Beginnend im Mai 2016 machte ich jetzt einen Ausflug in die Facebook-Welt – deshalb war es hier stiller geworden. Das Blog zu pflegen und gleichzeitig eine FB-Blogseite – das hätte nicht nur doppelt Zeit benötigt, die ich nicht übrig habe, sondern auch Redundanzen erzeugt.

Nun kehre ich wieder zurück.
In diesem Beitrag beschreibe ich Zielstellung des „Ausflugs“ sowie meine Erfahrungen und erkläre, warum die FB-Plattform mir keinen großen Mehrwert bietet, was nicht heißt, dass ich ihr Marketingpotential gering achten würde.

Punkt 1: Welche Vorteile hätte ich mir von dem Gedanken versprochen, dieses Blog auf Facebook weiterzuführen?
Nun, zuerst bräuchte ich mich nicht mehr um die Infrastruktur der eigenen Website kümmern, inklusive der nervigen Hacker-Attacken. Um sämtliche technische Fragestellungen kümmert sich Mark Zuckerberg :-)
Und ja… die Plattform wäre kostenlos, während mich mein Hoster jeden Monat einige Kaffees kostet – aber diesen Punkt sehe ich eher neutral, denn irgendwie bezahlt man bekanntlich IMMER!

Unbestreitbare Vorteile sind hingegen:

  • Die Vernetzungsmöglichkeiten einer Plattform, auf der sich lt. Statistik für das 2. Quartal 2016 weltweit 1,71 Mia. aktive Nutzer (von 1,7 Billionen) tummeln
    (Quelle:
    http://allfacebook.de/zahlen_fakten/nutzerzahlen-q2-2016),
    von denen täglich 1,13 Mia. aktiv sind – die meisten übrigens inzwischen ausschließlich mobil
  • Die – wenn auch nicht erlaubte – aber hier und da doch immer wieder beobachtete Möglichkeit, unter „Künstlernamen“ zu schreiben, was unter dem Sicherheitsaspekt durchaus ein nennenswerter Faktor ist, wenn man viel reist und live von unterwegs berichten möchte

Ein weiterer Punkt, warum ich mich zu dem Experiment entschlossen hatte, war berufliche Neugierde. Welche speziellen, woanders nicht gleichermaßen gegebenen Vorteile bringt Facebook als Marketinginstrument? Wie hoch ist der Aufwand dafür?

Punkt 2: Facebook, der ewige Datenschutz-Sünder? Erfahrungsbericht eines Neulings 2016
Wenn man heute neu bei Facebook einsteigt, bietet sich einem folgendes Bild: Die Möglichkeiten des Schutzes der persönlichen Daten sind durchaus größer als das erkennbare entsprechende Bedürfnis vieler Nutzer.

Soll heißen: Sofern man sich auch nur mit einigen der zahlreichen Hilfsquellen zur datenschutzgerechten Konfiguration seines FB-Kontos auseinandersetzt (es stimmt, das dauert durchaus einen halben Samstag), kann man das persönliche Konto relativ save zuschließen – so wie seine Intimsphäre hinter der Wohnungstüre. „Relativ“ füge ich hinzu, weil über das Posten in Chroniken Anderer der geschlossene Bereich natürlich verlassen wird und weil auch niemand die volle Kontrolle darüber hat, was die eigenen FB-Freunde weiter teilen.

Dies scheint aber – man gucke sich bloß mal eine Stunde diverse Instagram-Kanäle an – für einen Großteil unserer Mitmenschen überhaupt kein Problem mehr darzustellen. Frisch und munter wird das tägliche Leben in allen Details über das Internet geteilt. Ich frage mich, WEN eigentlich die ganzen Datenschutzrichtlinien und –gesetze, mit denen wir uns täglich im beruflichen Leben auseinanderzusetzen haben, behüten sollen. Irgendetwas läuft da gewaltig auseinander.

Doch wieder zurück: Wenn es früher berechtigten Anlass gegeben hat, die Konfiguration der FB-Konten zu bemängeln, so hat der Konzern inzwischen wohl oder übel einige Hausaufgaben gemacht – es gibt derart viele Einstellmöglichkeiten, dass ich nichts fand, was bei mir Unbehagen erzeugt hätte.
Dies änderte sich, als ich, um eine individuelle URL für die Blogseite belegen zu können, (m)eine Mobilfunknummer angeben musste. Seitdem werden mir immer wieder Personen aus meinem Bekannten-/Kollegenkreis zur Kontaktaufnahme vorgeschlagen (wohlgemerkt: ich bin immer noch unter „Künstlernamen“ unterwegs und keine der betreffenden Personen, von denen eben die Rede ist, befindet sich in meinem Handy-Kontaktverzeichnis), was die Dimension der im Hintergrund laufenden Verknüpfungsalgorithmen recht deutlich zeigt.
Nun bin ich kein Verschwörungstheoretiker und solange ich Dinge einfach ignorieren kann, ist mir vieles egal.

Was ich bei Facebook für mich gut finde:

  • Die Möglichkeit, über die private Seite unkompliziert Kontakt zu Personen zu halten, wenn alle anderen Kommunikationsmittel versagen. Ja, so etwas gibt es… Gruß nach Griechenland :-)
  • Die komfortable Auflistung von Neuigkeiten gelikter Fanpages, z. B. von Künstlern oder Fotografen. Früher habe ich dazu immer jede einzelne Seite aufrufen müssen.

Die private Seite werde ich deshalb beibehalten. Nicht jedoch die öffentliche Blog-Seite. Warum nicht?

Punkt 3: Wo sehe ich Chancen und Grenzen der öffentlichen Fan-Pages bei Facebook?
Keine Frage, bei einem Umsatz von 6.43 Milliarden $ im 2. Quartal 2016 steht das Potential der Facebook-Plattform für das Marketing außer Frage. Dass es hier ums Geschäft, um VIEL Geschäft geht, ist augenscheinlich, sobald du eine Fan-Page bei Facebook eröffnest. Da bist du von Statistiken umschwirrt und von Mitteilungen, wie du deine Seite pushen kannst.

Für meine nichtkommerzielle Blogseite brauche ich das nicht. Es ist mir zu allgegenwärtig, die Zahlen stehen doch arg im Vordergrund und wollen nach und nach ein Eigenleben führen. Egal, wie die Klasse… Hauptsache Masse.
Vor allem aber ist das System für meine Belange zu wenig nachhaltig: heute gepostet, morgen vergessen. Wenn ich in meiner FB-Blog-Chronik einen bestimmten Beitrag nachlesen will, scrolle ich mich zu Tode – das macht kein Mensch. Hier im Blog gehe ich aufs Stichwort und gut ist’s.

Nicht zuletzt: Facebook erschwert Nicht-Mitgliedern browserabhängig das Lesen der öffentlich zugänglichen Seiten, indem eine Anmeldeaufforderung vorgeschaltet wird, die man nur teilweise wegklicken kann – ungemütlich.

Wäre ich hauptberuflich Unternehmer/Künstler, würde ich die Thematik freilich aus anderen Augen betrachten. Da benötigte ich die Masse in der Regel für meinen wirtschaftlichen Erfolg. Mit der riesigen Nutzer-Zahl in Einheit mit der hohen täglichen Aktivität und dem lockeren, die Kommunikation erfreulich niedrigschwellig machenden Plattformstil ergibt sich hier ein hervorragendes Potential für die Kunden- bzw. Fan-Bindung.

Letzteres erschließt sich allerdings in den meisten Fällen nicht von selbst, auch nicht allein durch diverse angepriesene Entgelte. Wer das Facebook-Werbepotential heben will, sollte auch bereit sein, die entsprechenden Ressourcen (konzeptionell, Präsenz) dafür einzusetzen. Ohne Fleiß keine Likes…