Namibia, Teil 8 / 22. – 25.10.18. Der Etosha Nationalpark war unser Hauptziel bei dieser Reise, schließlich hatten wir uns aufgemacht, Elefanten zu sehen. Die Dickhäuter begrüßten uns dann auch ziemlich schnell nach unserer Ankunft – doch hatten wir kaum Augen für sie.

Elefanten im Etosha

Nach einem gemütlichen Frühstück in der Sophienhof Lodge und dem Abschied von Stachelschweinen und Hornbills kauften wir im Outjo noch ein, was wir in den nächsten 4 Tagen Selbstversorgung im Etosha benötigen würden. Wir handhabten es wie meistens so, dass Liane shoppen ging und ich im Auto Hab und Gut bewachte. Mag sein, dass dies in dem kleinen Städtchen nicht nötig ist, aber es war uns zur Routine geworden.

Auch der Hilux war inzwischen durstig geworden, also fuhren wir noch eine kleine Tankstelle an, wo wir sofort von unübersichtlichem, dunkelhäutigem Gewusel umgeben waren, welches sich auf die Scheiben und was weiß ich noch stürzen wollte. Also stieg ich aus, um mehr Übersicht zu haben und bedeutete, dass lediglich 1 Mann zum Betanken gebraucht würde. „O.k.“, fügte sich der Herr des Diesels, „no Shower, no Shaving, only Diesel“ und unter fröhlichem Lachen suchten die übrigen ein neues Ziel ihres Reinigungswahns. Wir lachten mit und es war ein sehr entspannter Moment. Im Nachhinein bin ich sicher: an dieser Stelle war Sorge unnötig, dass sich jemand z. B. an einem Reifenventil zu schaffen gemacht hätte, aber wenn wir einen Ort und seine Menschen nicht kennen, sind wir lieber vorsichtig. Und man kann ja auch freundlich vorsichtig sein!

Somit bestens versorgt, machten wir uns auf den anderhalbstündigen Weg bis zum Anderson Gate, durch welches wir unsere Tour durch den Etosha Nationalpark starten wollten. Hatte ich bei einem vorherigen Bericht geschrieben, „die Fahrt verlief unspektakulär“, dann muss ich das, verglichen mit der Straße von Outjo bis zum Gate, relativieren. Hier gab es wirklich sehr wenig Attraktives zu sehen, sondern vor allem Hinweisschilder auf Unterkünfte rechts und links, die alle was vom Tourismus-Kuchen abhaben möchten.

Gegen 12.00 Uhr waren wir denn auch schon da. Am Tor wurden die Autodaten notiert und die Reservierungen gesichtet. Das Permit sollte im 17 km entfernten Camp Okaukuejo bezahlt werden.

Freudig aufgeregt durchfuhren wir endlich wieder Buschland und suchten den Wegrand neugierig nach Tieren ab, die sich natürlich jetzt in der Mittagszeit irgendwo im spärlichen Schatten aufhielten. Was wir noch nicht wussten: diese knappe halbe Stunde bis nach Okaukuejo war die letzte unbelastete Zeit unserer Tour.

Da war zunächst mal die Atmosphäre im Camp. Es ist ja zum Glück oft so, dass sich durch schlechte Erfahrungen anderer entstandene Vorurteile im eigenen Erleben schnell auflösen. Nicht so bei unserem Eintreffen in Okaukuejo. Am Empfang in einem düsteren Raum drei Schlangen von Menschen, die zum einen ihr Permit bezahlen und zum anderen in ihr Quartier einchecken wollten. Die Stimmung auf beiden Seiten des Tresens gereizt. Es dauerte einen Moment, bis wir begriffen: hier geht gerade gar nichts. Es gab keinen Strom, das Personal kam weder an die digitalen Daten noch an die Kasse. Man versuchte, wenigstens die Tagesgäste irgendwie abzufertigen, denn die können ja nicht wieder raus, wenn sie keine Quittung vorweisen können, alle anderen wurden hinsichtlich des Permits stehengelassen. Am Check-in wurde auch irgendwas getan, aber „Zeitlupentempo“ wäre glatt untertrieben, und die Frauen taten alles sichtlich beleidigt, als wenn wir Gäste den Ausfall der Infrastruktur zu verantworten hätten. Wenn ich nicht vorgewarnt gewesen wäre, was die Unfreundlichkeit betrifft, dann hätte ich wohl zu Liane gesagt: „Komm‘ wir hau’n wieder ab.“

Gelangweilt checkte ich meine Mails und fand darunter eine, die irgendwann auf der Fahrt eingegangen sein musste. Sie betraf eine dringliche Familienangelegenheit und ich wurde gebeten, mich zu melden. Das war gar nicht gut – sowohl wegen des Betreffs als auch wegen der Tatsache, dass hier alles „off“ war und wir weder telefonieren konnten noch Nachrichten versenden. Es blieb nichts anderes übrig, als zunächst den Check-in abwartend zu erledigen und dann zu versuchen, ob wir irgendwo Netz bekämen. Für den Fall, dass es unterwegs kurzzeitig funktionierende Positionen geben würde, stellte ich Mails mit unserem unglücklichen Status an den Absender und an meinen Sohn in den Postausgang, mit der Bitte, sich untereinander zu verständigen. Wir selbst fuhren so schnell es eben im Park möglich ist, die 75 km bis nach Halali, wo es zwar Strom gab, aber ebenfalls kein Kommunikationsnetz. Also die Strecke im Eiltempo wieder zurück – wir waren zunehmend besorgt, insbesondere, weil wir nicht wussten, was eigentlich los war. So kam es, dass wir uns weder am Anblick der ersten erblickten Elefanten noch an den Löwen erfreuen konnten.

Der Anblick unseres Zimmers in Okaukuejo war dann auch nicht geeignet, unsere Stimmung zu verbessern. Dafür bekam Liane endlich Telefonverbindung nach Deutschland zu ihrem Bruder und erfuhr so, dass ihr Vater in Australien sehr plötzlich verstorben war. Das ist nun eine sehr private Sache und ich möchte auch nicht vertiefend darauf eingehen, aber jeder wird verstehen: von einem Moment auf den nächsten war eine Menge anders geworden. Auch stand die Frage nach einem Reiseabbruch im Raum. In langen Gesprächen verneinte Liane dies schließlich und so ließen wir uns in einer Art Schock-Trance einfach auf das ein, was uns dort begegnete, ohne noch etwas zu suchen oder zu wollen.

Obwohl, ein bisschen hätten wir schon gewollt, dass alles netter dort gewesen wäre. Dass zum Beispiel, wenn man in einem wasserarmen Land hingeht und mitteilt, dass die Toilettenspülung nicht zum Stillstand kommt, dieses nicht mit mauligem Gesicht kommentarlos in ein großes Buch geschrieben wird, ohne dass sich in den nächsten zwei Tagen etwas an der Sachlage ändert. Weil wir das nicht mit angucken konnten, habe ich schließlich selbst manuell eingegriffen (in den hässlichen Spülkasten), aber so eine Gleichgültigkeit kann doch nicht sein!!!

Immerhin wurde es in Halali um einiges angenehmer, sowohl was die Zimmer betrifft als auch das Auftreten und die Freundlichkeit der Mitarbeiter. Dafür hat Okaukuejo ein phänomenal angelegtes Wasserloch – wie ein riesiges Amphitheater. Dort abends zu sitzen, in der Stille zwischen Dutzenden von Menschen, die fast den Atem anzuhalten schienen, so leise war es, und dann die Tiere je nach Art bedächtig oder lustig laufend sich nähern, trinken und entfernen zu sehen – das hatte wirklich Magisches. Und dafür würde ich auch ein weiteres Mal alles, was an dem großen Camp nicht schön ist, in Kauf nehmen.

Der liebe Gott gleicht ja bekanntlich hier und da Kummer aus, indem er etwas unerwartet Schönes schenkt, und als solches habe ich den Tag nach einer Regennacht betrachtet, als der Etosha in für den Park besonderen Farben erstrahlte.

Hier bei den Tieren schlug nun natürlich auch die Stunde für die Nikon D500 und zwar mit dem AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR . Hatte ich auf den vorherigen Etappen sehr oft mit der Sony A7 oder auch nur mit dem Smartphone dokumentiert, wusste ich nun, warum ich das unhandliche große Objektiv dabei hatte.

Es fällt mir etwas schwer, das Gewicht sauber zu händeln, das bekam ich regelmäßig zu spüren, wenn es sehr schnell gehen musste und keine Zeit war, Kamera und Objektiv erst vernünftig auf dem Bohnensack in Position zu bringen. Abgesehen davon ist es aber ein sehr gutes Arbeitsinstrument, welches mir viel Freude bereitet hat und dies zu einem Preis, der einem nicht die Tränen in die Augen treibt wie bei anderen Teleobjektiven.

Es gibt nicht wenige Besucher, nach deren Meinung der Etosha Nationalpark nur im Hinblick auf die Tiere reizvoll ist. Das hat sich mir differenzierter dargestellt. Natürlich ist die Nähe zu den Tieren und ihre Menge absolut beeindruckend. Aber insbesondere die Gegend um die große, scheinbar leere Lehmpfanne überraschte mich auch mit einer großen Ästhetik und sehr feinen Farben.

Einen müssen wir unbedingt noch vorstellen!
Liane hatte den kleinen Kobold auf unserem Weg an den Pfannenrand entdeckt. Der Honigdachs dachte dann wohl, er müsse sich vor uns nicht „aus dem Staub“, sondern in diesen hinein machen, denn er wirbelte mit einer rasanten Geschwindigkeit Sand durch die Gegend und war bald tatsächlich fast nicht mehr zu sehen.

Er hat uns lächeln lassen – das war in diesen Tagen ein großes Geschenk.

Hier als Abschied von der Etosha noch ein Bild vom Wasserloch in Halali, welches landschaftlich sehr schön liegt, wo wir allerdings an zwei Abenden und jeweils mehreren Stunden kein Glück hatten, Tiere beobachten zu können. Halali und vor allem auch die Gegend rund um das Camp, auf der ganzen Strecke bis hin zu Namutomi hat uns trotzdem sehr gut gefallen.