Diese private Blogseite ist nun sechs Jahre alt. Hätte man mir 2012, als ich mit meinem digitalen Tagebuch begann, eine Vorschau gezeigt, womit ich mich in den nächsten paar Jahren abseits meiner eigentlichen Themen beschäftigen muss, hätte ich mich wohl gruselnd abgewandt und wäre in den Berg marschiert.

Doch so ist das Baby herangewachsen – inzwischen quasi schulpflichtig – und ich hänge daran. Manche im Laufe der Zeit verblasste Erinnerungen und Emotionen werden wieder wach, wenn ich frühere Beiträge lese – etwa so, als wenn man als Familie in alten Fotokisten kramt und sich gegenseitig fragt: „Weißt du noch…?“

Meinen Instagram-Kanal habe ich in einer 5-Minuten-Entscheidung in dem Moment plattgemacht, als ich trotz anderslautender Voreinstellung all meine Bilder und Kommentare auf Google gelistet fand. Ich habe den Kanal durchaus gemocht, aber der Ärger war größer.

Die Facebook-Fanpage habe ich nach einem knappen Jahr Laufzeit eingestellt. O.k., mit ein klein wenig Wehmut. Aber diese tägliche Anmache von FB in Richtung „mehr Quantität“, gerne auch hinzugekaufte – das entsprach nicht meiner Philosophie.

Die Daqui-Seite hingegen habe ich durch die bisherigen Entwicklungen und Ärgernisse gehegt und gepflegt. Habe sie 2012 aus dem starren Bausteinkasten bei 1&1 befreit, ihr zunächst ein Kleid (Theme) von Michael Oeser gegeben, welches technologisch leider nicht mehr mitwuchs, und später das Enfold von Kriesi. Die Theme-Umstellung damals erforderte freilich zugleich viele Layoutanpassungen bei den älteren Beiträgen und Bildern. Manches habe ich gemacht, anderes einfach so stehen lassen – ist halt Geschichte und leben möchte ich in der Gegenwart.

2013 dann der große Crash beim Update des aufgekauften Galerie-Plugins NextGEN Gallery! Gesamte Seite weg, kein Backend-Zugriff mehr – am Vorabend meiner Abfahrt nach Schottland. Panisch erst einmal die Ursache recherchiert – auf das bis dahin so tolle Plugin wäre doch kein Mensch leicht gekommen. Die ganze Nacht verbrachte ich damit, eine notdürftige Rücksicherung durchzuführen. Am frühen Morgen ins Auto und 1.000 Kilometer zur Fähre nach Amsterdam gefahren. Oh manno…, was war ich damals noch enthusiastisch! Nach der Reise musste ich ein Dutzend Beiträge nachpflegen, weil das letzte Backup nachlässiger Weise entsprechend zurücklag. Zum Glück hatte ich local noch Word-Dateien, aber alle Bilder vom Reisebericht „Island“ mussten neu rausgesucht und hochgeladen werden. Das war mir eine Lehre!!!

Zwei Jahre später dann ein „Kuckuck“ auf der Seite – man guckt ganz schön blöd, wenn da plötzlich Inhalte stehen, die man nicht eingegeben hat. „Wie gemein ist denn das?! Darauf habe ich echt keinen Bock, ich schmeiß das alles hin!“  Tat ich aber nicht. Löschte wieder Seiten, befasste mich mit Sicherheitsvorkehrungen, schmiss die veralteten Plugins raus. So weit, so gut, aber mit dem jetzt verbannten Galerie-Plugin waren auch alle Bilder weg, mussten mühevoll neu rangeholt und eingepflegt werden.

Und nun haben wir die DSGVO – wieder beschäftigen wir uns mit Infrastruktur und nicht mit den eigentlichen Inhalten. Stunden, Tage, Wochen – weil die Informationslage insbesondere hinsichtlich der Fotografie so vage ist.

Täglich screene ich, was die verschiedenen Rechtsanwälte öffentlich als Meinung posten. Denn unterm Strich werden es die Juristen sein, die ab dem 25. Mai den Ton angeben – da kann das Innenministerium beschwichtigen, so viel es will. Wenn aktuell jemand was ganz Genaues weiß, muss er Gott sein. Was wird wirklich aus Street-, Event-, und Sport-Fotografie? Das werden uns erst die nächsten ein bis zwei Jahre zeigen. Was ist mit dem Altbestand?

Vorsorglich bin ich jede meiner Seiten durchgegangen und habe Bilder gelöscht. Schade, hier hätte man in den letzten 2 Jahren, seitdem die GSVO in Kraft ist, Klarheit schaffen können.  Hat man aber nicht; die Politik war anderweitig beschäftigt.

Die übrigen „Hausaufgaben“ waren eher eine Fleißarbeit und nach der erforderlichen Recherchezeit (die wenigsten von uns sind ja als Datenschutz-Nerds und/oder Juristen zur Welt gekommen) halt abzuarbeiten:

  • Also: Gelesen, gelesen, gelesen und eine Reihe Video angesehen.
  • Jegliche Software auf aktuellsten Stand gebracht – o.k., muss man sowieso regelmäßig tun.
  • Die Kommentarfunktion hatte ich bereits nach dem Hackerangriff gesperrt, nun habe ich auch die Altkommentare gelöscht.
  • Das Kontaktformular abgeschafft – Kontakt ist auch über die Mailadresse möglich.
  • Nicht mehr gebrauchte Plugins entfernt – brauch‘ ich nicht mehr nachzugucken, ob sie Norm-konform sind/werden oder nicht.
  • Für die YouTube-Videos das Plugin WP You Tube Lyte installiert und die bisherigen Videos gelöscht und neu verlinkt.
    Warum: Der Nutzer sieht angeblich vorher, dass er jetzt ein YT-Video anklickt und dabei Daten überträgt. O.k., doch… das hätte er bisher durchaus schon ahnen können – aber die Leute behaupten, es mache einen Unterschied… Oh mein Gott!
  • Datenverarbeitungsvertrag hat der Provider All-Inkl vorbildlich dieser Tage angeboten und darüber per Mail informiert.
  • Statistik liefert mir Statify und das zählt nur, erhebt aber keine IPs.
  • Aktuelle Datenschutzerklärung mit den OptOuts generiert.
  • Link zur DSE auf der Seite Impressum

Update 02.06.18:  Es gibt erste Abmahnschreiben gegen das Einbinden von Google Fonts. Unter Heranziehung des UWG.
Da indes auch die lokale Speicherung von Google Fonts (wenngleich aus anderen, nämlich Lizenzgründen), derzeit nicht unumstritten ist, habe ich mich entschieden, meine bisher genutzte Schriftart Open Sans zu verzichten, bis juristische Klarheit für diese Frage besteht.

O.k., weil wir leicht verständlich erklären sollen, was wir mit euren Daten tun, kommt hier eine etwas andere DSE:

Hey Leute, ich will eure Daten nicht – ich erzähle hier aus MEINEM Leben. Ich freue mich über euren Besuch und will daraus keinerlei materiellen Gewinn erzielen, weshalb ich (Stand heute… naja, man wird vorsichtig) auf alles verzichte, was dazu beitragen könnte. Wenn ihr alles genau wissen wollt, guckt in der offiziellen Datenschutzerklärung nach.

Abgesehen davon finde ich das Ganze etwas irre für private Blogseiten wie meine und wenn ich mich nicht wegen meiner zweiten (geschäftlichen) Website sowieso mit der Thematik beschäftigen müsste, würde ich jetzt wohl dicht machen – aus Protest gegen diese unverhältnismäßige Bürokratie, die schlussendlich herzlich wenig verhindern wird. Aber wer wüsste hinterher von meinem Protest – ich wäre einfach nur weg.

So bleibe ich auch diesmal am Ball. Es sei denn, ich hätte was übersehen und käme ins Gefängnis, weil ich die hohen Strafen nicht zahlen kann. Dann müsste Daqui auf ein kostenloses Portal umziehen. Aber ob die inzwischen DSGVO-konform sind… ?

Update 25. Mai 2018: Leider ist die Rechtslage für Fotografen noch kein bisschen klarer. Heute mit großem Interesse den Podcast „Einschränkungen für Fotografen“ auf der Website „Rechtsbelehrung.com“ verfolgt.
Mit den beiden spezialisierten Anwälten Dr. Thomas Schwenke (Datenschutz) und Lars Rieck (Urheberrecht) war diese 1,5-stündige Diskussion brillant besetzt.
Es werden diverse Szenarien durchgespielt und die winzigsten Möglichkeiten der DSGVO ausgelotet. Das Ergebnis ist ernüchternd.  Immerhin wird die Einsicht der Datenschützer erkennbar, dass es hinsichtlich der Fotografie Klärungsbedarf gibt.

Zum Schluss noch ein wenig Tragikomödie:

„Hoff zum Sonntag“ des Journalisten Hans Hoff vom 3. Juni 2018