Zitat aus der Bürokommunikation am 24.05.18: „Senden Sie mir das PDF unbedingt noch heute. Morgen müssen Sie es verschlüsseln und mir telefonisch das Passwort durchgeben.“ Ehrlich, ohne ihm unrecht tun zu wollen: ein bisschen fürchtete ich, der Mann sei ein Paranoiker. O.k., ab dem nächsten Tag würde die DSGVO uneingeschränkt gelten – die Übergangszeit wäre vorbei. Aber dies wird ja nicht heißen, dass wir 2018 die errungenen und endlich allgemein im Alltag angekommenen Vorteile bewusst wieder über Bord werfen. Unfassbar, aber es ist alles sogar noch steigerungsfähig.

Vielleicht sollte man gerade Stoff sammeln für einen neuen Film „Pb Datum – warum es mir, nein MIR gehört.“ Selten gab es so viel Stoffmaterial in Hülle in Fülle. Täglich werden, wir lesen es in der Facebook-Gruppe werden gerade auf Dawanda.de, wo wir seit Jahren gerne originelle kleine Geschenke einkaufen, die dort von eifrigen Bastlern, Strickerinnen, Schneiderinnen, Schmuckdesignern angeboten werden, Shops stillgelegt. Meine Autowerkstatt hat heute ebenfalls ihre Website geschlossen, vorerst zumindest.

Vermutlich haben sie sich alle nicht getraut, das Angebot der EU-Kommissarin Vera Jourová anzunehmen, ihr eine Mail zu schreiben, wenn Unklarheiten bestünden – selbst sie würde das können.“ Dabei sollte man eine so einmalige Möglichkeit, in den direkten Austausch mit unseren Brüsseler Politikern zu treten, doch wahrnehmen!

Whatsapp kann DAS auch, zwar nicht auf der Grundlage des Gesetzes, but so what… Wer die Beliebtheit hat, der macht sich halt seine eigenen Gesetze. Eher bedeutet die Formulierung „Im Einklang mit geltenden Gesetzen stellst du uns … zur Verfügung“ ja wohl auch: „Die geltenden Gesetze sind deine Angelegenheit, du stellst uns davon frei, wenn du uns … zur Verfügung stellst.“

 

Prompt meldete sich unsere Kanzlerin, die bekanntlich fleißig Nachrichten verschickt, zu Wort und verkündete, Daten seien der Rohstoff des 21. Jahrhunderts und man müsse dafür sorgen, dass die Allgemeinheit etwas vom Kuchen abbekomme. Über Steuern? Nee, nicht im Ernst, oder?

O.k. Frau Merkel, ich melde mich mal und sage Bescheid: Ich bekomme schon täglich einen Gegenwert. Mindestens einen. In der Arbeit recherchiere ich über Google in kürzester Zeit Dinge, für die ich früher lange in Büchereien gelaufen bin. Ich muss auch nicht mehr in die großen Shopping-Center, die mir bis heute wirklich ein Greuel sind, sondern wenn ich etwas benötige, suche ich mir das zu Hause online zusammen und lasse es mir liefern.

Dank Youtube habe ich ein gewisses handwerkliches und technisches Geschick entwickelt: Das richtige Video rausgesucht und solange auf die Stopp-Taste gedrückt und auf Wiederholung, bis ich es verstand.

Zu Pfingsten in Edinburgh: Früher kaufte ich einen Stadtplan, für dessen Lesen ich heute ständig mit Lesebrille durch die Gegend laufen müsste. Heute sage ich Google Maps, dass ich von der Usher Hall zurück zum Quartier möchte und unverzüglich bekomme ich die Option, entweder in einer 3/4 Stunde zu Fuß zu gehen oder den Bus Nr. soundso zu nehmen. Eine freundlich-energische Stimme weist mir den Weg zur Bushaltestelle.

Als Bonus wird mir eingeblendet, dass ich im Juli bereits wieder einen Flug hierher habe. Ist doch sympathisch, oder?

Und so weiter und so fort. Sorry ihr großen klugen Entscheider, ich mag diese Vorteile und wenn irgendwer in Amerika dafür weiß, dass ich gerade hier im schönen Edinburgh bin, so soll er ruhig neidisch sein.

Was Whatsapp, sein Durchgreifen auf Kontakte, die den Dienst gar nicht nutzen, und die Weitergabe an Facebook betrifft, bin ich etwas penibler. Das ist ein Problem! Beliebtheit hin und Beliebtheit her, Whatsapp dient mir NUR als Versender von Nachrichten. Die aber kann ich auch per Mail oder – wenn etwas eilt – per SMS versenden. Oder ganz altmodisch telefonisch besprechen. Wenn es nur um mich ginge, wäre es mir egal. Aber auf meinen Handy gibt es eine Reihe von Kontakten, die entweder geschäftlicher Art sind oder von Menschen, die sich ausdrücklich gegen Whatsapp und Facebook entschieden haben. Hier stimmt die Ausgewogenheit nicht. Somit: Goodbye Whatsapp… es sei denn, du kommst irgendwann wieder von deinem hohen Ross herunter.

Ich weiß: ich gehöre mit dieser Entscheidung nicht zur Masse der Nutzer. Viele, viele wollen nicht auf die nette Kontaktmöglichkeit verzichten und wir wenigen werden das Imperium kaum zum europäischen Datenschutz hinführen.

Das wissen auch die Gerichte und so holten sie heute zum nächsten und ganz gewaltigen Schlag aus: Ab sofort tragen alle Betreiber von Facebook-Fanseiten Mitverantwortung für den Datenschutz bei Facebook, frei nach dem Motto: Mitgehangen ist mitgefangen.

O.k., das beinhaltet eine gewisse Logik. Wobei es um die Logik in diesem Fall wohl weniger geht als um den Versuch, über die Nutzer Druck auf den Konzernchef auszuüben, nachdem dies in Anhörungen vor hochrangingen politischen Gremien regelmäßig schiefgelaufen ist. Nun sollen es also, um den Schachbegriff heranzuziehen, die Bauern richten. Denn wieder wird es die Kleinen treffen, die vielen Online-Händler, die sich hier eine mehr oder weniger auskömmliche Existenz geschaffen haben. Was werden die vielen jungen Musiker machen, die ihr Talent über ihre Facebookseiten einem großen, weil vernetzten, Publikum vorstellen?
Der Rechtsanwalt Thomas Schwenke hat in einer ersten Einschätzung zum jüngsten Urteil die Summe von 5.000 Euro ins Spiel gebracht. Wer die Summe „locker“ hat und über die Fanpages genügend Gewinn generiert, der hätte (vielleicht) ein gutes Risiko-/Gewinn-Verhältnis.

Ich bin nun gespannt, wie viel der europäische Markt dem Facebook-Konzern und in der Folge auch den übrigen Giganten Wert ist. Denn das heutige Urteil wird nicht auf Facebook beschränkt bleiben, das ist sicher. Trotz des ganzen Irrsinns feixe ich ein wenig: Niemand wird die Entwicklung, die sich Bahn bricht, aufhalten – das haben wir in der DDR gelernt. Wenn ein Weg versperrt wurde, fand sich ein nächster! Menschen werden um so kreativer, je mehr sie eingeschränkt werden sollen.

Ich mag nur nicht eines der Bauernopfer sein. Deshalb habe ich heute, da ich sie ohnehin nur halbherzig gepflegt und wenig geschäftlich genutzt habe, folgende Kanäle eingestellt: Google+, Youtube, Flickr und Xing. Mir ist die Zeit zu wertvoll, um mich ständig darum zu kümmern, wo ich eventuell noch eine Datenschutzerklärung anbringen muss oder mich mit Datenschutzerklärungen der Plattformbetreiber auseinanderzusetzen, an denen ich nichts ändern kann.

In dem Sinne: Glaubt an die Logik und lasst euch nicht verrückt machen. Daten müssen etwas NÜTZEN – wer sie lediglich BESITZEN will, ohne etwas damit anfangen zu können, sollte sich besser Goldbarren kaufen. Und wir Internetnutzer sind nicht so unmündig, als dass wir die aktuelle Gängelung bräuchten. Deshalb wird sich alles einpegeln.

Oder ihr kommt nach Bayern. Denn hier ticken die Uhren anders – zumindest bis zur Landtagswahl 2018.

Vielleicht ist ja die Lehre aus dieser verwirrt-nervösen Zeit, dass wir uns wieder neu orientieren sollen.

„I just want to be gentle, with a chorus of quiet devotion, a balletic testimony. The ephemeral grace of your heart-beat, in the morning.“ (aus „In The Morning“ von Blue Rose Code