Untertitel: Warum Condor seinen Slogan ändern sollte.

In Griechenland wünscht man sich zum Abschied einen guten Winter, was weniger mit winterlichen Temperaturen zu tun hat als mit der Ruhe, die im Spätherbst eintritt.

Wobei das Ausbleiben der saisonalen Einkünfte durchaus auch Frostiges für viele Betroffene bedeutet. Auf Naxos, wo es eine reiche Landwirtschaft gibt, vielleicht weniger als in anderen Regionen. Aber man täusche sich nicht über den vermeintlichen Wohlstand, den die Griechen hier im Sommer erwirtschaften. Wer eine Familie hat und Kinder großziehen und gut ausbilden will, für den ist das Auskommen auf den Inseln nicht leicht und für die Frustshopping- und Wegwerfmentalität, wie wir sie kennen, fehlt hier doch weitestgehend die Grundlage.

Der Abschied von Maria und ihrer Familie am Kapareshügel war herzlich. In der Früh machte ich mich noch ein letztes Mal auf den Weg zum Strand: „Abbaden“ am 23. September!

Marias Studio Kapares

Marias Studio Kapares

Letzter Weg zum Strand von Agia Anna

Letzter Weg zum Strand von Agia Anna

... vorbei an den Weinfeldern hinter der "Staubpisten"-Promenade

… vorbei an den Weinfeldern hinter der „Staubpisten“-Promenade

Leider hatte ich ja täglich vergebens rüber zum isländischen Bardarbunga geguckt: dort köchelt die Magma seit vier Wochen so vor sich hin und schickt lediglich Schwefeldioxid-Wolken durch die Welt, aber keine mit Asche. Und der Ontake-san, der jetzt eine Menge Asche spuckt, kam mit seinem Ausbruch zu spät, um eine Ausrede zu liefern, den Rückflug nicht antreten zu können.

Selbst der Sahara-Wind, der am Tag vor der Abreise aufkam, reichte gerade mal für eine halbe Stunde Verspätung bei der Blue Star, meinem Transitboot nach Santorin und also zum Flughafen. In der Chora von Naxos angekommen, fiel mir auf, dass ich die ganzen zwei Wochen nicht ein einzige Mal dort gewesen war – irgendwie hat mir auf dem Dorf nichts gefehlt. So bemerkte ich auch erst jetzt, dass es doch wieder eine kleine Veränderung am Hafen gegeben hat: Früher gab es mal diese kleine Stein-Mole, wo man gemütlich auf die Ankunft des Boots warten konnte.

Die ehemalige Steinmole am Hafen von Naxos ist nicht mehr da.

Die ehemalige Steinmole am Hafen von Naxos ist nicht mehr da.

Das hat man „begradigt“ – es gibt jetzt eine kleine Sitzmöglichkeit mit bunten Möbeln auf dem Anlegesteg. Schade, ich fand es früher uriger.

Jetzt lädt buntes Gestühl vor den WC's zum Hinsetzen und Konsumieren ein.

Jetzt lädt buntes Gestühl vor den WC’s zum Hinsetzen und Konsumieren ein.

Warten auf die Blue Star (2)

Der Blue Star und der Anglerin ist es egal.

Bei der Überfahrt fiel erneut auf, wie viele Menschen nach wie vor unterwegs sind. Gerade mal, dass ich überhaupt irgendwo eine Sitzgelegenheit finden konnte!

Nett war es bei all dem Trubel, wie die jungen Leute, die wohl zum großen Teil in Piräus eingestiegen und somit acht bis neun Stunden unterwegs waren, Beifall klatschten, als in Santorin die Anlegemelodie der Blue Star Paros erklang. Die „Paros“ hat ja zum Glück noch eine richtige Melodie, während man das Kreischen der „Delos“ leider auch nach zwei Jahren noch nicht ausgetauscht hat. Warum tut man dem Personal so etwas an?!

Für Santorin hatte ich diesmal die Villa Danae gebucht, weil ich wegen der Kürze der Zeit nur eine Nacht geplant hatte und in der Nähe des Flughafens bleiben wollte. Das war ein Glücksgriff, den das Schicksal mir für dieses Jahr, wo ich anders als sonst doch sehr mit Santorin haderte, wohl als Versöhnung vorgesehen hatte.

Die Wirtsleute Evi und Wassilis sind unglaublich bemüht um ihre Gäste, selbst wenn letztere wie ich nur eine Nacht dableiben. Wassilis muss einer der ersten gewesen sein, der zum Hafen gefahren kam. Denn als er mich abholte, stand sein Minibus weit hinten und war durch zwei Reihen wartender Busse blockiert, so dass wir noch einmal warten mussten, bis der Park-Stau sich aufgelöst hatte. Aber kein Zeichen des Unmuts!, vielmehr ein überaus höflicher Umgang.

Evi zeigte mir bei der Ankunft gleich alle freien Zimmer und ich konnte das große Studio mit der hübschen Terasse beziehen, obwohl ich keinen großen Preis gezahlt hatte.

Danae Villa - Terrasse

Santorin Thira – Danae Villa – Terrasse

Santorin Danae Villa

Danae Villa in Thira auf Santorin – Studio

Was für ein Unterschied zur Unterkunft in Oia, wo ich vor zwei Jahren für mehr Geld lediglich ein winziges dunkles Kämmerchen hatte.

So wie ich es auf Booking.com gelesen hatte, war es vom Gästehaus hoch zum Zentrum von Thira dann tatsächlich nur ein gemütlicher Spaziergang von 10-15 min. Dafür, dass man eh‘ weniger auf seiner Terrasse sitzt, sondern umherwandert, alles anschaut und irgendwo gemütlich was isst und trinkt, fand ich die Lage des Gästehauses, welches auch über einen Pool verfügt, recht gut. Bis zur Bushaltestelle, von wo aus man Oia und alle anderen Orte erreichen kann, sind es übrigens nur 7 min.

Santorin - am Hotel Atlantis

Santorin – am Hotel Atlantis

Santorin - Schiff im Abendgold

Santorin – Schiff im Abendgold

Alle sonstigen Vorteile des Hotels, zu denen auch die kostenfreien Transfers gehören, werden indes von Evis Herzlichkeit übertrumpft. Sie zaubert ein umwerfendes Frühstück mit Selbstgebackenem sowie köstlichem Santorin-Joghurt, sie will keine Abrechnung, bevor sie nicht „alles recht gemacht hat“. Sie gehört zu ganz wenigen, die außerordentlich Wert auf eine Belegaushändigung legen und bei der Abreise schenkte sie mir noch ein Schächtelchen mit einem handgemachten Schmuck. Ich habe ja bereits mehrfach in Santorin übernachtet und meistens auch recht gut, aber die Gastfreundschaft in Danae Villa hat mich fast umgehauen.

Danae Villa befindet sich unterhalb des Zentrums von Thira (neben dem orangefarbenen Haus)

Danae Villa befindet sich ruhig unterhalb des Zentrums von Thira (rechts neben dem orangefarbenen Haus)

Bis zum Kraterrand ist es ein angenehmer, 15-minütiger Spaziergang.

Bis zum Kraterrand ist es ein angenehmer, 15-minütiger Spaziergang.

Umgehauen hat mich dann dann auch erneut das Gebaren auf dem Santoriner Flughafen, nur leider nicht auf positive Art. Ich weiß nicht, was da in diesem Jahr los ist.

Ich war von der Unfreundlichkeit so frustriert, dass ich ernsthaft die Naxos-Anreise-Alternativen über Mykonos oder Athen in Betracht ziehe.

Reihenweise wurden diesmal Fluggäste von Condor beim Check-in rausgezogen und zur Nachzahlung wegen Übergepäck verdonnert. So etwas habe ich in Griechenland, wo das Gepäck kaum angesehen wird, noch nie erlebt. Meist bringt man auf der Rücktour ja etwas mehr auf die Gepäckwaage: die Handtücher und andere Wäschestücke sind voll Salz und ziehen Feuchtigkeit an. Man hat auch ein paar Mitbringsel eingekauft etc. Nie hat es jemanden interessiert! Jetzt: Tsikitzaki, bring money! Und das bei Condor, dem „Ferienflieger“, dessen Motto „Wir lieben fliegen“ mir stets gute Laune gemacht hat.

Das scheint jetzt vorbei und Condor nur noch eine Airline wie alle anderen zu sein, die bei steigenden Preisen die Leistungen abspecken und offenbar auch das Bodenpersonal anhalten, jeden möglichen Euro zusätzlich einzutreiben. Mein Koffer war zwar in Ordnung (ich hatte ja allen Kaffee ausgetrunken und alle Cremes verschmiert), dafür musste ich das erste Mal in meinem Fotografenleben für das Mehr im Fotorucksack zahlen: 24 Euro für plus zwei Kilo. Das Netbook wird nicht mehr wie früher extra gerechnet. Nun ärgern mich weniger die Zusatzkosten, denn  so hoch sind sie nun auch wieder nicht. Aber mich ärgert, dass es ausgerechnet bei Condor passiert, der doch der „Gute-Laune-Ferienflieger“ sein will.

Die Airlines und jeder ambitionierte Fotograf wissen, dass wir wenig Möglichkeiten haben, das teure Equipment anderswo als im Handgepäck einigermaßen schadfrei zu transportieren. Und die Airlines müssen auch wissen, wie sehr sie von der Agilität und Reisefreudigkeit der Fotografen profitieren und dass wir außerdem in aller Regel nicht zu denjenigen gehören, die die Bord-Last durch überdurchschnittliches Körpergewicht erhöhen.

Deshalb: Ja, die Regeln sind bei Condor so unfreundlich gemacht und man hat sie nur befolgt, aber „Wir lieben Reisen“ ist für mich was ANDERES. Da erwarte ich eine gewisse Kulanz, solange ich diese nicht unbillig ausnutze.

Als jemand, der beruflich mit Markenbildung zu tun hat, sage ich: Konsequenter Weise sollte Condor ansonsten seinen Slogan ändern, dem jetzigen kaufe ich die Ehrlichkeit nicht ab.

Gerechter Weise will ich aber hinzufügen, dass die Betreuung durch das Bordpersonal einwandfrei, sehr zuvorkommend und teilweise sogar herzlich ist. Da können sich die Unternehmen schon glücklich schätzen, wenn sie Mitarbeiter haben, die das Käsebrot derart charmant rüberreichen, dass du gar nicht mehr dran denkst, früher ein warmes Essen bekommen zu haben.

Edit 03.10.14:
Plan B als Alternative zu Condor ist bereits Realität:
2015 Flug mit Lufthansa von München nach Athen and back: 248 Euro (Condor nach Santorin würde 2015  399 Euro kosten). Air Berlin etwa dasselbe, nur doppelt solange wegen Zwischenstopps. In Piräus wegen des späteren Anfluges eine Übernachtung in Hafengegend, so dass ich am nächsten Morgen aus dem Bett aufs Schiff fallen kann. Rückzu nehme ich die Abendfähre ab Naxos und fliege morgens um halb sieben ab Athen zurück nach München.

Vorteile:

  • Ich kann von Freitag auf Montag fliegen und bin nicht festgelegt auf Mittwoch zu Mittwoch (Condor)
  • 1 Gepäckstück mit 23 kg frei (Condor 20)
  • Handgepäck 8 kg plus Notebook extra (Condor 6 kg, nix extra)
  • Die Kosten für das eingesparte Taxi (85 Euro) wegen des frühen Abfluges von Condor egalisieren sich wieder, weil dafür Mehrkosten für die längere Fähren-Zeit anfallen und rückzu höchstwahrscheinlich Kabinenplatz.

Nachteil:

  • Ist natürlich ein bisschen unkomfortabler in Athen. Aber ich probier‘ es einfach mal wieder aus; und die zusätzlichen Tage auf Naxos (bzw. vielleicht überlege ich mir sogar noch eine andere Zwischenstation) sind ein netter Anreiz.