Demnächst habe ich zwölf Stunden Autofahrt vor mir und das bedeutet… richtig: 12 Stunden Musik in meinem mobilen Konzertsaal!

Passt ganz gut, denn von Nadine habe ich rund 50 CD geschenkt bekommen, die so ein junger, digitaler Haushalt nicht mehr brauchen kann.
Ich bin in der Beziehung ja eher ein Dinosaurier und würde eine CD nur ausrangieren, wenn die Qualität schlecht ist. Nun habe ich also unterwegs gaaaaanz viel Zeit, die Neuankömmlinge anzuhören und sortiere heute schon mal vor.
Nanu!, stutze ich, eine folienverschweisste Scheibe dazwischen? Immer dasselbe! Ich höre einen tollen Musiktitel, bestelle mir prompt das Album und lege ich es mal gerade beiseite, weil ich keine Muße zum Hören habe.


Aber den Leonhard Cohen, „Live In London“, den habe ich hingelegt und doch tatsächlich ein halbes Jahr vergessen. Geht‘ noch?! Hätte inzwischen gestorben sein können und diesen alten Herrn mit der herrlich dunklen, groovenden Stimme verpasst.
Es dauerte vorhin keine dreißig Sekunden, dann hatten er und seine Musiker mich in ihrem Bann… aber voll!

Titel 4, Bird On The Wire, habe ich schon 5x angehört. Ab 2:10 min tolles Gitarren-Solo, dann Cohen: „Bob Metzger on his guitar…“ Woran erinnert mich das? Ich hab’s: Hubert Goisern in „Weit, weit, weg“, mit seinem legendären Ruf „Reinhard Stranzinger an der E-Gitarrn“. Und genauso großartig instrumentalisiert, genauso wehmütig kommt dieses Bird On The Wire daher, man kauft dem damals 73-jährigen jedes Gefühl ab. Herrlich unaufgeregt, fast wie nebenbei und doch absolut auf den Punkt. Und wem der Cohen einfach doch schon zu alt ist, der kann sich an Dino Soldo erfreuen. Bei seinem Saxophon-Spiel schmilzt das letzte Schneefeld garantiert.

Meine Verehrung, Mr. Cohen an your musicians.

Auch den Text liebe ich total.

Like a bird on the wire
Like a drunk in a midnight choir
I have tried in my way to be free

Like a worm on a hook
Like a knight from some old fashioned book
I have saved all my ribbons for thee

If I, if I have been unkind
I hope that you can just let it go by
If I, if I have been untrue
I hope you know it was never to you

Oh, like a baby, stillborn
Like a beast with his horn
I have torn everyone who reached out for me

But I swear by this song
And by all that I have done wrong
I will make it all up to thee

I saw a beggar leaning on his wooden crutch
He said to me, „You must not ask for so much“
And a pretty woman leaning in her darkened door
She cried to me, „Hey, why not ask for more?“

Oh, like a bird on the wire
Like a drunk in a midnight choir
I have tried in my way to be free