
Ein Schlingel, wer behauptet, wir hätten dies vor allem wegen des Kuchens in Solitaire so entschieden! Aber er hätte nicht ganz unrecht. Wo könnte man sich schließlich besser mit Backwaren für die nächsten Tage eindecken als in Mooses Bäckerei! Selbst wenn er nicht mehr da ist.

Wie ich mir schon gedacht hatte, gestaltete sich der Aufenthalt auf der Campsite Sesriem außerordentlich erfreulich. Hier geht es natürlich wuseliger zu als zuletzt auf Tsondab – die Campsite ist recht groß. Trotzdem gibt es viel Abstand zwischen den einzelnen Stellflächen und natürlich hat jede ihre Feuerstelle und auch einen Wasseranschluss. Die Sanitärgebäude sind in Ordnung, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Einen adäquaten Flug bekamen wir hier leider nicht. Wir hätten mit dem Ballon fliegen können oder mit einem Flugzeug bei geschlossenen Scheiben. Beides wollten wir wegen unserer Fotoziele nicht und unser „Freude-am-Spaß-Budget“ hatten wir mit der Sossusvlei Dune Lodge und Tsondab bereits gehörig gebeutelt. Also fuhren Stefan und Nadine noch einmal Richtung Death Vlei, während ich an der Elim-Düne blieb. Mir gefällt es dort, weil sich nur wenige Menschen dorthin verirren. Außerdem gibt es Heerscharen von Springböcken, die recht zutraulich sind, wenn man mit dem Auto kommt.

Apropos Auto: Der Alarm „Ölfilter austauschen“ war nach dem Austausch ganze 48 Stunden verschwunden, seitdem blinkte er wieder treu. Ich beschloss, ihn zu ignorieren.

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6. April – Nach einem gemütlichen Frühstück, währenddessen die jungen Leute noch einmal in den Nationalpark gefahren sind, brechen wir nach Wereldend auf, wo es ein kleines Rest Camp mitten in den Dünen geben soll. Irgendwer hat was von herumstreifenden Leoparden getuschelt. Na, wer es glaubt…
Vorher noch einmal tanken und auf einen kurzen Abstecher zum Sesriem Canyon. Nadine, die Unermüdliche, steigt für eine Stunde hinab, während mich zum ersten Mal das Gefühl anspringt, dass ich mit den Steinen nicht viel anfangen kann.

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In Wereldend sind wir nicht angemeldet. Also dürfen wir uns nicht beklagen, dass der Hausherr nicht daheim ist. Seine Frau möchte uns ohne Begleitung nicht in die Dünen lassen, weil der Weg stellenweise nicht in Ordnung wäre. Also warten wir auf dem Hof und freunden uns mit den Hunden an.
Wir warten eine halbe Stunde, eine ganze, dann eine zweite. „Die 3 auf der Laderampe“. Wir fotografieren stundenlang Köcherbaum-Stilleben mit sich mehr und mehr zusammenballenden Wolken:

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Und auch den Weg, der heute der Unsrige sein sollte. So nah und doch so fern:

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Endlich befand Stefan, wir hätten genug gewartet… yeeeeaaaa…  und dass wir nun halt unser morgiges Etappenziel ansteuern würden, die Tolouse Lodge. Vielleicht würden sie dort schon heute ein Zimmer für uns haben.

Der gute, liebe alte Jan hatte!!! Und ich dankte dem Himmel, weil wir es bei ihm so schön und nett hatten und weil wirklich richtig dicke Gewitterwolken anrückten. Außerdem gibt es angrenzend an die Lodge wunderbare Wandermöglichkeiten. Entweder in die hinter der Lodge aufragenden Berge oder nach gegenüber in die Dünen. So konnten wir die regenfreien Stunden bestens nutzen.

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Der Lodge-Pächter Jan ist ein wahres Unikum! Man ist erstaunt, bei ihm nicht zusätzlich Entertainementgebühr zahlen zu müssen – bereitwilligst würde man es tun. Aus Südafrika stammend, bewirtschaften er und seine liebe Frau die Lodge inzwischen seit rund 30 Jahren.

Wenn er erzählt, braucht man kein Wikipedia mehr – was man über das südliche Afrika wissen will, weiß er. Zugleich ist er ein Mann der Tat. Als ich am nächsten Morgen zum Frühstück kam, hatte Stefan schon eine schlechte und eine gute Nachricht für mich. Die schlechte: Es nützt wenig, wenn ich Schlangen unten auf der Erde suche – auf Tolouse Lodge kriechen sie in den Bäumen herum. Die gute: Jan hatte am Morgen bereits eine Gelbe Mamba mit der Schrotflinte vom Baum geholt. Na Danke auch! Aber Jan legte gleich noch nach und brachte mir bei, was ich tun muss, wenn ich von einer Schwarzen Mamba gebissen werde: „Geh in den Schatten. Eine Leiche in der Sonne sieht nicht gut aus!“

Mit seinem piekfein gepflegten Uri fuhr er uns zu Sonnenuntergang hoch auf den Berg. Das Auto ist der Wahnsinn – ein Gamsbock auf Rädern.

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Kurzbeschreibung Tolouse Lodge: Die kleinen Häuschen haben alles, was man benötigt und werden sehr sauber gehalten. Tolouse ist liebevoll gepflegt, aber keine Luxuslodge – dafür ist sie aber auch preiswert. Strom wird in den Bungalows nur zeitweise zugeschaltet, z. B. abends für Licht beim Duschen etc. Das Aufladen der Geräte ist im Restaurant möglich.
Gegessen wird an langen Tischen, hier kommt man unkompliziert mit anderen Gästen in Kontakt. Marie, Jans Frau, kocht prima und reichlich. „Wer wenig ist, muss morgen mehr zahlen“, ist Jans Motto beim Abendessen. Er erzählt auf jeden Fall Geschichten, bis alles aufgegessen ist.
Die guten Wandermöglichkeiten habe ich ja bereits erwähnt.

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