Das erste, was mich in Dubrovnik empfing, war Duft. Allgegenwärtiger Duft. Ich fühlte mich augenblicklich wie im Roman „Das Parfüm“, natürlich nicht wie in dessen Pariser Fischmarkt- und Gerberstraßenjahren, sondern den süßlich-betörenden in Südfrankreich.

Duftspender waren neben Jasmin sowie unzähligen anderen Garten- und Wiesenblüten vor allem diese Bäume. Dank Melanie wissen wir inzwischen, dass der Duftbaum der Chinesische Klebsame ist.

Duftbaum

Duftbaum – Pittosporum tobira – Chinesischer Klebsame

Das zweite Gefühl bei der Ankunft in Süd-Dalmatien ist: Mein Gott, ist das hier schön! Versteht mich richtig: Ich meine nicht schön im Sinne von „ohne Makel“. Nein, es menschelt da unten gleichermaßen wie bei uns, mit allen bekannten Konsequenzen. In der Saison wird das sicher noch zunehmen. Und die geplante Bombastic-Baustelle auf dem Hochplateau oberhalb der Altstadt kann einen schon beim Nur-Dran-Denken das Grausen lehren.

Doch liegt ein noch nicht definierbarer Zauber über der Landschaft und über der Stadt Dubrovnik. Ein klein wenig bin ich  an den Gardasee erinnert:  Ästhetisches Ensemble aus Historie, Wasser und hohen Bergen. Nur alles viel intensiver und ohne die endlos durchrasenden Autos und Motorräder. Freilich auch mit dem Nachteil, dass die Anreise aus München nicht 4, sondern 13 Stunden dauert.

Das ist genau der Knackpunkt, ansonsten wäre ich ab sofort wohl an jedem verlängerten Wochenende dort unten. Mit Rücksicht auf meinen lädierten Fuß habe ich vorher hin und her überlegt, ob ich den Flieger nehmen oder mit dem Auto fahren soll, denn 13 Stunden Autofahrt sind schon eine ziemliche Ansage. Aber was soll ich sagen: Ich liebe es einfach, all mein Zeug in den Golf zu schmeißen, ohne Termindruck los- und weiterzufahren und unterwegs neugierig nicht nur geradeaus, sondern auch nach rechts und links zu schauen. Stehenzubleiben, wo es schön ist.
Damit war diese Frage entschieden.

Die nächste war, ob ich durchweg, so weit wie möglich, die Autobahn benutzen sollte oder – wie in einigen Foren empfohlen – ab Ljubljana auf der Landstraße über die Berge. Das würde 100 km und Autobahngebühren einsparen. Mit dieser Frage habe ich mich sowohl auf der Hin- und dann noch einmal auf der Rückfahrt am längsten beschäftigt und stundenlang Meinungen nachgelesen, weil mir die Gegebenheiten vollständig unbekannt sind. Ich fuhr dann beide Male die Autobahn – das hat sich bewährt.
13 Stunden sind sehr lang…, wenn man sich da noch ständig höllisch auf Kurven und Gefällstrecken konzentrieren muss, bleibt wenig Kraft zum Genießen der Landschaft übrig. Wenn ich nur nach Zadar fahren würde, wäre es vielleicht eine andere Sache. Aber ich habe mir unterwegs die Berglandschaft, um die es geht, angesehen und glaube, die Abkürzungsroute wird alles in allem nicht wirklich was einsparen.

Die Autobahn fährt sich fantastisch. Von der slowenischen kennt man das ja schon und die kroatische steht dem in nichts nach. Jedenfalls, wenn man mal drauf ist! Die Achillesferse bei jeder Kroatienfahrt ist nämlich der Grenzübergang. Bei der Hinreise war der Rückstau diesmal so lang, dass wir 1,5 Stunden Wartezeit hatten. Zurück ging es schneller und ich war in 10 Minuten durch beide Kontrollen. Nach wie vor werde ich das Gefühl nicht los, die Slowenen und Kroaten liefern sich hier einen Wettbewerb im „wir bremsen Europa“.

Aber wie gesagt: Wenn man das Procedere hinter sich hat, ist die Fahrt durch Kroatien wunderschön. Ich hatte ja keinen Begriff davon, wie weitläufig, gebirgig und dünn besiedelt dieses Land über so weite Strecken ist. Teilweise war ich an Schottland und den Lake District erinnert: viel Ginster an und auf kargen Bergketten. Mediterrane Blüten am Wegesrand und die Tatsache, dass man schon Ende April zum Schalter der Klimaanlage greift, machen freilich klar, dass dieses schottisch anmutende Gefilde den großen Vorteil von viel Wärme hat. Doch… das ist durchaus angenehm!

Die Autobahn nach Dubrovnik verläuft jetzt, im Mai 2013, übrigens bis ca. 100 Kilometer hinter Split und kostet 29,50 Euro Gebühr. Verglichen mit Italien also ein Schnäppchen!
Wo die Autobahn mitten im Gebirge endet, wird man zunächst über eine Serpentinenstraße und dann über eine ordentlich ausgebaute Landstraße übersichtlich weitergeführt.

 

Hinter diesen Bergen endet die kroatische A1 zur Zeit. Man kommt über Serpentinen auf die Landstraße.

Hinter diesen Bergen endet die kroatische A1 zur Zeit. Man kommt über Serpentinen auf die Landstraße.

Boot am Flussufer

Der Anblick der fruchtbaren dalmatinischen Äcker und Gärten war für mich nach der Fahrt durch die einsame karge Berglandschaft so anmutig, dass ich unterhalb der Serpentinenstraße einen Stopp einlegte und beim Spazierengehen die Feigenbäume genauso bestaunte wie die schon hoch gewachsenen Kartoffelpflanzen.

Man sieht von hier aus hinten auch den schon fortgeschrittenen Ausbau der Autobahn, so dass es sicher nicht mehr lange dauern wird, bis Dubrovnik vollständig angeschlossen ist. Ich hatte ein zwiespältiges Gefühl beim Anblick der im wahrsten Sinne des Wortes „harten“ Eingriffe in die Natur.
Nein, ich bin kein romantisierender Nostalgiker, dafür bin ich zugegeben viel zu pragmatisch. Aber da war zum einen das Gefühl „der Fels blutet“ und zum anderen eine Faszination angesichts der über so weite Flächen entblößten Felslandschaft. In ein paar Jahren wird alles sicher wieder neu überwachsen, aber wer weiß…, womöglich merkt sich der Fels auch etwas. Was wissen wir schon wirklich über all diese Dinge! Doch nur das, was die Wissenschaftler, die auch nur Menschen wie wir sind, heute wissen.

 

Ganz weit hinten die weiteren Ausbauarbeiten an der Autobahn Split - Dubrovnik

Ganz weit hinten die weiteren Ausbauarbeiten an der Autobahn Split – Dubrovnik. Das Bild kann durch 2x Anklicken auf 980 Pixel Breite vergrößert werden.

Die Landstraße führt den Autofahrer nach wenigen Kilometern aus den Bergen heraus in die einzigartige dalmatinische Schwemmlandschaft, wo zahlreiche Orangen-Verkäufer links und rechts am Straßenrand ihre Waren feilbieten. Es sind Orangen, die noch aus der Winterernte stammen, hörte ich später.
Das Wasser begleitet einen von nun an stetig, die Küstenstraße hebt und senkt sich und die Vorfreude auf Dubrovnik wächst und wächst.

Doch erst einmal steht man urplötzlich wieder an einem Grenzübergang. Ich guckte ein bisschen entsetzt, während Insider jetzt spöttisch grinsen werden. Doch habt Nachsicht: ich sagte ja schon, dass ich mich ganz unvorbereitet zu dem Dubrovnik-Abenteuer entschlossen hatte – mir waren die territorialen Gegebenheiten nicht im Detail bekannt.
So stand ich also vor der Einreise nach Bosnien-Herzegowina und bekam doch ein mulmiges Gefühl. Woran man sieht, dass wir alle Gefangene unserer Vorurteile sind. Bosnien, das hatte für mich immer ein bisschen was Düsteres. Aber soooo entspannte Grenzbeamte würde ich mir am Grenzübergang Slowenien-Kroatien wünschen. Nicht zu glauben: sie konnten sogar lächeln! Und als ich mich in den Leitspuren kurz verfahren hatte, räumten sie einfach die Sperrkegel weg und bedeuteten mir, ich solle einfach durchfahren – während ich noch verlegen mit meinen Pass wedelte, den sie gar nicht sehen wollten!!!

Inzwischen weiß ich, dass Bosnien-Herzegowina mit der Küstenstadt Neum hier seit 1947 einen fünf Kilometer schmalen Zugang zum Meer hat. Den einzigen des Landes. Man kann gespannt sein, wie die Europäer die Zufahrt nach Dubrovnik lösen, wenn Kroatien jetzt der EU beitritt. Durch Neum bin ich nur durchgefahren, auf den ersten Blick hat mich nichts zum Anhalten bewogen.

Die verbleibende Autostunde von Neum nach Dubrovnik (natürlich mit einem weiteren Grenzübergang) ist ein reiner Augenschmaus. Vorgelagerte Inseln und Halbinseln lenken den Blick ständig von der Straße ab und es macht deshalb überhaupt nichts, wenn man durch vorausfahrende Fahrzeuge zum Langsamfahren gezwungen wird. Es gibt auf der Strecke auch zweimal eine Möglichkeit zum Überholen auf einer langen Doppelspur, so dass ich die Fahrt nach Dubrovnik insgesamt als zwar lang, aber als sehenswert und auch als entspannt bezeichne. Die einzige Tücke erlebte ich auf der Autobahn A1 vor Zadar bei Regen. Dort ist die Straße so gebaut, dass das Wasser nicht gut ablaufen kann, so dass es ratsam ist, etwas langsamer zu fahren. Ansonsten war zumindest die Autobahn jetzt zum Monatswechsel April/Mai wahnsinnig leer, so dass man wie im ICE „durchgleitet“. Auch auf der Landstraße ging es noch sehr ruhig zu und sie sind gut ausgebaut.

Im Hintergrund die nach Dubrovnik führende Küstenstraße

Im Hintergrund die nach Dubrovnik führende Küstenstraße

Der paradiesische Fahrspaß endete jäh vor Dubrovnik! Ich fiel fast in Schock, als ich nach 13 Stunden flüssiger Autofahrt, euphorisiert von Landschaft und der baldigen Ankunft, urplötzlich über Asphaltlöcher „hüpfte“ und kurz darauf gerade noch rechtzeitig auf Schritttempo abbremsen konnte, weil die Straße vollständig aufgerissen und in Bau befindlich war. An diesen Zustand galt es sich von da ab für die Aufenthaltszeit in Dubrovnik zu gewöhnen. Überall Bauarbeiten an Straßen und Gehwegen, wodurch die ohnehin schmalen bis äußerst engen Straßen noch mehr beschränkt werden. Nein, Autofahren in Dubrovnik machte mir überhaupt keinen Spaß, weswegen  sich der Golf alle Tage auf der Terrasse von Jele Rooms ausruhen durfte.

Es fahren aber genug Busse (Ticket gibt es im Bus, kostet unabhängig von der Distanz 15 Kuna, also 2 Euro). Außerdem waren von meinem Standort oberhalb des Hafens Gruz sowohl Altstadt also auch die schöne Insel Lapad und natürlich das Hafenviertel in 15 bis 30 Fußminuten zu erreichen. Ich kann das Zu-Fuß-Gehen allen Dubrovnik-Besuchern nur empfehlen. Sehenswert ist mitnichten nur die Altstadt; ich konnte zum Beispiel auf einem wundervollen Spaziergang die Halbinsel Lapad umrunden. Dabei bin ich übrigens auch an der Campsite Solitudo vorbei gekommen und habe festgestellt, dass man dort prima unterkommen kann. Sie liegt schön auf Lapad und ist mit dem Bus gut an die Altstadt angebunden.